Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Über den Dächern von Maxdorf

Über den Dächern von Maxdorf: Das Dach der Waldsporthalle sieht auf den ersten Blick eigentlich ganz gut aus.
Über den Dächern von Maxdorf: Das Dach der Waldsporthalle sieht auf den ersten Blick eigentlich ganz gut aus.

Das Dach der Waldsporthalle macht auf den ersten Blick einen passablen Eindruck. Bei näherem Hinschauen wird klar, was gemacht werden muss. Ein Ortstermin in luftiger Höhe.

Es ist neblig am frühen Morgen des Tags, an dem der Besuch auf dem Dach der Maxdorfer Waldsporthalle ansteht. Wenn man es symbolhaft sehen will, könnte man meinen, dass die Natur ein Einsehen hat und die Bausünden der Vergangenheit mit einem Grauschleier überziehen will, damit man sie nicht so deutlich sieht. Doch bis zum Erklimmen der Leiter hoch aufs Dach der aktuell gesperrten Halle hat sich der Nebel verzogen. Das bedeutet: Freie Sicht auf alles, was auf dem Dach in Angriff genommen werden muss.

Wobei „Bausünden der Vergangenheit“ wohl nicht so ganz des Pudels Kern treffen. Zumindest nicht zu 100 Prozent, wenn es um die Waldsporthalle geht. „Es war damals Stand der Technik“, sagt André Voges (parteilos). Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Maxdorf und Kirsten Harms von der Bauabteilung der Verwaltung sind ebenfalls mit aufs Dach geklettert. Logisch. Alleine darf man sich dort als jemand, der außer, dass er über das Thema schreibt, nicht aufhalten.

Folie seit 1993 auf dem Dach

Stand der Technik, damit spielt Voges auf das Anbringen der Solarthermieanlage auf dem Dach an. Die Technik sei damals erst aufgekommen. Heute, Jahrzehnte später, weiß man, dass es wohl keine gute Idee war, Löcher ins Dach zu machen. Selbstverständlich habe die Verwaltung den Vorschlag der Fußgönheimerin Martina Fickler (CDU) in der jüngsten Verbandsgemeinderatssitzung aufgenommen und prüfe, ob noch jemand in Regress genommen werden kann. Die Hoffnungen, da noch etwas zu holen sind aber bestenfalls minimal.

Frisch auf dem Dach tritt Voges auf die eine oder andere Stelle. Die Folie hat sich an etlichen Stellen gewellt, seit 1993 ist sie drauf, erklären Voges und Harms. „Die Kunststofffolie ist also seit über 30 Jahren ungeschützt der Witterung ausgeliefert. Irgendwann sind die Weichmacher eben raus. Wer Kinder hat, weiß das. Irgendwann zerbröseln die Spielzeugschaufeln von selbst“, sagt Voges.

Ecken als Problemzonen

Das Dach ist mit einer Ost-West-Firstrichtung ausgestattet. Das heißt, zu den langen Seiten der Halle hin besteht jeweils ein Gefälle. Das Problem hierbei ist, dass nur in der Seitenmitte jeweils Abflüsse eingesetzt wurden. Heißt: In den Ecken staut sich das Wasser. „Die Eckpunkte sind auch das Problem“, sagt Harms. Die Ecken und der Bereich um die Solarthermieanlage, um es noch genauer zu fassen.

„Der Lebenszyklus der Folie ist überschritten“, bringt es Harms auf den Punkt. Die Wellen, die die Folie mittlerweile geschlagen hat, behindern den geplanten Ablauf des Wassers zusätzlich. An acht Stellen habe man das Dach von oben her geöffnet, erklärt Harms. Dunkle Flicken auf der noch relativ hellen Folie legen Zeugnis davon ab, wo die Experten tiefer ins Dach reingeschaut haben.

So ist das Dach aufgebaut

Kirsten Harms hat sich in einem Notizbuch eine Zeichnung vom Querschnitt des Dachs gemacht. „Auf Stahlbetonträgern liegen Trapezbleche. Diese Bleche sind wiederum mit flüssigem Bitumen abgedichtet worden. Darauf ist eine Styropordämmung. Auf dem Styropor sind Bitumenbahnen verlegt worden. Das war das ursprüngliche Flachdach“, erklärt die Expertin. 1993 sei dann als bislang letzter großer Eingriff die Kunststofffolie aufgebracht worden.

