Ludwigshafen Von Göppingen in die Vorderpfalz geradelt
«Waldsee.» Ziemlich glücklich und bei Weitem nicht so k. o. wie erwartet sind vor wenigen Tagen 24 Argentinier nach einer mehrtägigen Fahrradtour in Waldsee angekommen. Damit ist für die Südamerikaner ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen: ein Trip durch Deutschland.
Seit 1985 die erste Handballmannschaft der TG Waldsee die Handballer des Deutschen Turnvereins Villa Ballestere in Buenos Aires besuchte, ist der Kontakt nach Südamerika nicht mehr abgerissen. Immer wieder waren Waldseer Jugendmannschaften in Argentinien – zuletzt im vergangenen Herbst. Argentinische Austauschschüler wohnten schon in Waldsee. Vor circa zehn Jahren ist eine TG-Delegation nach Buenos Aires gereist, um an einem Volkslauf teilzunehmen. Damals wurde die Idee geboren, gemeinsam eine Radtour in Deutschland zu machen. „Die Argentinier kennen so etwas nicht“, sagt Leo Weick, der wie Jürgen Zimmer vor 33 Jahren mit dabei in Argentinien war. Eduardo Aupperle, wie sein Bruder Oscar ebenfalls von Anfang an dabei, sagt: „Wir haben in Argentinien keine Radwege. Da kann man nicht einfach fünf Kilometer am Stück radfahren.“ In den Städten und auf viel befahrenen Straßen sei es zu gefährlich mit dem Fahrrad. Als Kind lerne man in der Regel Radfahren, um auf dem Bürgersteig um die Blöcke zu fahren, später spiele der Drahtesel dann keine Rolle mehr. Mehr als zehn Jahre hat es gedauert, bis die Radtour zustande kam, doch dann konnten Leo Weick, Jürgen Zimmer, Jürgen Weiß und Bernd Jungkind endlich loslegen. Sie organisierten Fahrräder von der „TG-Familie“, um den Gästen teure Leihräder zu ersparen und trafen die Argentinier am 11. Mai in Göppingen. Dort hatten die Vorfahren der Brüder Aupperle eine Bäckerei. Erstes Etappenziel war Stuttgart, wo der Besuch des Mercedes-Benz-Museums auf dem Programm stand. „Wir haben einen Stadtbus aus dem Jahr 1960 aus Buenos Aires gesehen. Mit solchen Bussen sind wir damals in die Schule gefahren“, erzählt Eduardo Aupperle. Am nächsten Tag ging es dann 70 Kilometer – vorbei an Schillers Geburtshaus in Marbach – bis zur Hölderlin-Stadt Lauffen am Neckar. Hier musste Weick beim Erzählten lachen: Er wählte dieses Ziel bewusst aus, weil die Aupperles die deutsche „Hölderlin-Schule“ in Buenos Aires besuchten. „Nicht Hölderlin, Hölters!“ klärt ihn Eduardo Aupperle auf. Das nächste Ziel war Neckarelz. Dort feierte Eduardo Aupperle seinen 65. Geburtstag. „Seine Freunde können jetzt ,Viel Glück und viel Segen’ im Kanon singen“, sagt Weick. Die Weiterfahrt nach Heidelberg hatte es in sich: drei kaputte Schläuche, ein kaputter Sattel und eine defekte Gangschaltung mussten repariert werden. Bevor es nach Waldsee ging, wo die Südamerikaner auf Gastfamilien verteilt wurden, stand noch ein Speyer-Besuch auf dem Programm. Es war wunderbar, zieht Eduardo Aupperle Bilanz und schwärmt von der schönen grünen Landschaft. Die Männer schwelgen in Erinnerungen. Wann es ein Wiedersehen gibt? „Wenn ich das wüsste“, sagt Weick. Eduardo Aupperle sieht es argentinisch gelassen: „Am 31. März 2019 ist wieder Volkslauf bei uns.“