LUDWIGSHAFEN
Warum der Ludwigshafener SC kleine Brötchen backt
Anfang des Jahrhunderts spielte der Ludwigshafener SC sechs Jahre lang in der Bezirksliga, ehe Trainer Hermann Kohlenbrenner mit einer jungen Mannschaft, in der viele Spieler aus der eigenen Jugend standen, zweimal in Folge aufstieg. Ab 2008 lief das Team in der Verbandsliga auf. Dort hielt sich der Klub bis 2018, dann ging es so schnell nach unten wie es zuvor nach oben ging. Zweimal hintereinander stieg der LSC ab und spielt jetzt wieder in der Bezirksliga. Während früher fast ausschließlich Eigengewächse in den Kader integriert wurden, stehen heute auch etliche Akteure im Team, die von Nachbarvereinen verpflichtet wurden.
Das klappt ganz gut. „Die Mannschaft zieht super mit, über die Trainingsbeteiligung können wir uns nicht beklagen“, sagt Trainer Steffen Lang, der seit dieser Saison gemeinsam mit Kumpel Sören Breininger den Bezirksligisten coacht. Beide sind 34 Jahre alt und haben früher für den Ludwigshafener SC gespielt, was auch für Spielleiter Markus Rossel gilt. Das Trio harmoniert bestens und will eine Mannschaft aufbauen, die zumindest mittelfristig wieder höhere Ziele angehen kann.
Fehlendes Tempo im LSC-Spiel
Zum Saisonauftakt gab es ein zugegebenermaßen glückliches 2:2 gegen die FG 08 Mutterstadt. Von den restlichen sechs Partien wurden vier gewonnen und zwei verloren. „Bei der 1:2-Niederlage in Frankenthal waren wir bei einem starken Gegner richtig gut, haben unsere beste Saisonleistung abgeliefert und hätten einen Punkt verdient gehabt“, betont Lang. Ein Wermutstropfen war die bittere 2:4-Pleite bei Neuling SV Weisenheim. „20, 25 Minuten lang war es ein starker Auftritt von uns, und wir haben geführt. Plötzlich wurden wir grundlos nervös, hektisch und sind vollkommen außer Tritt geraten“, ärgert sich Breininger.
Die beiden Übungsleiter haben festgestellt, dass in der Bezirksliga viele Mannschaften einen defensiven Ansatz wählen und dem Gegner in erster Linie keinen Spielraum lassen wollen. Der LSC tue sich sehr schwer, gegen solche kompakt stehenden Teams Lösungen zu finden. „Deshalb ist das noch nicht ganz der Fußball, den will uns vorstellen“, verdeutlicht Lang. Breininger erklärt, woran gearbeitet werden müsse: „Unser Spiel benötigt mehr Tempo und Tiefe, um Teams ausspielen zu können, die ihr Augenmerk auf eine gute Verteidigung legen.“ Insgesamt sollen die Darbietungen attraktiver werden.
Mittelstürmer fehlt
Die Hochfelder profitieren von ihrer stabilen Abwehr. Die Standard-Viererkette mit Fabio Fleischer, Bernd Fröhlich, Salwan Al-Bayati und Peter Hildebrandt, der die konstantesten Leistungen bringe, weist viel Erfahrung und Klasse auf. Diese „Bank“ wird vervollständigt von Torwart Simon Geist. „Simon hat schon drei Elfmeter gehalten und nur gegen Mutterstadt einmal gepatzt. Das ist super, aber auch ein bisschen schade für Manuel Letzel“, sagt Breininger. Das talentierte Eigengewächs Letzel hatte als 18-Jähriger in der Verbandsliga gegen Zeiskam mit einer bemerkenswert selbstbewussten Vorstellung debütiert. Heute ist er 20, muss sich aber derzeit hinter dem souveränen Geist anstellen.
Von den neuen Spielern haben Nico Maillet und Dominik Schmitt bisher den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. „Nico ist eine Bereicherung und spielt auffällig gut“, lobt Lang. Schmitt, ein technischer starker Kicker mit Spielmacher-Qualitäten, besticht mit großer Torgefährlichkeit, guten Standards und ist mit sechs Treffern der mit Abstand beste Schütze. „Was uns noch fehlt, ist ein Mittelstürmer, der auch mal zwei Gegner bindet und Schrecken verbreitet“, erläutert Breininger. Vielleicht kann Ibrahim Anli diese Rolle ausfüllen, der bald wieder zum Team stoßen soll.