Ludwigshafen Von Pflegern zu Trägern

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Friesenheim. Ein beachtliches Jubiläum hat der Krankenpflegeverein St. Josef in Friesenheim dieses Jahr gefeiert. Er wurde vor 90 Jahren gegründet, um die Pflege von kranken und alten Menschen zu gewährleisten. In der heutigen Zeit, in der Pflegeleistungen nach Minuten abgerechnet werden, setzt sich der Verein auch für Menschlichkeit ein.

Krankenpflege sei schon sehr früh Teil des christlichen Lebens gewesen, berichtet der Vorsitzende Lutz Hilprecht. Als der Friesenheimer Verein 1926 gegründet wurde, engagierten sich Ordensschwestern und Diakonissen, um kranke und alte Menschen zu pflegen. Heute übernimmt die ökumenische Sozialstation Ludwigshafen als eine der größten Einrichtung in Rheinland-Pfalz diese Aufgaben. „Wir heißen zwar noch Krankenpflegevereine, sind aber nur noch Träger und Fördervereine“, beschreibt der Vorsitzende die Veränderung. Dennoch hätten Krankenpflegevereine ihre Bedeutung behalten, meinen Hilprecht und seine Vorstandskollegen: „Die Mitgliedsbeiträge gehen an die Sozialstation.“ Pflege werde von den Kassen heute in sehr eng getakteten Zeiteinheiten abgerechnet: „Für Pflegeleistungen wie zum Beispiel Duschen oder Zähneputzen wird eine viel zu kurze Zeit veranschlagt“, betont Hilprecht. Daher koste Pflege mehr, als die Pflegekasse bezahle. Weitere Leistungen müssten von den Personen, die sie in Anspruch nehmen, selbst bezahlt werden. Für Mitglieder im Krankenpflegeverein reduziere sich der Anteil prozentual nach Mitgliedsjahren. „Der Krankenpflegeverein ergänzt die finanzielle Lücke – nicht als Vollkasko, aber im Sinne einer Teilkaskoversicherung“, erklärt der Vorsitzende. In der Ökumenischen Sozialstation Ludwigshafen gebe es einen Verwaltungsrat, der von den Krankenpflegevereinen und den Gemeinden gestellt wird. Dieser berate und beschließe, „wie man Pflege noch besser gestalten kann, dass sie sozial verträglich ist und die Pflegekräfte Zeit und Ruhe für ihre Patienten haben“. Dieses Anliegen ist dem Vorstand wichtig: „Pflege soll menschlich sein, ohne Hast.“ Eine Mitgliedschaft im Krankenpflegeverein bringe Vorteile für einen selbst, darüber hinaus zeigten die Mitglieder aber auch ihr christliches und soziales Verantwortungsbewusstsein. Hilprecht und sein Team sind mit dem aktuellen Stand von rund 250 Mitgliedern nicht zufrieden und beobachten mit Besorgnis eine abnehmende Tendenz. Die jüngsten Mitglieder seien um die 40, die ältesten über 90 Jahre alt. „Wir müssen immer wieder um Mitglieder werben“, betont der Vorsitzende. Ein bis zwei Infoveranstaltungen im Jahr – allein, aber auch gemeinsam mit anderen Krankenpflegevereinen – gebe es. Vor einem Jahr etwa konnten die Friesenheimer für den „Tag der Krankenpflegevereine“ den ehemaligen Bundesminister Heiner Geißler als Redner gewinnen. Bei Pfarrfesten präsentiert sich der Verein mit einem Stand. Sogar ein Pflegebett habe er schon mal aufgestellt, um zu zeigen, wie Pflegekräfte arbeiten. Beim Jubiläumsgottesdienst im November sei Pflegedienstleiterin Marica Kovacic zu Gast gewesen und habe die Bedeutung der Krankenpflegevereine und die Arbeit ihrer Mitarbeiter geschildert. Neben Mundpropaganda sei die beste Werbung, wenn der Vorstand potenzielle Mitglieder direkt anspricht, wissen Lutz Hilprecht und Klaus Heitz aus Erfahrungen. Bei der Strategie kämen öfter auch positive Rückmeldungen von Menschen, die sagen: „Ich wollte eigentlich schon immer Mitglied werden.“ Die Serie In dieser Serie stellen wir Vereine und Gruppen aus Ludwigshafen vor. Sind Sie auch Mitglied einer Gruppe? Melden Sie sich unter Telefon 5902555 oder per E-Mail an stadtteilelud@rheinpfalz.de.

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