Landtagswahl
Wahlkreis 38: Kathrin Hammer will große Sprünge machen ohne laute Töne
Kathrin Hammer zieht sofort die Schuhe aus, nachdem sie ihre Wohnung in Mutterstadt betreten hat. „Macht der Gewohnheit. Ich kenne es nicht anders. Ich bin quasi mein ganzes Leben in Turnhallen unterwegs gewesen“, sagt sie und lacht. Die 39-jährige Mutter einer Tochter hat bei der TSG Mutterstadt Trampolin geturnt, hat damit schon als Kleinkind angefangen. Das Trampolin hat aber gerade Pause. „Das ist gerade nicht mit dem Wahlkampf vereinbar“, meint sie.
Große Sprünge will Hammer, die bei der Stadtverwaltung Speyer Sachgebietsleiterin betriebliches Gesundheitsmanagement ist, künftig in Mainz machen. Sie will das Direktmandat im Wahlkreis 38 (Mutterstadt) holen. Der Weg nach Mainz führt wohl auch nur über das Direktmandat. Über die Landesliste der Sozialdemokraten wird es mit Platz 42 eher schwierig, vermutet sie.
SPD-Mitglied seit zwei Jahren
Seit 1. Januar 2024 ist sie Mitglied bei der SPD. „Ich bin in die Partei eingetreten, weil ich es wollte“, betont sie. Allerdings hat sie sich schon wesentlich früher politisch engagiert. „Wir waren als Freundeskreis im Jugendgemeinderat aktiv“, erinnert sie sich. Zu diesem Kreis gehörten auch Martin Schoenherr, der sich für die Freien Wähler um das Direktmandat im Wahlkreis 38 bemüht, und Elias Weinacht, der für die Grünen im Kreistag sitzt.
„Wir waren sowieso immer zusammen und wollten etwas zusammen machen. Die damalige Dorfspitze mit Bürgermeister Ewald Ledig und Beigeordneter Konrad Heller hat uns gut angeleitet. Da haben wir gemerkt, dass man etwas bewegen kann“, erinnert sie sich. So seien Hammer und Co. die Triebfeder für den Radweg zwischen Mutterstadt und Limburgerhof gewesen, wie sie erzählt. „Wir wollten einfach sicher an die Schlicht und an den Bahnhof nach Limburgerhof.“ Die Zeit sei schön gewesen und habe sie geprägt.
Die Kandidatur für den Mainzer Landtag habe sie zuerst mit ihrer Tochter besprochen. „Mainz ist nicht Speyer“, sagt Kathrin Hammer. Und klar, in Mutterstadt kenne man sie sehr gut durch die Arbeit im Verein. „Aber es ist schon was anderes, wenn an jeder Ecke in den Gemeinden das Bild von Mama hängt.“
Das Ehrenamt kultivieren
2009 bis 2014 war Hammer schon im Mutterstadter Gemeinderat, für die SPD zwar, aber ohne Parteimitgliedschaft. Bei der vergangenen Kommunalwahl hat sie erneut den Sprung ins Gremium geschafft. Sie hat auch den Vorsitz des SPD-Ortsvereins in Mutterstadt übernommen. Und ist quasi gleich mit einem Wahlkampf eingestiegen. „Am Montagabend habe ich den Vorsitz übernommen, am Mittwoch hat sich die Bundesregierung aufgelöst“, erinnert sie sich. Ehrenamtliches Engagement ist ihr wichtig. „Es gab immer Menschen, die mir das vorgelebt haben.“
Das Ehrenamt dürfe nicht sterben, fordert sie. „Wir müssen das Ehrenamt kultivieren. Das kriege ich aber nicht mit schlechter Laune hin. Das macht einen auch nicht gesünder“, sagt sie und lacht. Sie wolle mit den Menschen ins Gespräch kommen. „Das kann ich!“ Laut und poltrig, das sei nicht ihr Ding. „Das will ich auch gar nicht.“
„Manches geht nicht“
Jetzt will sie sich in der Landeshauptstadt engagieren. Sie wolle mitreden, eine andere Perspektive reinbringen. „Wir müssen lernen, den Menschen auch mal zu sagen, dass manches nicht geht.“ Der Staat könne und solle nicht alles regeln. „Für die Erziehung der Kinder ist man selbst zuständig, nicht die Kita.“
Ein Thema, das der alleinerziehenden Mutter am Herzen liegt, ist der Ausbau der Kita- und Schulsozialarbeit. Familienzentren wolle sie aufbauen, niederschwellige Angebote wolle sie bereitstellen für die Familien. „Lebensmodelle ändern sich, dann kommt man schnell in die Bredouille“, sagt sie aus eigener Erfahrung. Eine Ganztagsbetreuung an allen Werktagen und eine Ferienbetreuung „für die, die es wollen“ schweben ihr vor.
Das Modell „Gemeindeschwester plus“ wolle sie ausbauen. „Ich hätte sowas gerne in jeder eigenständigen Gemeinde und Verbandsgemeinde“, verrät sie. Durch deren Veranstaltungen werde Senioren die Teilhabe am Leben ermöglicht. „Das Modell ist gigantisch. Die Frauen fördern, dass die älteren Menschen wieder Bock haben, zu leben“, sagt sie.