Ludwigshafen Vor großen Aufgaben

Sie kommen beide aus dem Urlaub, wirken dementsprechend erholt und – man kann ihnen durchaus Tatendrang bescheinigen: Barbara Kohlstruck (55) und Alban Meißner (51), die Ludwigshafener Dekane der evangelischen und katholischen Schwesterkirchen, werden von diesem Tatendrang wohl bald Gebrauch machen müssen. Kohlstruck, weil die Presbyterwahlen am ersten Advent keine leichte Aufgabe sind, und Meißner, weil der anstehende Neuzuschnitt der Pfarreien im Bistum Speyer – wir haben mehrfach berichtet – und damit auch in Ludwigshafen eine große Herausforderung ist. Nicht genug damit: Nach der Anzahl der Katholiken hat das Dekanat Ludwigshafen zu viele Pfarrheime – genauer gesagt: 70 Prozent zu viel Fläche. Unter anderem sind es diese Themen, aber auch die teure Sanierung der Türme von St. Ludwig, die Meißner daran hindern, seiner Freizeitbeschäftigung Bogenschießen regelmäßig nachzugehen. Darüber hatte er in der Serie „Reden über Gott und die Welt“ im Juni erzählt. In dem Film „A Million Ways to Die in the West“, den sich der Western-Fan damals ebenfalls ansehen wollte, sei er tatsächlich gewesen, sagt der Geistliche. Zum Auftakt unserer Begegnung gestern Vormittag schwelgen Meißner und Kohlstruck in Urlaubserinnerungen. Der 51-Jährige war im Schwarzwald, Dekanin Kohlstruck außerhalb Deutschlands – „im Norden“, wie sie knapp kundtut. Ihr Sorgenkind: Wenn am 30. November in der Evangelischen Kirche der Pfalz die Presbyterien neu gewählt werden, müssten rechtzeitig die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Zunächst gelte es, genügend Kandidaten zu finden – „mindestens eine Person mehr als Plätze“, sagt Kohlstruck. Deshalb herrsche derzeit „ein bisschen Bangen“, denn bis 8. Oktober müssten die Kandidatenlisten fertig sein. Wahlberechtigt seien alle Gemeindemitglieder ab dem 14. Lebensjahr. Falls bisherige Presbyter nicht mehr kandidierten, müsse Ersatz gefunden werden. Das hat gestern zumindest in einem Fall geklappt: Am Rande der Sommerredaktion konnte der Vertreter einer Kirchengemeinde eine neue Kandidatin für die Presbyterwahl gewinnen. Meißner erinnert daran, dass es auch viel Erfreuliches zu berichten gebe. Zum Beispiel: Die Eröffnungsveranstaltung der bundesweiten „Woche der Brüderlichkeit“ finde im März 2015 in Ludwigshafen statt. Die überkonfessionelle Veranstaltung biete viele Facetten des christlich-jüdischen Dialogs, und Meißner sieht darin eine große Chance, „denn bisher haben wir uns meist mit jüdischem Leben während des Nationalsozialismus befasst.“ Kohlstruck zeigt sich erfreut über eine Aktion im nächsten Jahr: Vor Ostern werde es unter dem Motto „Kurse zum Glauben“ in der Metropolregion sowie, dekanatsübergreifend, Richtung Südpfalz Veranstaltungen geben, die Menschen veranlassen sollen, sich offen mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. Meißner wiederum sagt, er freue sich auf den Ökumenischen Kirchentag an Pfingsten 2015 in Speyer. Und auf den angekündigten Leitfaden, der die Zusammenarbeit zwischen dem Bistum Speyer und der Evangelischen Kirche der Pfalz regele. In Fachkreisen wird das Papier „ein wichtiger Baustein“ genannt.