Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der Sänger und Musicaldarsteller Sascha Krebs ein „Tausendsascha“ ist

„Er gehört zum Haus wie der Wasserturm zu Mannheim“, sagt Capitol-Chef Thorsten Riehle über den Musiker Sascha Krebs.
»Er gehört zum Haus wie der Wasserturm zu Mannheim«, sagt Capitol-Chef Thorsten Riehle über den Musiker Sascha Krebs.

Mit seiner unkonventionellen Kleidung und seiner langen Mähne fällt der Sänger, Tänzer und Schauspieler Sascha Krebs sofort auf. Aber das Wichtigste im Steckbrief des Mannheimer Künstlers: Mit einem Stimmumfang von über drei Oktaven kommt er seinem großen Vorbild Freddie Mercury von Queen sehr nahe. Die britische Band mit ihrem extravaganten Frontmann hat in seiner Karriere eine nicht unwesentliche Rolle gespielt.

Seit der ersten Stunde des legendären Tribute-Musicals „We will rock you“ hat der heute 44-Jährige die Bühnen im deutschen Sprachraum gerockt. Wahrscheinlich könnte er inzwischen locker einen Konzerthausführer schreiben. Auf derart vielen Bühnen hat er in kürzester Zeit den „Khashoggi“, „Bap“ oder „Brit“ gegeben. Diese erstaunliche Verwandlungsfähigkeit sucht ihresgleichen. In über 1200 Aufführungen von Köln bis Wien und von München bis Hamburg und sogar im renommierten Berliner Theater des Westens schlüpft das ambitionierte Multitalent in die unterschiedlichsten Hauptrollen.

Sonst bis zu 100 Konzerte im Jahr

Schon Ende der 1990er-Jahre spielte Krebs unter der Regie von Roman Polanski in Wien „Tanz der Vampire“. Als Herbert, schwuler Sohn des Grafen von Krolock, erntete er wahre Jubelstürme. Dass der ambitionierte Allrounder bis vor der Corona-Pandemie als Frontmann der wohl besten deutschen Queen-Tribute-Formation, den Queen Kings, auf der Bühne stand, ist sicher kein Zufall. Normalerweise bis zu 100 Konzerte im Jahr und ein eigener Fanclub – das sagt viel über die Qualität der Band und ihres Sängers aus.

Es war ein kleiner Chor in Sandhausen, in dem alles begann. Sascha Krebs, ein damals fleißig Akkordeon übender Jugendlicher, kam zum ersten Mal in Kontakt mit den Sphären der gesungenen Musik. „Aber meine Stimme ist sehr leise damals und taugt noch nicht zum Solisten, obwohl mich mit 16 Jahren eine Aufführung von ,Hair’ im Rosengarten umgehauen hat“, blickt er zurück und schmunzelt. Aber das lässt sich ändern. In seiner Geburtsstadt Heidelberg nimmt er Gesangsunterricht bei einem Opernsänger. Mit einem guten Ergebnis: Nach dem Abitur reicht das Stimmvolumen für die Aufnahmeprüfung an der Stage School von Hamburg. Und wie haben die Eltern die künstlerischen Ambitionen gesehen? „Meine Eltern haben mich auf meinem künstlerischen Weg immer unterstützt, auch finanziell“, sagt der „Tausendsascha“, und bei diesen Worten klingen Freude und Stolz mit.

Haarige Anfänge

Aber es kommt ganz anders als erwartet. Die Ausbildungszeit an der Alster bricht er bereits nach einem Jahr ab, denn Krebs erhält eine einmalige Chance: Bei den Freilichtspielen in Tecklenburg kann er sich im Hippie-Musical „Hair“ erste Sporen verdienen. Bis heute hat er sich deshalb die Liebe für sein „Sprungbrett“ Tecklenburg erhalten. Nach dem „haarigen“ Auftritt folgen Gastspiele in der „Rocky Horror Show“, in „Hello Dolly“, „Jesus Christ Superstar“ oder „Dracula“. Quasi Dauergast war er auch in der Show „Rock meets Classic“. Dort tourt er mit Giganten wie Mick Box von Uriah Heep, Midge Ure von Ultravox oder Ian Gillan von Deep Purple und Alice Cooper. „I was listening to you today – you sing like a motherfucker“, sagt Nazareth-Sänger Dan McCafferty direkt nach einer Vorstellung zu ihm. Es war als Kompliment gemeint.

„Wie der Wasserturm zu Mannheim“

Der Chef des Mannheimer Capitols, Thorsten Riehle, drückt sich weniger drastisch aus, teilt aber die Wertschätzung: „Sascha Krebs gehört zum Haus wie der Wasserturm zu Mannheim.“ In unzähligen Capitol-Produktionen wirkte Krebs mit – und ist auch trotz der Pandemie dort präsent. Jede Woche streamt das Capitol die Show „Rockt zu Hause“ mit „Sascha im Quadrat“ und wechselnden Gästen: Neben Sascha Krebs steht Sascha Kleinophorst auf der Bühne. „Als Kollege ist er professionell und immer auf den Punkt vorbereitet. Und obwohl er an den großen Häusern und mit verschiedenen Produktionen in den großen Arenen tourt, ist er kollegial und hilfsbereit geblieben“, sagt Riehle. „Er ist ein feiner und zuverlässiger Kerl, der zu seinem Wort steht. Das ist in einer Branche, in der oftmals der Schein das Sein bestimmt, eine wohltuende und positive Eigenschaft.“

Sascha Krebs, der inzwischen auch in Mannheim wohnt, gibt der Spielstätte das Kompliment zurück: Alle Akteure hätten dort künstlerische Freiheit, und nicht zuletzt stimme die Chemie unter den Mitwirkenden. Seine Partnerin, die Choreografin Doris Marlis, entstammt übrigens auch der Talentrampe an der Waldhofstraße.

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