Ludwigshafen Von Kopf bis Fuß auf Musik eingestellt
«Ruchheim.»Seit Herbst hat der gemischte Chor der Chorgemeinschaft 1975 Ruchheim eine neue Leiterin: Anna Plakhova trat die Nachfolge von Lucia Lewczuk an und arbeitet seither engagiert an den Programmen für anstehende Konzerte der Sängerinnen und Sänger. Für den 16. März steht ein Auftritt beim Liederkranz 1860 Scheidt an, und das große Frühlingskonzert im Ruchheimer Gemeinschaftshaus ist für den 19. Mai geplant.
Aus dem Gemeinschaftshaus in Ruchheim dringen Stimmen nach draußen, doch sie singen vorerst keine bekannten Weisen. Stattdessen erklingen Tonleiterübungen – mal mit Vokalen, mal mit Konsonanten intoniert. Die neue Chorleiterin Anna Plakhova gibt den Tonartwechsel nach jeder Sequenz mit dem Klavier vor. So macht sich die gut 30-köpfige Gruppe für die Singstunde warm. Es ist die Standardvorbereitung, die jeder ausgebildete Chorleiter zusammen mit anderen Übungen zu Beginn einer Chorprobe durchführt. Plakhovas Lebenslauf weist sie als Fachfrau ersten Ranges in diesem Metier aus. Geboren wurde die Russin im Jahr 1962 in der Millionenmetropole Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans. Ihre Eltern waren beide Professoren am Musikkonservatorium der Stadt. Da verwundert es nicht, dass auch die kleine Anna von Musik angetan war und nach den ersten Schuljahren für sieben Jahre das Musikgymnasium für besonders begabte Kinder besuchte. „Da habe ich eine sehr gründliche Ausbildung erhalten“, urteilt sie im Rückblick. Das sei die Basis für ein erfülltes Berufsleben in Sachen Musik gewesen. Studiert hat Plakhova am Tschaikowski-Konservatorium in Moskau und dem Aschrafi-Konservatorium in Taschkent. Das Studium schloss sie mit dem Diplom als Komponistin und Musikpädagogin ab. 2002 folgte die Promotion. Von 1986 an war Plakhova als Musiklehrerin und Dozentin tätig, zuletzt von 1990 bis 2007 als Dozentin am Glinka-Konservatorium im sibirischen Nowosibirsk. Gelehrt hat sie neben der allgemeinen Musiklehre auch Gehörbildung, Harmonielehre, Komposition, Partiturspielen, Arrangement für sinfonische Orchester und Orchester mit russischen Volksinstrumenten sowie traditionelle koreanische Musik – ein wahrlich breites Spektrum. „Es war sehr gut, ich habe nichts zu tadeln“, sagt die Chorleiterin zum ersten Lied, das der gemischte Chor aus Ruchheim in der Probe intoniert. Ein schönes, auch ein motivierendes Lob aus dem Munde einer solchen Musikerin. Dann legt Plakhova „Ein irischer Segen“ auf. Da melden die Altstimmen Bedenken an. „Das hat schon das letzte Mal nicht geklappt“, meint eine Sängerin. Doch die Chorleiterin lässt sich nicht beirren. Dazu sind ja die Proben da: um es zum Klappen zu bringen. Systematisch geht Plakhova die einzelnen Stimmen durch. Zuerst den Sopran, dann den Alt, auch Tenöre und Bässe und diverse Kombinationen der verschiedenen Register. So arbeitet sie sich gemeinsam mit dem Chor in dem anspruchsvollen Lied weiter voran. 2007 kam die Russin in die Pfalz und hat gleich wieder im Musikleben Fuß gefasst. Ein Chorleiterseminar beim Chorverband der Pfalz und die Ausbildung zur Kirchenmusikerin beim Bistum Aachen ebneten ihr den Weg in die hiesige Chorlandschaft und die Kirchenmusik. Derzeit leitet sie neben dem Chor der Ruchheimer Chorgemeinschaft den katholischen Kirchenchor in Dannstadt, wo sie auch Organistin ist, die Liedertafel Rödersheim-Gronau, den Liederkranz 1858 Freisbach und den Singverein 1845 Neustadt-Hambach. „Ich bin alle Tage mit Musik beschäftigt“, sagt sie. Vieles in der Chorleitung sei dem Lehrerberuf, dem sie den größten Teil ihres bisherigen Lebens nachging, sehr ähnlich. Hauptsächliches Anliegen ist ihr die Verbesserung der Chorqualität. Bei der Auswahl der Lieder orientiert sie sich am Chorgeschmack und an eigenen Vorstellungen. Ein breit gefächertes Repertoire strebt sie an: Gospel, Lieder der 20er und 30er Jahre, daneben will sie aber auch Lieder aus dem Repertoire, das der Chor in 35 Jahren unter Lucia Lewczuk erarbeitet hat, weiter pflegen. Volkslieder und Klassik stehen auch auf ihrer Liste. Über Letztere lasse sich nicht diskutieren, die müsse sein. „Klassik ist Klassik, die bleibt so“, findet Anna Plakhova.