Ludwigshafen Warnstreik mit Hindernissen

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Eine halbe Stunde haben gestern 200 Beschäftigte zum Auftakt der neuen Tarifrunde des öffentlichen Dienstes mit Trillerpfeifen vor dem Rathaus demonstriert. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu einem Warnstreik aufgerufen. Die Ludwigshafener Verwaltung und die TWL wollten die Arbeitnehmer laut Verdi nicht einfach streiken lassen.

Sechs Prozent „mehr Kohle“ und Hände weg von der betrieblichen Zusatzvorsorge, das fordern die Arbeitnehmer in den Verwaltungen von Stadt und Kreis, bei der Sparkasse Vorderpfalz, den Technischen Werken (TWL), im Klinikum und bei der Ludwigshafener Kongress- und Marketinggesellschaft (Lukom). „Wir sind es wert“, machten die Streikenden ihren Standpunkt auf Bannern klar. Dem Ruf von Verdi-Bezirksgeschäftsführer Jürgen Knoll in Richtung der oberen Rathaus-Stockwerke „Kommt runter“ folgte die Stadtspitze um Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) nicht. Knoll kritisierte, dass Lohse im Vorfeld des Streiks versucht habe, die Mitarbeiter im Rathaus unter Druck zu setzen. Er appellierte an die OB, Streikaktionen künftig nicht zu behindern und es den Beschäftigten zu ermöglichen, ihr Grundrecht auf Streik auch in die Tat umzusetzen. Ähnliche Probleme habe es auch bei den TWL gegeben, ergänzte Knoll. Verdi-Mitglied Christian Hartard schilderte, dass die Unternehmensführung den Mitarbeitern am Mittwoch per Intranet mitgeteilt habe, dass sich alle Streikenden bei ihren Vorgesetzten abmelden und ausstechen müssten, wenn sie ihren Arbeitsplatz verlassen wollten. Das stehe jedoch dem Streikgedanken entgegen, erklärte Hartard. Für die Mitarbeiter der Sparkasse Vorderpfalz ergriff Thilo Krieg beim Warnstreik das Mikrofon. Wie in unserer gestrigen Ausgabe berichtet, wird dort sowohl beim Personal wie wohl auch in absehbarer Zeit beim Filialnetz drastisch der Rotstift angesetzt. „Sechs Prozent mehr muss drin sein“, forderte Krieg. Mehr Geld in der Tasche der Mitarbeiter sei besser für die Wirtschaft als die aktuelle Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Nicht beim Warnstreik vorm Rathaus vertreten waren die Beschäftigten des städtischen Klinikums. Dort ging stattdessen um die Mittagszeit eine separate Kundgebung über die Bühne. Über 1000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst gingen gestern nach Angaben Jürgen Knolls pfalzweit in 30 Städten und in Worms zeitgleich bei ähnlichen Warnstreiks für mehr Lohn und den Erhalt der betrieblichen Zusatzvorsorge auf die Straße. Der Verdi-Bezirksgeschäftsführer gab sich kämpferisch: „Wir können mehr als nur wackeln, wenn es sein muss“, kündigte er unter Beifall an. Den Warnstreik wertete Knoll als gelungenen Auftakt für die Tarifrunde. Beobachter am Rande des Streiks waren eher skeptisch, was die Durchsetzung der Gewerkschaftsforderungen angeht. „Ich bin gespannt, ob sie die sechs Prozent wirklich kriegen“, äußerte sich ein Müllmann gegenüber zwei Kollegen. „Wahrscheinlich sind es am Ende wieder nur zwei oder drei Prozent mehr und eine Einmalzahlung, das war’s“, sagte er abgeklärt. Der Arbeiter fühlt sich benachteiligt und wettert: „In Deutschland ist alles möglich. Du musst nur Ausländer sein, dann kriegst du den Zucker in den Arsch geblasen.“ Das sei auch der Hauptgrund dafür, weshalb so viele Menschen bei den jüngsten Wahlen ihr Kreuz bei der AfD gemacht hätten, obwohl die Partei im Ruf stehe, rechtsradikal zu sein.

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