Ludwigshafen
Vorbereitungen für Geothermie-Projekt zwischen Ludwigshafen und Frankenthal starten
Der Chemiekonzern BASF, die Städte Ludwigshafen und Frankenthal, die kommunalen Energieversorger Technische Werke Ludwigshafen (TWL) und Stadtwerke Frankenthal haben im November ein gemeinsames Erdwärme-Projekt angestoßen, das bis Anfang der 2030er-Jahre umgesetzt werden soll. Zentraler Partner dabei ist die Vulcan Energie Ressourcen GmbH aus Karlsruhe, Experte für Tiefengeothermie und Lithiumförderung. Das Unternehmen will bei dem Projekt erneuerbare Energie aus Erdwärme bereitstellen und zudem Lithium für die Batterieproduktion gewinnen. Eine entsprechende Absichtserklärung haben alle Beteiligten bereits unterzeichnet.
Im Zentrum des Projekts steht die Nutzung von Thermalwasser aus dem Oberrheingraben. Während die BASF das heiße Wasser zur Dampferzeugung nutzen will, könnte die Firma Vulcan es zur Gewinnung von Lithium verwenden. Das Alkalimetall ist ein Bestandteil für Batterien in E-Autos, Smartphones und Computern. Auch Frankenthal und Ludwigshafen sollen dem Unternehmen zufolge im Erfolgsfall von der nachhaltigen Wärme aus der Tiefe profitieren und wollen sich in einem ersten Schritt an der erforderlichen Erkundung beteiligen.
Erkundung startet im Februar
Im Februar sollen Vibrationsfahrzeuge im Auftrag von Vulcan Energie Ressourcen den Untergrund in Ludwigshafen seismisch vermessen, vergleichbar einer Unterschalluntersuchung beim Arzt. Die Auswertung soll später Grundlage für sogenannte Explorationsbohrungen an vielversprechenden Standorten sein. Letztlich – so die Theorie – sollen an fünf Punkten in der Nähe zum BASF-Stammwerk je zwei Öffnungen gebohrt werden: Über eine wird das Thermalwasser nach oben geführt und über die zweite zurück, nachdem es verwertet wurde.
Das Verfahren stellt das Unternehmen am Montag dem Ludwigshafener Stadtrat vor, der die Voruntersuchungen genehmigen soll. Anschließend können sich Bürger bei einem Forum im Pfalzbau über das Projekt informieren und mit den Verantwortlichen diskutieren.
Wo gemessen wird
Die Messfahrzeuge werden laut Vulcan Energie Ressourcen in einem ersten Schritt entlang möglichst gerade verlaufender Linien auf Straßen und Wegen künstlich erzeugte Schallwellen in die Tiefe schicken. Im Untergrund reflektieren die geologischen Schichten die Schallwellen zurück an die Oberfläche. Dort werden sie von speziellen Mikrofonen, sogenannten Geophonen, aufgezeichnet. Behörden halten das Verfahren für eine schonende Erkundungsmethode, die auch in Wohngebieten problemlos anwendbar sei. Außerdem könnten damit Probebohrungen vermieden werden, die andernorts für Diskussionen gesorgt haben. Das Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz hat die Untersuchungen genehmigt, die bis Ende März abgeschlossen sein müssen.
In Ludwigshafen sind von den Messungen betroffen: Oppau, Oggersheim, Friesenheim, die Gartenstadt, Maudach, Mundenheim, die Südliche Innenstadt und ein kleiner Teil von Ruchheim. Deswegen sind die Ortsbeiräte aller Stadtbezirke am Montag ebenfalls zur Stadtratssitzung eingeladen, die um 17 Uhr im Konzertsaal des Pfalzbaus beginnt und unter www.ludwigshafen.de live im Internet übertragen wird. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Genehmigung der Untersuchung.
Das Unternehmen Vulcan will nach eigenen Angaben über das Projekt, den aktuellen Stand und die kommenden Schritte informieren. Bei einem Bürgerdialog direkt im Anschluss an die Stadtratssitzung besteht bis etwa 20.30 Uhr die Möglichkeit, mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen und Fragen zu stellen.
Macher betonen Chancen
Die Verantwortlichen sind davon überzeugt, dass Tiefengeothermie im Oberrheingraben eine klimafreundliche Alternative zu Gas und Öl sein kann. Das Projekt könnte mehrere Vorteile haben: Die BASF könnte in der Produktion unabhängiger von Energieimporten werden, warb Uwe Liebelt, Präsident für die europäischen BASF-Verbundstandorte, im November für einen Schulterschluss von Politik, Energieversorgern und Industrie. Für die Menschen in der Region werde eine zuverlässige Wärmeversorgung geschaffen werden, sagte Thorsten Weimann, Geschäftsführer des Karlsruher Unternehmens. Zirka 140 bis 170 Grad heiß könne das Wasser aus der Tiefe gefördert werden. Nach der industriellen Nutzung wäre es immer noch warm genug, um damit Fernwärme gewinnen zu können.
Die kommunalen Partner Ludwigshafen und Frankenthal soll der Einstieg in das Geothermie-Projekt jeweils maximal 200.000 Euro kosten. Liebelt rechnet für die BASF allein für die Seismik mit bis zu fünf Millionen Euro. Die Kosten für das Gesamtprojekt sind noch nicht beziffert worden.
Wärme aus BASF-Kläranlage
Es ist nicht das einzige grüne Energieprojekt, bei dem die Nachbarstädte zusammenarbeiten: Zu Jahresbeginn 2024 wurden Pläne vorgestellt, wie die beiden Städte das warme Abwasser aus der BASF-Kläranlage bei Mörsch für Fernwärme nutzen können. Die über stationäre Wärmepumpen abgezogene Energie soll in ein kilometerlanges Netz eingespeist werden, das in den Norden von Ludwigshafen verlegt werden soll. Unterwegs sollen Trassen in die Frankenthaler Innenstadt abzweigen. Das Thermalwasser aus dem Oberrheingraben wäre eine zweite Quelle zur Wärmegewinnung.
Termin
Stadtratsitzung mit anschließendem Bürgerforum, Montag, 13. Januar, 17 bis 20.30 Uhr, Pfalzbau, Konzertsaal, Berliner Straße 30, Ludwigshafen.