Handball
Warum die Eulen Ludwigshafen Julius Meyer-Siebert geholt haben
Max Neuhaus spielte den Chauffeur. Das tat der Spielmacher des Handball-Zweitligisten Eulen Ludwigshafen gerne. Neuhaus kennt Julius Meyer-Siebert. Beide spielten gemeinsam in der Landesauswahl Bayerns. Neuhaus holte Meyer-Siebert am Sonntag in Mannheim am Bahnhof ab und fuhr ihn in dessen vorübergehende Bleibe in Oggersheim. Lange wird der 2,06 Meter lange Rückraumspieler dort aber nicht wohnen. „Ich ziehe bald in eine Wohnung nach Friesenheim um. Dort in der Nähe leben viele Spieler“, sagt Meyer-Siebert.
Max Neuhaus war nicht nur Chauffeur, er war auch der „Informant“ von Meyer-Siebert. „Bei ihm habe ich mich auch über die Eulen informiert. Auch Max hat mir gesagt, dass dort noch nie einer lange gebraucht hat, um integriert zu werden“, sagt Meyer-Siebert. Die Integration verlief unkompliziert. „Dafür sind die Eulen ja auch bekannt“, sagt der Zugang.
Julius Meyer-Siebert ist ein Wunschspieler der Eulen Ludwigshafen. „Lisa Heßler hat sich schon länger um mich bemüht. Durch ihren guten Kontakt zu unserem Geschäftsführer Karsten Günther kam der Wechsel zustande“, sagt Meyer-Siebert. Bis 2025 wurde sein Vertrag bei den Sachsen kürzlich verlängert. Meyer-Siebert wurde dann zunächst für drei Monate zum Spitzenclub SG Flensburg ausgeliehen. „Das war eine sehr interessante und erlebnisreiche Zeit. Ich hatte zwar wenig Spielanteile, habe aber viel mitnehmen können“, sagt Meyer-Siebert. Mit den Stars zu trainieren, von ihnen zu lernen, die Abläufe in einem Top-Verein mitzubekommen – all das war in einer gewissen Weise neu für ihn.
Meyer-Siebert will bei Eulen Führungsspieler werden
Das kurze Gastspiel in Flensburg war so geplant. Auch der Wechsel zu den Eulen ist gewollt. In Ludwigshafen soll er Spielzeiten bekommen. Aber Meyer-Siebert schaut schon weiter. „Ich möchte auch Führungsaufgaben übernehmen“, sagt der ehemalige U19-Nationalspieler, der vor zwei Jahren Vize-Weltmeister geworden ist – unter anderem mit Yessine Meddeb von den Eulen.
Julius Meyer-Siebert hat klar Ziele. Er will Profi werden, bei den Eulen bis 2023 eine tragende Rolle einnehmen, um dann mit mehr Erfahrung in Leipzig den Durchbruch zu schaffen. Weil das ein Vorhaben mit Fragenzeichen ist, studiert Meyer-Siebert. „Ich muss das Studium aber ändern. Ich habe in Leipzig ein Präsenzstudium begonnen. Ich werde jetzt auf BWL umsteigen“, sagt der 21-Jährige.
Julius Meyer-Siebert kommt aus Bayreuth. Sein Vater spielte früher in Bad Schwartau Handball und ging wegen des Studiums nach Bayern. In Bayreuth spielten damals auch Philipp und Michael Müller. Die Zwillinge trugen später unter anderem das Trikot der Rhein-Neckar-Löwen, der MT Melsungen sowie von Leipzig. In Leipzig ist Philipp Müller nun Sportlicher Leiter. „Sie waren meine Vorbilder“, sagt Julius Meyer-Siebert. Die Zwillinge machen immer einen Abstecher im Hause Meyer-Siebert, wenn sie in Bayreuth sind, erzählt Julius Meyer-Siebert. Auch habe er noch mit ihnen in einer Mannschaft kurz spielen dürfen. Im Alter von 17 ging er dann aufs Internat in der Leipziger Handball-Akademie. 2018 bekam Meyer-Siebert seinen ersten Profivertrag.
Nun soll er reifen. „Das ist eine Verpflichtung mit Perspektive. Wir haben ein halbes Jahr Zeit, ihn zu integrieren. Das ist für alle eine Win-Win-Situation: Julius wird bei uns lernen, wird auch entlasten können und gibt uns außerdem mehr Möglichkeiten in der Abwehr, wo er alle Innenpositionen spielen kann“, sagt Eulen-Trainer Ceven Klatt. Am 26. Januar im Testspiel gegen die Rhein-Neckar-Löwen sowie am 28. Januar gegen Saulheim kann Meyer-Siebert eine weitere Stärke zeigen. „Er hat einen guten Wurf“, sagt Klatt.