Ludwigshafen Von Kriegen gebeutelt

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Mutterstadt hat im Lauf seiner bewegten Geschichte mehrfach Verwüstungen und Eroberungen erleben müssen. Die Kriege des 17. Jahrhunderts führten Mutterstadt an den Rand der Auslöschung. Der Aufschwung begann in der napoleonischen Zeit mit der Ernennung Mutterstadts zum Kantonshauptort.

Ein besonders schmerzhaftes Kapitel in der Mutterstadter Ortschronik ist ohne Zweifel der Dreißigjährige Krieg (1618-1648). Bereits 1621 quartieren sich die Spanier ein, kurz darauf flohen die ersten Bauern nach Speyer und Frankenthal – die Felder lagen brach. Dann folgten wechselnde Besatzungen von schwedischen, kaiserlichen, französischen und weimarischen Truppen. „Zu allem Unglück wütete 1637 auch noch die Pest“, erklärt Volker Schläfer, der ehemalige geschäftsführende Beamte von Mutterstadt, der nun ehrenamtlich das Archiv betreut. Als der Dreißigjährige Krieg 1648 endete, lag Mutterstadt in Schutt und Asche. Wer Krankheit, Hunger und Plünderung überlebt hatte, war geflohen. Auch unter den Pfälzischen und den Spanischen Erbfolgekriegen (1688-1697 und 1701-1714) litten Mutterstadt und seine Bevölkerung. Seit 1495 gehörte Mutterstadt zur Kurpfalz, das sollte sich jedoch Ende des 18. Jahrhunderts ändern: Als Folge der napoleonischen Kriege war Mutterstadt von 1797 bis 1816 französisch. Der Ort gehörte innerhalb des Departements Donnersberg zum Distrikt Speyer und wurde Kantonshauptort mit Notariat und Zollstation. Danach wurde die Pfalz bayerisch. Das ehemalige Kantonsgefängnis ist heute das einzige bauliche Zeugnis aus dieser Zeit. Es wurde im Jahr 1825 errichtet. 35 Jahre lang befand sich dort das Gefängnis für die 17 Gemeinden des Kantons Mutterstadt, zu dem unter anderem die Dörfer Altrip, Assenheim, Böhl, Friesenheim, Fußgönheim, Hochdorf, Iggelheim, Maudach, Mundenheim, Neuhofen, Oggersheim, Rheingönheim und Ruchheim gehörten. Der Kanton wurde 1886 wegen der dynamischen Entwicklung der jungen Industriestadt Ludwigshafen zum eigenen Bezirksamt Ludwigshafen erhoben. Aus diesem ging 1939 der Landkreis Ludwigshafen am Rhein, ein Teil des heutigen Rhein-Pfalz-Kreises, hervor. „Von der Denkmalpflege wird das ehemalige Kantonsarresthaus als in seiner Art einzigartiger und ältester Gefängnisbau in Rheinland-Pfalz eingestuft“, schreibt der Historiker und Kreisbeigeordnete Bernhard Kukatzki in einem Artikel über das geschichtsträchtige Haus, in dem sich heute eine Seniorentagesstätte befindet. Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) war die Pfalz entsprechend den Waffenstillstands- und Friedensbedingungen bis 1930 von französischen Truppen besetzt. Davon war auch Mutterstadt betroffen – erneut zogen französische Truppen durch den Ort und besetzten unter anderem die heutige Pestalozzi-Grundschule. Das Jahr 1930 hat für Mutterstadt selbst aber auch besondere Bedeutung: Die Gemeinde musste einen Teil ihrer Gemarkung für die Gründung des neuen Orts Limburgerhof abgeben. |iak

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