Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Wahlverlierer Kartes: Rückenwind hat gefehlt

War vier Jahre lang Bundestagsabgeordneter: Torbjörn Kartes.
War vier Jahre lang Bundestagsabgeordneter: Torbjörn Kartes.

Herr Kartes, wie fühlen Sie sich jetzt?
Ich bin enttäuscht, dass es mir nicht gelungen ist, das Direktmandat zu verteidigen – das hätte ich sehr gerne geschafft. Aber mir war schon länger klar, dass ich ohne den nötigen Rückenwind aus Berlin diesen Wahlkreis nicht wieder gewinnen kann.

Inwiefern hat der Rückenwind gefehlt?
Wir hatten vor vier Jahren auf Bundesebene zwölf Prozentpunkte Vorsprung vor der SPD. Damit habe ich es geschafft, knapp den Wahlkreis zu gewinnen. Bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen im Bund hat noch nie ein CDU-Kandidat hier gewinnen können.

Sie haben vor der Wahl gesagt, das Ergebnis im Wahlkreis wird ein Votum für Ihre Arbeit in Berlin – das fällt nun negativ aus.
Ich habe bei den Erststimmen etwas besser als die CDU beim Zweitstimmenergebnis abgeschnitten. Aber ich habe im Wahlkampf von Leuten oft gesagt bekommen: „Ich kann dieses Mal die CDU nicht wählen.“

Warum?
Weil wir personell und inhaltlich kein gutes Angebot gemacht haben.

Das heißt, Armin Laschet war der falsche Kanzlerkandidat?
Ganz offensichtlich. Der Wahlkampf war ganz auf Personen konzentriert. Ich hätte mir Markus Söder als Kandidaten gewünscht.

Welche Konsequenzen hat dieses Ergebnis für die CDU in Ludwigshafen. Sie sind hier ja auch CDU-Vorsitzender. Treten Sie bei der Vorstandswahl im Herbst wieder an?
Wenn der CDU-Kreisverband das möchte, dann stehe ich als Vorsitzender wieder gerne zur Verfügung. Ich bin 42 Jahre alt und will mit Sicherheit kein Politrentner sein.

Wollen Sie künftig auch wieder in der Kommunalpolitik stärker mitmischen. Sie waren ja vor Ihrer Berliner Zeit CDU-Stadtratsfraktionschef in Ludwigshafen?
Das ist viel zu früh, um darüber heute Abend zu sprechen.

Wie sieht Ihre Zukunft nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag aus?
Ich gehe auch gerne wieder in meinen alten Beruf zurück. Ich werde wieder als Personalchef bei den Technischen Werken Ludwigshafen arbeiten. Das ist zum Glück möglich.

Vier Jahre Berlin sind nun vorbei, Ihr Fazit?
Es war eine historische Legislatur. Die Corona-Pandemie hat alles auf den Kopf gestellt. Es war sehr anspruchsvoll, das Richtige zu tun. Für mich war es ein Privileg, Ludwigshafen, Frankenthal und den Rhein-Pfalz-Kreis im Bundestag zu vertreten.

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