Maxdorf
Waldsporthalle: Ein Drama in 67:02 Minuten
67 Minuten und zwei Sekunden. Im Vergleich zur Weltgeschichte ist das eine winzige Zeitspanne. An einem vermeintlich durchschnittlichen Dezemberabend im Jahr 2025 allerdings kann sich diese, zugegebenermaßen handgestoppte, Zeit doch interessant gestalten und eine gewisse Bedeutung für manche Menschen erlangen. 67:02 Minuten (handgestoppt) – so lange dauerte in der jüngsten Sitzung des Verbandsgemeinderats Maxdorf die Diskussion über das weitere Vorgehen in Sachen Waldsporthalle.
Diese ist bekanntermaßen äußerst baufällig. Bereits im März hatte Architekt Gero Höfer (Neuhofen) Verwaltung und Gremien darauf aufmerksam gemacht. Sein Vorschlag: Die alte Halle notdürftig sanieren, vor allem das Dach, damit fünf Jahre Zeit gewinnen. Währenddessen das marode und nicht mehr genutzte Albert-Funk-Haus in unmittelbarer Nachbarschaft abreißen. Auf das Areal die neue Sporthalle bauen und dann die alte Waldsporthalle abreißen. Selbstverständlich könne man die Waldsporthalle auch kernsanieren. Aber zum einen käme das preislich ungefähr aufs Gleiche raus. Zum anderen wäre die Halle für die Dauer der Sanierung – drei bis fünf Jahre – dann nicht nutzbar, weder für das benachbarte Schulzentrum noch für die Maxdorfer Vereine.
Der Haken an der Sache: Das Albert-Funk-Haus gehört der Ortsgemeinde Maxdorf, die Waldsporthalle der Verbandsgemeinde. Ein Grundstückstausch müsste folglich vollzogen werden. Für einen solchen hat der Ortsgemeinderat auch bereits grünes Licht gegeben. Der Verbandsgemeinderat konnte sich bis zu der Sitzung im Fußgönheimer Bürgerhaus nicht durchringen. Auch, weil noch gar nicht feststeht, wie mit der Sporthalle weiter verfahren werden soll. Sanierung oder Neubau? Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung soll die Gremienmitglieder bei der Entscheidung weiterbringen. Doch diese liegt noch nicht vor.
Aufschlussreiche Stunde
Und so steigen wir also ein in jene 67:02 Minuten (handgestoppt). Es soll eine aufschlussreiche gute Stunde werden. Vielleicht nicht unbedingt, was den Erkenntnisgewinn in Sachen weiteres Vorgehen bei der maroden Immobilie betrifft. Doch einige Sachverhalte werden deutlich aufgezeigt. Im Verlauf der Diskussion wird es Anschuldigungen, Vorwürfe, eine Sitzungspause, aber auch Beschlüsse geben.
Die handgestoppten 67:02 Minuten starten für Bürgermeister André Voges (parteilos) eher suboptimal. Der Rechner will nicht hochfahren. Aber in der digitalen Zeit ist alles auf irgendeinem Endgerät abrufbar. Also wechselt der Verwaltungschef kurzerhand aufs Smartphone für seine Ausführungen. Geplant ist eigentlich nur ein mündlicher Sachstandsbericht zur Waldsporthalle. Als Aufhänger dient ein Fragenkatalog, den die CDU an Voges geschickt hat.
Dachsanierung für 93.000 Euro
Ja, die Halle sei derzeit gesperrt. Die Firma, die sich um die Ertüchtigung des Brandschutzes kümmern soll, konkret geht es um die Rauchwarnanlage (RWA), sei am Dienstag in der Halle gewesen und habe mit den Arbeiten begonnen. Für die vorläufige Sanierung des Dachs lägen drei Angebote vor, die sich preislich zwischen rund 93.000 und 118.000 Euro bewegen. Der wirtschaftlichste (günstigste) Bieter sei derjenige, der auch schon den Gerüstturm an und den Umlaufschutz auf dem Dach der Halle angebracht habe. „Wenn er den Auftrag nicht bekommt, wird alles wieder abgebaut“, verdeutlicht Voges.
