Dannstadt-Schauernheim
Wahlsieger Walter Schmitt: „Es ist immer noch ein bisschen surreal“
Herr Schmitt, nach so einem intensiven Wahlkampf – wie fühlen Sie sich jetzt, nachdem Sie die Bürgermeisterwahl mit 59,3 Prozent der Stimmen gewonnen haben?
Es ist immer noch ein bisschen surreal. Ich habe das Wahlergebnis natürlich zur Kenntnis genommen, aber es braucht Zeit, bis es wirklich einsickert. Am Montag nach der Wahl habe ich immer wieder gedacht: „Okay, das ist jetzt Realität.“ Die Euphorie, die man vielleicht erwarten würde, war bei mir nicht so ausgeprägt. Es war eher ein Gefühl der Erleichterung, weil der Wahlkampf schon anstrengend war. Aber die positiven Rückmeldungen und die hohe Zustimmung geben mir natürlich ein gutes Gefühl.
Wie haben Sie den Wahlkampf erlebt? Welche Herangehensweise war für Sie entscheidend?
Ich wollte es bewusst anders machen. Keine Kugelschreiber, Feuerzeuge oder andere Werbegeschenke, auch keine Stände vor Supermärkten oder Bäckereien. Ich habe mich dafür entschieden, direkt zu den Leuten zu gehen, an ihren Türen zu klopfen und mich persönlich vorzustellen. Ich habe viel Zeit investiert, aber es hat sich gelohnt. Viele haben sich gefreut, dass ich mir die Zeit nehme, mich persönlich vorzustellen.
Welche Themen haben die Bürger bei diesen Haustürgesprächen besonders häufig angesprochen?
Die größten Themen waren Verkehr und Infrastruktur. Das sind Themen, die uns alle betreffen. Viele Bürger hatten aber auch persönliche Anliegen oder Fragen zu aktuellen Projekten. Es war wichtig, zuzuhören und den Menschen das Gefühl zu geben, dass ihre Anliegen ernst genommen werden. Auch wenn nicht alles sofort umsetzbar ist, ist es entscheidend, offen und transparent zu bleiben.
Was hat Sie während des Wahlkampfs besonders beeindruckt?
Die Unterstützung und das Vertrauen der Menschen. Ich habe schon während meiner Tour durch die Ortschaften unzählige Nachrichten und Worte der Ermutigung erhalten. Das hat mir gezeigt, dass die Menschen wirklich Interesse an Politik haben und bereit sind, sich einzubringen. Das ist ein tolles Gefühl. Gleichzeitig erhöht es aber auch den Druck, weil die Erwartungen hoch sind.
Wie gehen Sie mit diesen hohen Erwartungen um?
Ich bin ein eher gelassener Typ. Das hilft mir, den Überblick zu behalten. Wichtig ist aus meiner Sicht, authentisch zu bleiben und sich nicht zu verbiegen. Natürlich wird es Situationen geben, die herausfordernd sind, aber ich glaube fest daran, dass man mit Offenheit und einer gewissen Portion Humor viel erreichen kann.
Sie werden künftig Verwaltungschef sein und entsprechend Personalverantwortung haben. Was wird Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung sein?
Die größte Herausforderung wird es sein, sich in die Verwaltungsabläufe einzuarbeiten und die Leitung eines großen Teams zu übernehmen. Ich kenne die Strukturen der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim bereits gut, da ich vorher regelmäßig in der Verwaltung vor Ort war. Aber es ist etwas anderes, die Verantwortung zu tragen. Ich bin jedoch optimistisch, dass ich mich schnell einarbeiten kann, auch weil die Verwaltung gut aufgestellt ist.
Da Sie nun bald zwei Bürgermeisterämter innehaben: Wie sieht es mit Ihrer Landwirtschaft aus? Gibt es schon Pläne?
Ja, ich werde meine landwirtschaftliche Tätigkeit reduzieren. Aktuell habe ich noch Zuckerrüben und Mais im Anbau, aber so wie bislang werde ich mich darum nicht mehr kümmern können. Das ist selbstverständlich mit Wehmut verbunden, weil die Landwirtschaft ein großer Teil meines bisherigen Lebens war.
Sehen Sie Ihre landwirtschaftliche Erfahrung als Vorteil für Ihre neue Aufgabe?
Absolut. Die Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim ist landwirtschaftlich geprägt, und ich kenne die Herausforderungen dieser Branche aus erster Hand. Meine landwirtschaftliche Erfahrung hilft mir aber auch an anderer Stelle – zum Beispiel, wenn es um naturbezogene Projekte geht.
Wie wird sich Ihr neues Bürgermeisteramt auf die Hochdorf-Assenheimer auswirken? Werden Sie auch als Ortsbürgermeister weiterhin so greifbar sein wie bislang?
Selbstverständlich werde ich mich als neuer Bürgermeister der Verbandsgemeinde erstmal einarbeiten müssen. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass ich mir trotz des neuen Amts ausreichend Freiraum auch für die Ortsgemeinde schaffen kann. Ich bin zu dieser Wahl mit dem klaren Versprechen angetreten, auf jeden Fall auch Ortsbürgermeister zu bleiben. Die Hochdorf-Assenheimer müssen deshalb keine Angst haben, dass sie künftig zu kurz kommen. Für die nächsten drei Jahre bin ich als Ortsbürgermeister noch gewählt, was dann passiert, muss man sehen. Persönlich habe ich aber eigentlich das Ziel, auch danach weiterzumachen.
Worauf freuen Sie sich in den nächsten Wochen und Monaten am meisten?
Ich freue mich darauf, die Menschen in der Verbandsgemeindeverwaltung und die Bürgerinnen und Bürger noch besser kennenzulernen. Es gibt viele Projekte, die wir anpacken müssen, und ich bin gespannt auf die Zusammenarbeit. Selbstverständlich wird die Einarbeitung Zeit brauchen, aber ich sehe das als spannende Herausforderung.
Zur Person
Walter Schmitt ist Landwirtschaftsmeister und seit 2019 Ortsbürgermeister in Hochdorf-Assenheim. Seit rund 18 Jahren engagiert er sich politisch in seiner Heimatgemeinde, war zunächst zweiter, dann auch Erster Beigeordneter. Schmitt gehört dabei keiner Partei an, sondern ist Mitglied im Verein der Freien Wählergruppe. Der 58-Jährige ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und eine Enkelin. Auch seine Mutter lebt in Hochdorf-Assenheim. Zum neuen Bürgermeister der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim ernannt wird Walter Schmitt am Donnerstag, 21. Mai, 18 Uhr, im Rahmen einer öffentlichen Sitzung des Verbandsgemeinderats. Sein erster offizieller Tag im Amt wird der 3. Juni sein.