Ludwigshafen
Warum die A-Juniorinnen der TSG Friesenheim wieder Außenseiter in der Bundesliga sind
Herr Meisel, in den beiden Qualifikationsspielen auf Rheinland-Pfalz-Ebene setzte sich Ihre Mannschaft gegen die SF Budenheim mit zwei Siegen souverän durch. Hatten Sie mit solch einem Start gerechnet?
Ich habe es zumindest gehofft und erwartet, dass wir Budenheim schlagen. Aber die Art und Weise, wie die Mannschaft aufgetreten ist, hat mich schon überrascht. Gegen einen Gegner, den wir schon seit Jahren kennen, hatte ich nicht mit zwei Siegen in solch einer Deutlichkeit gerechnet. Deshalb war es etwas überraschend.
Nun geht es am Samstag, 17 Uhr, TSG-Sportzentrum, mit der Partie gegen die SG BBM Bietigheim in der A-Jugend-Bundesliga los. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die erste von vier Vorrundenpartien?
Gegen Bietigheim treffen wir gleich auf einen sehr starken Gegner. Ich wünsche mir, dass wir uns für die sehr intensiven Trainingsleistungen in den letzten vier Monaten belohnen können. Zumindest werden wir nach der Partie wissen, wo wir stehen.
Mit der HSG DJK Marpingen/SC Alsweiler, SG Kappelwindeck/Steinbach und TSV Haunstetten dürfte die Gruppe genauso stark besetzt sein wie in der vergangenen Saison, oder?
Einen Vergleich zur vergangenen Saison halte ich nicht für zweckmäßig, da es ein anderer Jahrgang war. Den TSV Haunstetten kenne ich bisher nicht, deswegen kann ich deren Leistungsstärke aktuell nicht einschätzen. Die beiden Top-Teams sind die SG BBM Bietigheim, die im letzten Jahr im Viertelfinale der deutschen Meisterschaft stand und die SG Kappelwindeck/Steinbach, die in der letzten Spielzeit nur wegen eines Tores das DM-Viertelfinale verpasst hatte. Das werden für uns schwere Aufgaben. Marpingen/SC Alsweiler sehe ich mit uns auf Augenhöhe. Insofern würde ich schon sagen, dass wir als Außenseiter in die Vorrunde der Bundesliga gehen werden.
Sie treffen nur auf Mannschaften, deren Damen-Teams in der Dritten Liga vertreten sind. Ein Nachteil?
Ich sehe das keinesfalls als einen Nachteil. Unsere A-Jugendliche spielen bei den Damen in der Oberliga und erhalten dort ausreichend zusätzliche Spielpraxis. Mir ist es wichtiger, sie bekommen die Spielzeit in der Oberliga und schaffen es, sich schnell dort zu etablieren. Das wäre der erste Schritt in der Weiterentwicklung, der aus meiner Sicht realistisch ist, um auch dort Fuß zu fassen.
Wäre es sinnvoll, wenn die TSG mit den Damen mittelfristig als Ziel die Dritte Liga anstrebt?
Aus Trainersicht ist eine Weiterentwicklung in der Dritten Liga wünschenswert. Darüber wurde aber bisher nicht gesprochen.
Welches Zwischenziel hat sich Ihre Mannschaft gesetzt?
Wir wollen uns auf jeden Fall in der A-Jugend-Bundesliga wieder für die Zwischenrunde qualifizieren. Dafür müssen wir einen der ersten beiden Plätze nach den zwei Heim- und zwei Auswärtsspielen belegen.
Bleibt es das Ziel der TSG Friesenheim, regelmäßig in der weiblichen A-Jugend-Bundesliga vertreten zu sein?
Sicherlich ist das ein Wunsch, aber nicht alle Jahrgänge sind mit leistungsstarken Spielerinnen besetzt, um jährlich in der Bundesliga vertreten zu sein. Es gibt in den Jahrgängen Wellenbewegungen. Wir haben in den Jahrgängen 2004/2005 nicht so viele Mädchen, so dass wir nur mit einer Mannschaft am Rundenbetrieb vertreten sein können. Da leistet die JSG Mundenheim/Rheingönheim eine hervorragende Nachwuchsarbeit. Marcus Muth und sein Trainerteam haben in den letzten Jahren im Mädchenhandball einen großen Schritt nach vorne gemacht.
Könnte da ein Handball-Leistungszentrum, wie es ab der kommenden Spielzeit im männlichen Bereich zwischen dem TV Hochdorf und der TSG Friesenheim praktiziert wird, ein Modell für den weiblichen Nachwuchs der Vereine Friesenheim, Mundenheim und Rheingönheim sein?
Über solch ein Modell ist meines Wissens bei der TSG noch nicht gesprochen worden. Solch eine Entscheidung müssten die Verantwortlichen der Vereine treffen. Man wird zunächst das Modell im männlichen Bereich erproben und dann die Rückschlüsse ziehen, ob sich so etwas im Mädchenhandball realisieren lässt. Interview: Jochen Willner
Zur Person
Jürgen Meisel (53) ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn, und wohnt in Harthausen. Er hat die B-Trainerlizenz. Seit 1. April 2020 coacht er die weibliche A-Jugend der TSG Friesenheim. Meisel ist Lehrer an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft I in Ludwigshafen und an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim. Von 2014 bis 2018 war Meisel schon Trainer beim weiblichen Nachwuchs der TSG.