Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Von wegen Ruhestand: Der Oggersheimer Musiker Tim Pfau

Große Lust am Improvisieren: Tim Pfau in seinem Heim-Studio in Oggersheim.
Große Lust am Improvisieren: Tim Pfau in seinem Heim-Studio in Oggersheim.

Erst kurz vor der Rente hat der Gitarrist und Musikschullehrer Tim Pfau begonnen, eigene Platten zu produzieren. Seither startet der Ludwigshafener richtig durch und tüftelt jeden Tag stundenlang im Studio. Als Mitmusiker hat er einen bekannten Jazzer gewinnen können.

Acht eigene Platten hat Gitarrist Tim Pfau inzwischen veröffentlicht. Er genießt die Freiheit, keine Kompromisse machen zu müssen. „Ich mache jetzt das, was ich schon immer machen wollte, ohne stilistische Einschränkungen“, sagt der 69-Jährige mit hörbarer Freude in der Stimme. Die Entscheidung für eine Festanstellung als Musiklehrer in Mannheim hat sich im Nachhinein als richtig erwiesen. Heute lebt der Rentner in Ludwigshafen-Oggersheim.

Lernen mit den Ohren

Der Erstkontakt mit Musik kam über die Mutter, die gerne Klassik gehört habe, erzählt Pfau. Mit neun Jahren bekam er Klavierstunden. „Eine strenge Lehrerin, trockener Unterricht, Tonleitern üben – das war nichts für mich“, stellte er fest und hörte nach zwei Jahren auf. Als dann 1965 das American Folk Blues Festival im Fernsehen übertragen wurde, fand der 14-jährige Tim seine Berufung. „Das möchte ich machen – aber ohne Lehrer“, habe er sich gesagt. Er hörte Platten der britischen Bluesgitarristen – Eric Clapton, Peter Green, Mick Taylor, John Mayalls Bluesbreakers – und lernte mit den Ohren. In der Schulband fehlte ein Bass, den spielte er zuerst. Dann aber wurde er endlich Leadgitarrist. Geübt habe er sehr viel.

Viele Jahre an der Musikschule Mannheim

1972 kam er zu Günter Hornungs Krautrock-Band Zyma, die in der Kurpfalz recht bekannt war und professionelles Niveau erreichte. Nach und nach wurde Pfau klar, dass er die Gitarre zum Beruf machen will – aber das ging damals nur über die klassische Gitarre. 1976 verließ er die Band, hängte die E-Gitarre an den Nagel und übte auf der Konzertgitarre. Ein Jahr später schaffte er die Aufnahmeprüfung und bekam einen Studienplatz an der Musikhochschule Mannheim/Heidelberg, im vergleichsweise „hohen“ Alter von 26 Jahren. Noch während des Studiums, das er 1982 abschloss, unterrichtete er an der Städtischen Musikschule Mannheim. Als man eine Abteilung Jazz/Rock/Pop aufbauen wollte, wurde das seine Aufgabe. 2002 wurde der neue Fachbereich mit Pfau als Leiter offiziell eröffnet. Das blieb er bis zu seiner Pensionierung 2015.

In den 1990er-Jahren spielte er in verschiedenen Coverbands. „Ich habe aber gemerkt, dass das Nachspielen mich nicht wirklich befriedigt“, sagt er. Die Entwicklung der Technik sollte ihm helfen. 2012 rüstete er sich mit einem Computer und professionellen Studioprogrammen aus. Mit denen konnte er beliebig viele Spuren aufnehmen, die Aufnahmen schneiden und bearbeiten. Die Software stellt auch beliebige Instrumentenklänge in virtueller Form zur Verfügung, als Samples oder steuerbar über Keyboards. Pfau bekam so endlich die Möglichkeit, seine Musik alleine zu entwickeln.

„Ich fange meist mit ein paar Akkorden an, improvisiere dann darüber und finde dann Sachen, aus denen ich eine Melodie entwickle“, erklärt er sein Vorgehen. Gitarre, Bass und Keyboard spielt er von Hand, Schlagzeug gibt es als Beats mit Breaks und Fills aus dem Computer. Inzwischen gibt es bei den Stücken auch Gebläse, nämlich Saxophonsätze, die Olaf Schönborn einspielt. „Olaf kam 2010 an die Mannheimer Musikschule, um dort zu unterrichten. Zwischen uns war gleich eine Sympathie“, sagt Pfau, der den Jazzer eingestellt hat.

Schon 200 Songs geschrieben

Musikalisch haben seine Platten anfangs noch stärker nach instrumentalem Blues und Rock geklungen. Dann entwickelte Pfau einen Sound, der mehr nach Fusion Jazz der amerikanischen Westküste klingt. Dort entwickelten Studiogitarristen wie Lee Ritenour und Larry Carlton einen Sound, der Pop und Jazz verschmolz und gefällige Melodien mit virtuosen Improvisationen verband. Auch George Benson sei ein Einfluss, sagt Pfau. „Ich würde mich aber nie als Jazzgitarristen bezeichnen. Es bleibt immer die Wurzel des Blues“, sagt er über sein Spiel. Die vorproduzierten Stücke gebe er an Schönborn, der dann die Bläser-Licks an die richtigen Stellen setze. Die erste Platte veröffentlichte Pfau 2014 auf Schönborns Label Rodenstein Records. Das jüngste Album „Between the Lines“ ist Ende vergangenen Jahres erschienen. Das nächste Album sei schon in Arbeit. „Ich habe bislang etwa 200 Songs gemacht, von denen gut die Hälfte veröffentlicht ist“, sagt er. Die nächsten Platten sollen etwas mehr Synthesizer-Sounds enthalten.

Alle Platten von Tim Pfau sind auf Spotify und weiteren Streamingdiensten zu hören. Wer CDs bestellen will, kann das direkt per E-Mail an info@timpfau.com tun.

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