Die Öffnung des Dachs sei auch gemacht worden, um die Statik der Konstruktion zu prüfen, sagt Voges und hüpft dynamisch auf und ab. Das Dach schwingt ein bisschen mit. Das müsse auch so sein. Wenn es das nicht täte, wäre ein Termin auf dem Dach selbst wohl nicht mehr möglich. Bei der Öffnung habe man festgestellt, dass an einigen Stellen Wasser in die Dämmung eingedrungen sei, erläutert Harms. „Das Wasser ist allerdings wieder verdunstet.“ Gleichwohl müsse die Dämmung ersetzt werden.

Brandschutz muss gemacht werden

Doch alleine damit ist es bei Weitem nicht getan. Damit überhaupt wieder an Sportunterricht oder Vereinsbetrieb in der Waldsporthalle zu denken ist, muss erstmal der Brandschutz auf Vordermann gebracht werden. Das ist am Laufen, versichert der Bürgermeister. „Am 16. Dezember geht’s los.“ Ein Termin, wie er besser nicht hätte ausgedacht werden können: An diesem Tag will sich der Verbandsgemeinderat in seiner letzten Sitzung des Jahres erneut mit der Waldsporthalle befassen.

Denn diese müsste einmal generalüberholt werden. Oder, und das wird von der Verwaltung favorisiert, abgerissen und neu gebaut werden. Einen Plan dafür gibt es auch schon: Das benachbarte Albert-Funk-Haus könnte abgerissen werden. Auf dem Grundstück würde die neue Sporthalle entstehen. Bis diese fertig ist, ginge der Betrieb in der alten Halle weiter. Danach würde die alte Waldsporthalle abgerissen. Dort wäre dann Raum für Parkplätze und/oder eine neue „gute Stube“ für Maxdorf. Im Fall einer Sanierung wäre die Waldsporthalle über Jahre nicht zu nutzen, würde sowohl den Vereinen im Ort als auch dem benachbarten Schulzentrum nicht zur Verfügung stehen.

Sanierung oder Neubau?

Das Problem: Das Funk-Haus samt Grundstück ist Eigentum der Ortsgemeinde, bei der Waldsporthalle hat die Verbandsgemeinde den Hut auf. Weshalb Architekt Gero Höfer (Architekturbüro Horlacher, Neuhofen) bereits im März vor dem Bauausschuss einen Grundstückstausch ins Spiel gebracht hatte. Der Maxdorfer Ortsgemeinderat hat diesem Tausch auch schon zugestimmt. Der Verbandsgemeinderat allerdings zeigt sich da bislang weniger entscheidungsfreudig.

Die Dachsanierung war übrigens schon einmal in Auftrag gegeben worden. Das war 2021, wie Voges und Harms berichten. Den Auftrag habe damals Höfers Büro Horlacher in Neuhofen bekommen. „Dann hat es allerdings eine Entscheidung im Rat gegeben, ein Gesamtsanierungskonzept zu erstellen und der Vertrag wurde rückabgewickelt“, erklärt Voges.

Sanierung oder Neubau – eins von beiden muss jetzt auf jeden Fall angepackt werden. „Der Handlungsdruck ist da. Die Verwaltung ist auch willens, alles abzuarbeiten“, betont Voges. Sobald der Brandschutz in der Halle ertüchtigt ist, werde diese auch wieder freigegeben. Allerdings mit der Einschränkung, dass der Sanitärbereich noch nicht nutzbar sei. Die Leitungen müssten erst gereinigt und dann Proben zur Bestätigung der Keimfreiheit genommen werden. Letzteres soll am 7. Januar passieren. Ob die Verbandsgemeinde bis dahin in der Causa „Waldsporthalle“ endlich einen Schritt weiter ist?

Termin

Sitzung des Verbandsgemeinderats Maxdorf, 16. Dezember, 19 Uhr, Bürgerhaus Fußgönheim.

Ungewollte Sammelstelle: In den Ecken staut sich das Wasser, weil kein Abfluss an diesen Punkten eingebaut worden ist.
Ungewollte Sammelstelle: In den Ecken staut sich das Wasser, weil kein Abfluss an diesen Punkten eingebaut worden ist.
Abflüsse wie diesen gibt es lediglich in den mittleren Bereichen der Seiten.
Abflüsse wie diesen gibt es lediglich in den mittleren Bereichen der Seiten.
Geflickt I: Eine der Stellen, an der sich Experten das Dach genauer angeschaut haben, ist wieder abgedichtet worden.
Geflickt I: Eine der Stellen, an der sich Experten das Dach genauer angeschaut haben, ist wieder abgedichtet worden.
Geflickt II: Der Bereich um das Gestell der Solarthermieanlage hat „Pflaster“ bekommen.
Geflickt II: Der Bereich um das Gestell der Solarthermieanlage hat »Pflaster« bekommen.
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