Ludwigshafen
Warum am Christbaum einer Oggersheimer Familie Schmuck aus aller Welt hängt
Auf dem massiven Esstisch im Wohnzimmer der Kasumovs steht ein großer Teller mit Weihnachtsgebäck, eine dicke Kerze brennt, und Hausherrin Sabine Harant-Kasumov öffnet fast ein bisschen feierlich eine dekorierte Kiste mit vielen quadratischen Fächern. Darin bewahrt sie den Schmuck für den Weihnachtsbaum auf. Keine schlichten Strohsterne oder nach Farben sortierte Kugeln, sondern rund drei Dutzend Einzelstücke, die die Journalistin von vielen Reisen mit in die Pfalz gebracht hat.
Die drei Töchter – Aziza (26), Saida (23) und Samira (21) – teilen mittlerweile die Leidenschaft ihrer Mutter und halten ebenfalls bei ihren Trips in andere Länder und an ihren Wohnorten Ausschau nach ungewöhnlichen Anhängern für den heimischen Christbaum. „Das ist so eine Art Familiensport geworden“, sagt Mutter Sabine schmunzelnd. Und auch wenn die jungen Frauen weit verstreut in New York, London und Berlin leben – an Weihnachten kommen alle wieder nach Hause. So war es jedenfalls bis vor Kurzem noch geplant. Höhepunkt ist dann jedes Mal ein großes Familientreffen am zweiten Feiertag. Diesmal soll es Maronensuppe und einen Truthahn nach einem Rezept aus der „New York-Times“ mit Rosenkohl und Semmelknödeln geben.
Beim Schmücken in Erinnerungen schwelgen
Als Erstes fischt die Oggersheimerin ein oval geformtes Stück aus dünnem Glas aus ihrer Weihnachtskiste, das sehr edel in Blau, Grün und Gold bemalt ist. Den Schmuck habe ihre älteste Tochter im Shop des Museum of Modern Art in New York entdeckt. Aziza ist in der amerikanischen Metropole in die Fußstapfen der Mama getreten und hat als Journalistin gearbeitet. Mittlerweile studiert sie dort Kreatives Schreiben und genießt das vielfältige kulturelle Leben am Hudson River.
Den Grundstock für ihre Weihnachtsschmuck-Sammlung habe sie schon vor Jahrzehnten von ihren Eltern geerbt, erzählt Sabine Harant-Kasumov, nippt an ihrem Milchkaffee und beißt in ein Stück Lebkuchen. Auch als junge Frau habe es ihr immer gut gefallen, beim Schmücken des Weihnachtsbaums in Erinnerungen zu schwelgen. Diese Tradition pflegt sie längst Jahr für Jahr mit ihren Töchtern, wenn der Baum am Abend des 23. Dezember gemeinsam für das Familienfest vorbereitet wird.
Immer unterwegs
Das Reisefieber liegt den Kasumovs im Blut. „In unserer Familie ist immer jemand unterwegs“, berichtet die 60-Jährige. Das gilt besonders für Ehemann Firuddin (71). Denn der Geschäftsmann und promovierte Chemiker, der als junger Mann in Dresden studiert hat, stammt aus Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan am Kaspischen Meer, und er reist regelmäßig in seine Heimat. Aber auch Moskau und St. Petersburg haben die Eheleute, die seit 30 Jahren verheiratet sind, oft besucht. Bei vielen dieser Reisen hat Sabine Harant-Kasumov dann gezielt nach Schmuck für das nächste Weihnachtsfest Ausschau gehalten und ihre Sammlung nach und nach vergrößert. „Am Christbaum spiegeln sich inzwischen viele Stationen unseres Lebens wider.“
Sehr wertvolle Stücke wie eine Nachahmung eines Fabergé-Eis von einem Juwelier aus Moskau sammelt die Oggersheimerin ebenso wie glitzernden Kitsch aus New York oder Originelles aus London, wo Tochter Saida studiert. Einen kunstvoll gestalteten Pfau hat sie aus der Hafenstadt Gent in Belgien mitgebracht, die sie mit einer Freundin besucht hat. Die Stadt stehe immer im Schatten von Brügge, meint Sabine Harant-Kasumov, dabei sei es dort gerade in der Vorweihnachtszeit sehr romantisch und idyllisch.
Lieblingsland Jordanien
Hat sie ein Reiseziel, das sie ganz besonders liebt? Da muss die 60-Jährige nicht lange nachdenken: „Jordanien.“ In der Stadt Madaba hat sie eine Kugel und eine Glocke aus farbigem Glas mit Ornamenten erstanden. Von dort habe Moses angeblich das gelobte Land gesehen, erzählt die Globetrotterin und schwärmt von der Natur, den Menschen und der Geschichte des arabischen Landes am östlichen Ufer des Jordans. Hier habe man auch einen sehr interessanten Überblick über Israel und Palästina. Es sei nicht zu fassen, meint Sabine Harant-Kasumov, dass es in dieser wunderschönen Region einfach nicht gelinge, die Menschen zusammenzubringen und Frieden zu stiften. Auch nicht an Weihnachten.