Ludwigshafen „Vorbildlich und fair“

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Es sieht ganz so aus, als wäre die Spendenaktion für den Verbleib von Ernst Ludwig Kirchners „Urteil des Paris“ im Wilhelm-Hack-Museum von Erfolg gekrönt. Ein Podiumsgespräch mit Experten für NS-Raubkunst, für Kirchner und den Kunstmarkt sollte der Aktion offenbar noch einmal Anschub geben. Den Kaufpreis, auf den sich die Stadt Ludwigshafen mit der Erbin geeinigt hat, schätzten die Teilnehmer als „fair und gerecht“ ein.

„Es erscheint mir vorbildlich, was hier in Ludwigshafen passiert“, meinte Stefan Koldehoff, Kulturredakteur beim Deutschlandfunk und Autor des Buches über NS-Raubkunst „Die Bilder sind unter uns“. Vorbildlich fand Koldehoff zunächst, dass die Stadt Ludwigshafen um den Verbleib des Gemäldes im Hack-Museum gekämpft hat. Der Experte nannte als Gegenbeispiel Köln, das Oskar Kokoschkas Porträt der Schauspielerin Tilla Dureux den Erben zurückgegeben habe. Vorbildlich fand Koldehoff aber auch die „Mobilisierung der Bürgergesellschaft“ durch die Spendenaktion, an der sich „eine Kulturgesellschaft“ zeige. Felix Krämer vom Frankfurter Städel Museum, dort Kurator der Kirchner-Retrospektive im Jahr 2010, wusste, was für eine schmerzhafte Lücke der Verlust eines einzigartigen Gemäldes wie „Das Urteil des Paris“ in der Sammlung eines Museums reißt. Auch Rose-Maria Gropp, Feuilleton-Redakteurin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, lobte als Moderatorin „das mäzenatische Bewusstsein“, das durch eine Aktion wie „Erna soll bleiben“ in einer Bürgerschaft entstehe. Anlass zu hitzigen Meinungsverschiedenheiten bot die Spendenaktion zum Rückkauf des Gemäldes „Urteil des Paris“, auf dessen Rückseite Kirchner eine Badeszene aus Fehmarn gemalt hat, also nicht. Ein wenig zu kurz kam bei all dem Lob, dass der Fall in Ludwigshafen nicht so eindeutig als Raubkunst einzustufen ist wie andere Fälle. „Natürlich hat die Familie 1937 und 1938 Bilder aus der Sammlung Alfred Hess unter Druck verkauft“, sagte dazu Koldehoff. Kirchners Gemälde galt lange als verschollen und tauchte 1957 in Köln in der Sammlung Wilhelm Hacks wieder auf. Für Hack, auch darin war sich die Runde einig, gilt bei dem Ankauf jedoch die Unschuldsvermutung. Aufgrund dieser uneindeutigen Lage hat die Stadt rund zehn Jahre mit der in London lebenden Erbin Anita Halpin verhandelt. Den schließlich ausgehandelten Kaufpreis von sechs Millionen Euro, der zwar nicht offiziell bestätigt ist, aber auch jetzt wieder genannt wurde, bezeichneten die Experten als fair. Zum Vergleich: Kirchners Gemälde „Berliner Straßenszene“, vom Berliner Brücke-Museum an die Hess-Enkelin Anita Halpin zurückerstattet, war für 30 Millionen Dollar versteigert worden. 83 Prozent der Kaufsumme sei inzwischen beisammen, sagte der Direktor des Hack-Museums René Zechlin. Anzeichen dafür, dass das Museum sich demnächst mit einer weiteren Rückgabeforderung konfrontiert sehen könnte, sah er nicht.

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