Weshalb er auch einen Umlaufbeschluss gestartet habe, gemäß vorheriger Beschlüsse. Demnach könne er in Absprache mit den Fraktionsvorsitzenden in dieser Causa den wirtschaftlichsten Bieter beauftragen. Konkret geht es darum, die Solarthermieanlage abzubauen und das Dach mit Bitumenbahnen abzudichten.
93.000 Euro – das ist Martina Fickler, Fraktionsvorsitzende der CDU, zu viel. Konkret: „Das ist mir zu heiß, einfach so über einen solchen Betrag abzustimmen.“ Michael Schimbeno, Fraktionsvorsitzender der FDP/FWG-Fraktion, betonte, dass man den Betrieb in der Halle aufrechterhalten wolle. Er sah in Anbetracht der Dringlichkeit kein Problem darin, Voges’ Vorschlag zuzustimmen.
Zwischen möglich und wirtschaftlich
Das Hauptproblem ist das undichte Dach. Weshalb in der Vergangenheit Wasser in die Deckenkonstruktion eingedrungen ist. Von der Statik her sei das kein Problem, heißt es mittlerweile vonseiten der Verwaltung. „Höfer hatte angeregt, die Halle sperren zu lassen. Aber ich bin willens, die Halle nach der RWA-Sanierung freizugeben“, sagte Voges. Allerdings bleibe die Frage der Haftung nach wie vor im Raum. Was passiere, wenn ein Kind beim Sport ausrutsche, sich einen Arm oder ein Bein breche?
Ein Dachdecker habe sich das Dach angeschaut. Das Resultat: „Eine partielle Verschließung ist möglich, aber nicht wirtschaftlich. Daher soll das ganze Dach mit Bitumen abgeklebt werden.“ Er könne nicht ausschließen, dass die Arbeiten die Nutzung der Halle beeinträchtigten. Allerdings könnte im Winter sowieso nicht am Dach gearbeitet werden. Frühestens im März/April gebe es den Startschuss.
In Bezug auf die Wirtschaftlichkeitsprüfung sagt Voges, dass ein Leistungsverzeichnis erstellt worden sei. Das entsprechende Büro, das sich um die Prüfung kümmern sollte, habe aber auf 2026 verwiesen. Bezüglich einer Kostenbeteiligung des Kreises bestätigte Voges, dass es bereits Gespräche mit dem ehemaligen Landrat Clemens Körner (CDU) gegeben habe.
Huch ist irritiert
Christopher Huch (SPD) zeigte sich irritiert über das Vorgehen der CDU. „Es kommt mir langsam so vor, als ob es Absicht oder Kalkül ist“, warf er den Christdemokraten vor, auf Zeit zu spielen und die Sache zu hinauszuzögern. Parteikollege Alfons Wiebelskircher meinte, dass die Vereine und Schulen Priorität hätten. Man müsse sicherstellen, dass kein Wasser eindringe. „Mit der Kreisverwaltung kann man doch erst verhandeln, wenn wir wissen, ob wir eine Sanierung oder einen Neubau wollen.“
Huchs Vorwürfe wollte Christoph Baumann (CDU) nicht ohne Widerspruch stehen lassen. Es sei das unbedingte Anliegen der Fraktion, dass die Halle schnellstmöglich wieder geöffnet werden solle. Falls Wasser durchkäme, habe man doch einen Hausmeister vor Ort. „Wir sind nicht dagegen, die Halle zu öffnen“, betonte er. Allerdings habe man in der letzten Fraktionssitzung nicht alle Informationen gehabt. Parteikollegin Julia Jungfleisch sprang ihm bei. Sie bemängelte einmal mehr, dass die Wirtschaftlichkeitsprüfung fehle. „Ich habe den Eindruck, dass es dem Architekten darum geht, auf alle Fälle einen Neubau zu machen.“
Werner Baumanns Ausführungen
