Ludwigshafen Von KRRRR über die BASF zum Wurstmarkt

Es gibt ja immer mal wieder „solche Tage“. Einen davon hatte ich am vergangenen Freitag. Da stand abends ein schöner Termin an, den mir meine Frankenthaler Kollegen im Frühjahr als Abschiedsgeschenk organisiert hatten: ein Degustations-Menü mit Weinprobe im BASF-Gesellschaftshaus. So etwas hat man ja nicht alle Tage. Also wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit das funktionieren konnte. Denn solche Abendveranstaltungen freitags ab 19 Uhr sind für viele zwar ein schöner Start ins Wochenende, für uns Journalisten aber eher mit viel Rennerei verbunden, da uns das Tagesgeschäft meist bis 20 Uhr oder länger an den Schreibtisch fesselt. Die neuen Kollegen hier in Lu waren aber gewohnt unkompliziert und nett und ließen mich früher gehen. Gerade an einem solchen Tag will man ja dann doch wenigstens früh auf der Arbeit sein. Doch als ich meinen Wagen aus der Garage fahren wollte, macht es nur KRRRR – KRRRR. Sehr komisch. Ich bat meine liebe und deutlich autoverücktere Frau um Rat. Sie meinte nur: „Klingt nicht gut.“ Ich rief also bei meiner Dürkheimer Werkstatt an. Die fanden meine Schilderungen auch merkwürdig. Der Werkstattmeister bot spontan an: „Ich komm vorbei.“ Auch bei ihm: KRRRR und ein Blick, der nichts Gutes versprach. Die Lösung? Die Federn der rechten Vorderachse waren gebrochen. Gar nicht mal so schön. Das kann bei einem fast zehn Jahre alten Wagen aber passieren. Da ich als braver Autolaie jedes Jahr zur Inspektion fahre, habe ich immerhin eine Mobilitätsgarantie. Also rief ich erst bei der Hotline an und klärte die Details mit dem Abschleppdienst. So unnötig das alles am Freitag war, eines war doch super: Das ging Hand in Hand und richtig flott. Obendrein bekamen wir noch einen Extra-Service, denn als „mein“ Werkstattmeister für die Visite bei uns war, beäugte er das Auto meiner Frau kritisch. Ich erwartete irgendeinen Spruch, von wegen, aha, andere Marke. Aber er meinte nur: Sie wissen, der Tüv ist abgelaufen. Hoppla. Das war uns durchgerutscht, können wir jetzt aber flott nachholen. Wirklich ein super Service meiner Werkstatt. Einfach nett und hilfsbereit. Eine knappe Stunde später waren wir alle in der Autowerkstatt. Der Mechaniker sagte zu, sich schnell um die Ersatzteile zu bemühen. Ich brachte dann meine Frau zur Arbeit und düste weiter nach Lu. Ein bissel Arbeit vor dem Schlemmen war angesagt. Wie gesagt, der Freitagabend war ja ein Geschenk. Doch vor allem für meine in Bad Dürkheim geborene (!) Frau war es ein komisches Gefühl, just an Wurstmarkt die heimischen Gefilde zu verlassen. Aber so schnupperten wir mal einen Abend lang gediegene BASF-Gastronomieluft und waren am Samstag froh, als die Werkstatt tatsächlich anrief. Die Truppe hatte sich wie versprochen beeilt. Die Reparatur war erledigt. Und was machen Dürkheimer Geschäftsleute während ihrer wichtigsten Jahreszeit? Genau: Sie verschenken Gutscheine für den Wurstmarkt. So durfte ich Samstagmittag nicht nur wieder mit meinem Auto nach Hause düsen, sondern hatte auch noch einen Schorle-Gutschein im Gepäck. Dass der nur einen Prozent der Rechnung ausmacht, völlig egal. Die Geste zählt. Und am Samstag ging’s dann noch fröhlich auf die Familienrunde zwischen Glaslabyrinth, Riesenrad, Schubkärchlern und Weindorf. Am Abend war dann alles gut. Für Dürkheimer gibt’s an Wurstmarkt eben nur ihren Wurstmarkt. Da kann kommen und passieren was will. Die Kolumne Fünf Redakteure berichten für die RHEINPFALZ über Ludwigshafen. Ihre Erlebnisse aus dem (Arbeits-)Alltag nehmen die Redakteure in der Kolumne „Quintessenz“ wöchentlich aufs Korn.