Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Warum das Spiel bei den Eulen die letzte Chance für Nordhorn ist

Robert Weber ist der wichtigste Spieler bei der HSG Nordhorn-Lingen. Der Österreicher wurde 2015 im Trikot des SC Magdeburg Tors
Robert Weber ist der wichtigste Spieler bei der HSG Nordhorn-Lingen. Der Österreicher wurde 2015 im Trikot des SC Magdeburg Torschützenkönig der Liga. Aktuell liegt er auf Platz zwei.

Die HSG Nordhorn-Lingen hat eine bewegte Vergangenheit. 2002 wurde der Klub Deutscher Vizemeister, gewann 2008 den EHF-Pokalsieg, durchlebte wirtschaftliche Turbulenzen, die zum Abstieg 2009 und Neuanfang führten, sowie den Wiederaufstieg als Vizemeister der Zweiten Bundesliga 2019. Am Sonntag ist die HSG Gast bei den Eulen Ludwigshafen – ein Schlüsselspiel im Abstiegskampf (12 Uhr, Friedrich-Ebert-Halle).

Das letzte Heimspiel gegen den HSC 2000 Coburg war für die HSG Nordhorn-Lingen ein ganz besonderes Spiel – nicht nur, weil dem Tabellen-18. am vergangenen Sonnabend mit 28:26 gegen das Schlusslicht ein wichtiger Erfolg gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf gelang. Es war das 400. Bundesligaspiel in der Vereinshistorie. Nach einem ersten Aufenthalt im Handball-Oberhaus von 1999 bis 2009 gelang dann exakt zehn Jahre später die Rückkehr.

Doch ob nach nun zwei Spielzeiten eine weitere Saison in Liga eins dazu kommt, ist fraglicher denn je, seit dem jüngsten Auftritt der Mannschaft von Trainer Daniel Kubes. Bei der 26:35-Pleite am Donnerstag bei der HSG Wetzlar ließ sie vor allem bis zum 9:20-Pausenstand jedes Bundesligaformat vermissen. Mit dieser Hypothek muss das Team von der niederländischen Grenze nun 400 Kilometer weiter südlich bei den einen Tabellenplatz über ihnen geführten Eulen Ludwigshafen antreten (Sonntag, 12 Uhr, Friedrich Ebert Halle), die mit dem Schwung von zwei Siegen in Folge in dieses so wichtige Duell gehen. Zudem müssen die Gäste ohne Luca de Boer auskommen; der aus dem benachbarten Schüttorf stammende Kreisläufer schied in Wetzlar bereits nach vier Minuten verletzt aus. „Er hat einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen und ist für Sonntag raus“, berichtete Kubes. Zwar stehen mit dem bundesligaerprobten Nils Torbrügge, dem slowakischen Nationalspieler Dominik Kalafut und dem ebenfalls international erfahrenen Niederländer Toon Leenders drei weitere Kreisläufer im Kader. Doch de Boer ist eine zentrale Figur in der HSG-Abwehr. „Er ist einer unserer besten Verteidiger“, bedauert Kubes den Ausfall, „das ist bitter, aber wir haben genügend Spieler, um es zu kompensieren.“

Alles hängt von Robert Weber ab

Im Angriff hängt so ziemlich alles an Robert Weber, mit 198 Saisontoren aktuell die Nummer zwei unter den Liga-Torjägern hinter dem Göppinger Marcel Schiller (206). Auch in Wetzlar war der 35 Jahre alte Rechtsaußen mit sieben Treffern (davon fünf Siebenmeter) wieder bester Werfer von Nordhorn-Lingen. Der Österreicher, der in zehn Jahren beim SC Magdeburg in den Rang einer Bundesliga-Ikone aufstieg und in der Saison 2014/15 mit 271 Treffern Torschützenkönig der Liga wurde, ist mit seiner Familie in Nordhorn schnell heimisch geworden. Nach seinem Wechsel 2019 entschloss er sich wenige Monate später, seinen ursprünglich bis 2021 datierten Vertrag vorzeitig bis 2023 zu verlängern. „Ich bin vom Projekt absolut überzeugt und das Potenzial in der Mannschaft ist da“, sagte er, „deshalb habe ich mich entschieden, langfristig hierzubleiben, um das Ganze mitzugestalten und zu helfen, wo ich kann.“

Sein Pendant auf dem linken Flügel, Pavel Mickal, ist schon seit 2005 fester Bestandteil der HSG. Der Tscheche wird demnächst sein 500. Ligaspiel für die HSG absolvieren. Der 37-Jährige hat beim deutschen Vizemeister von 2002 so ziemlich alles erlebt: den EHF-Pokalsieg 2008, das Finale im europäischen Pokalsieger-Wettbewerb ein Jahr später, wirtschaftliche Turbulenzen, die letztlich zum Abstieg 2009 und Neuanfang führten, sowie den Wiederaufstieg als Vizemeister der Zweiten Bundesliga 2019. Und nun womöglich den zweiten Abstieg – oder den Klassenverbleib?

In welche Richtung es geht, darüber wird nach dem Schlüsselspiel bei den Eulen ein Stück weit mehr Klarheit herrschen. Denn bei einer Niederlage wird es für die HSG allmählich aussichtslos, am Ende nicht zu den vier Absteigern zu gehören. Gegenüber den Konkurrenten Minden und Balingen auf den rettenden Plätzen 15 und 16 ist der Rückstand auf sechs sowie fünf Punkte bei einem mehr ausgetragenen Spiel angewachsen. Und: Im direkten Vergleich, der bei Punktgleichheit das nächste Kriterium für den Ligaverbleib ist, hat die HSG gegen diese beiden Teams den Kürzeren gezogen.

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