Einen Gutteil der handgestoppten 67:02 Minuten nehmen die Ausführungen des Maxdorfer Ortsbürgermeisters Werner Baumann (CDU) ein. Er entschuldigte sich vorab, dass er etwas weiter ausholen müsse. Als er mit „1921 ...“ anfing, gab es doch ein kollektives Aufstöhnen im Bürgerhaus. Das war allerdings lediglich ein Versprecher. Baumann begann im Jahr 2021, als schon einmal der Auftrag rausgegangen sei, das Dach zu sanieren. Im März dieses Jahres sei dann die Aussage gekommen, „alles, was wir jetzt noch in die Halle reinstecken, ist Quatsch.“ Daraufhin habe der Ortsgemeinderat auch generell die Bereitschaft zum Grundstückstausch signalisiert – wenn dieser nötig werden sollte. „Allerdings hat die Verwaltung der Verbandsgemeinde noch keinen Kontakt deswegen mit der Ortsgemeinde aufgenommen.“
Dann habe man in einem Ad-hoc-Beschluss 180.000 Euro für den Brandschutz freigegeben. „Und was wurde nicht gemacht? Der Brandschutz.“ Die Ratsmitglieder hätten teilweise das Vertrauen in die Ingenieure und die Bauabteilung verloren. „Der VG-Rat läuft im Nebel rum, weil keine Informationen weitergegeben werden.“
Für den Paukenschlag an diesem Abend sorgte Bernd Lupberger (CDU). Der Beigeordnete der Verbandsgemeinde, zuständig für den Bereich Bauen mit Ausnahme des VG-eigenen Hochbaus, stellte sich gegen Bürgermeister und Verwaltung. Voges’ Aussage, dass kleinflächigere Reparaturen nicht möglich seien, zweifelte Lupberger an. „Aus Sicht eines Unternehmers ist es natürlich nachvollziehbar, dass er das ganze Dach machen will.“ Notreparaturen seien möglich. Und auch Eimer seien schon auf dem Hallenboden gestanden und hätten durchdringendes Wasser aufgefangen. „Eine partielle Reparatur ist auch für kleines Geld möglich.“
Schimbeno „entsetzt“
Das war der Moment innerhalb der handgestoppten 67:02 Minuten, in denen Sozialdemokrat Rainer Kißler, in der vergangenen Legislaturperiode selbst kurze Zeit als Beigeordneter zuständig für den Bereich Bauen, es nicht mehr aushielt: „Wenn wir so weitermachen, dauert es zehn Jahre, bis die Halle steht. Jetzt fangen wir wieder von vorne an.“ Und Michael Schimbeno zeigte sich gar „entsetzt“ darüber, „dass ihr unterschiedlicher Meinung seid“.
André Voges verfolgte den verbalen Schlagabtausch äußerlich gelassen. Und ob einer zunehmend schwächer werdenden Stimme, versuchte er wohl, seine Aussagen wohl zu dosieren: Er habe nicht behauptet, die partielle Sanierung sei nicht möglich. „Aber sie ist wirtschaftlich nicht sinnvoll.“
Sitzungsunterbrechung
An diesem Punkt sind 50:47 Minuten der handgestoppten 67:02 Minuten vergangen. Voges ruft eine von der CDU beantragte Sitzungsunterbrechung von fünf Minuten aus. Es werden knapp neun Minuten (handgestoppt), in denen sich die Christdemokraten beraten. Christoph Baumann erklärt nach der Wiederaufnahme der Sitzung, dass seine Fraktion nun zum Teil zustimmen werde. Er forderte allerdings eine Sondersitzung des Bauausschusses im Januar, in der das Dach der Waldsporthalle wieder thematisiert werden soll.
Es dauert hernach ein bisschen, bis die neuen Beschlussvorschläge umformuliert sind. Die große Mehrheit des Rats stimmt dann schließlich zu, dass das Dach für gut 93.000 Euro mit Bitumenbahnen saniert werden soll. Lediglich drei Gegenstimmen aus den Reihen der CDU gibt es. Der Verbandsgemeinderat beauftragte André Voges außerdem damit, sich mit der Ortsgemeinde Maxdorf in Verbindung zu setzen und über einen etwaigen Grundstückstausch zu beraten. Der Beschluss fiel sogar einstimmig und bedeutete für den Rat, dass er nach 67:02 Minuten (handgestoppt) zum nächsten Tagesordnungspunkt übergehen konnte.
