Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Von der Vorderpfalz ins Saarland: Pater Kamil verlässt Ludwigshafen

Pater Kamil hat in Oggersheim die Gruppe „Miriam“ aufgebaut: Derzeit kommen rund 100 Kinder pro Woche ins Kloster, um an diesen
Pater Kamil hat in Oggersheim die Gruppe »Miriam« aufgebaut: Derzeit kommen rund 100 Kinder pro Woche ins Kloster, um an diesen Gruppenstunden teilzunehmen.

Seit acht Jahren hat Pater Kamil im Oggersheimer Kloster gelebt, nun wird er Ludwigshafen verlassen. Zum Abschied hat Claudia Matheis den 35-Jährigen gefragt, was er aus seiner Zeit hier mitnimmt – und wie er es geschafft hat, so vielen Kindern, Eltern und Jugendlichen die Kirche näherzubringen. Ob er eines Tages wieder zurückkehrt?

Pater Kamil, viele Bewohner Oggersheims sind traurig, dass Sie in diesem Monat noch Abschied nehmen. Wie ist es für Sie?
In meinem Inneren bin ich auch traurig, aber ich möchte gehorsam sein. Gott hat seinen Plan und darauf vertraue ich. Sehr dankbar bin ich, dass ich Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen habe, auch wenn sie nicht immer in die Kirche gegangen sind (schmunzelt).

Ist bereits ein Nachfolger für Sie bestimmt und wird er Ihre Arbeit hier fortführen?
Ja, ich tausche den Platz mit Pater Mateusz. Er ist im Kloster Blieskastel (im Saarland, Anm. d. Redaktion), wohin ich dann gehe. Ich hoffe, dass er meine Tätigkeiten übernimmt, habe bereits mit ihm gesprochen. Pater Mateusz ist ein Jahr jünger als ich. Und ich werde immer ansprechbar sein für ihn.

Wie sieht Ihre nächste Aufgabe aus?
Ich werde in der Pfarrei arbeiten, so wie hier. Zuerst muss ich die Menschen kennenlernen und dann schauen, was möglich ist.

Was nehmen Sie aus Oggersheim mit?
Die ersten Jahre als Priester sind die schönsten. Ich habe sehr viele Menschen kennen- und schätzen gelernt, mit vielen gemeinsame Erlebnisse, Sorgen und Nöte geteilt. Oft auch zwischen Parteien vermittelt. Mir sind sie alle ans Herz gewachsen. Dankbar bin ich auch, dass ich als Ausländer und Priester immer angenommen wurde. Ich habe nie ein böses Wort gehört.

Sie sind gebürtiger Pole, wie war das für Sie, als junger Mann mit 23 Jahren in ein fremdes Land zu gehen?
Ich habe es als Chance gesehen. Nach zwei Jahren Theologiestudium in Krakau ging ich nach Würzburg ohne Deutschkenntnisse. Neben einem Sprachkurs habe ich viel zugehört und so die Sprache gelernt. Damals habe ich eine Studentengruppe gegründet, in der der Austausch ganz oben stand. Es hat mir Freude gemacht, die Sorgen und schönen Dinge im Leben der anderen zu teilen. Durch meine „Reise“ nach Deutschland habe ich viel Neues entdeckt.

Wann haben Sie denn überhaupt die Entscheidung getroffen, Priester zu werden?
Das war in meiner Jugend. Ich war wie alle Jugendlichen immer unterwegs, aber es hat mich innerlich nichts so richtig ausgefüllt. Meine Erfüllung habe ich erst in der Gemeinschaft des Ordens gespürt. In meiner Heimatpfarrei gab es Vorbilder, die mich abgeholt haben.

Und warum wurde es gerade der Orden der Franziskaner-Minoriten?
Weil ich vom Gründer, Franz von Assisi (gleichzeitig Namensgeber der katholischen Pfarrei Oggersheim-Ruchheim), inspiriert wurde. Er hat die Kirche in einer schwierigen Zeit erneuert (im Jahr 1209, Anm. d. Redaktion). Er war demütig, hatte große Liebe für Menschen, Tiere, die Schöpfung. Deshalb ist er mein Vorbild. Auch jetzt geht die Kirche durch schwierige Zeiten, mit geschuldet durch die Missbrauchsskandale.

Wie kam es 2016 zu dem Wunsch, an Ihrer ersten Wirkungsstätte als Diakon, und später auch als Priester in Oggersheim, eine Gruppe zu gründen?
Ich wollte diese Gemeinschaft wieder erleben. Mich interessieren alle Menschen. Man muss auf Augenhöhe mit Kindern und Erwachsenen reden, dann fühlen sie sich abgeholt. Manche Oggersheimer sagen über mich, „Pater Kamil findet überall seine Schäfchen“ (lacht). Deshalb fühle ich mich wie ein Hirte.

Mussten Sie Ihre Glaubensbrüder im Kloster erst von ihrer Idee mit den Kinder- und Jugendgruppen überzeugen?
Der damalige Guardian, man versteht darunter den Hausoberen, Pater Darek, war grundsätzlich positiv eingestellt. Die Gemeinschaft im Kloster hat mich immer unterstützt, wofür ich sehr dankbar bin.

Wie viele Kinder kommen in etwa pro Woche ins Oggersheimer Kloster?
Seit Gründung der Gruppe, im Jahr 2018, sind es etwa 100. Dazu kommen 30 Jugendliche, die mich beim Programm unterstützen. Im Kloster sind alle Menschen, Kinder, unabhängig vom Glauben, willkommen. Franziskaner setzen sich für interreligiösen Dialog ein. Das leben wir auch. Die Gruppe Miriam (abgeleitet von der Mutter Gottes, Maria), ist eine Alternative zu anderen Freizeitbeschäftigungen. Sie ist gleichzeitig ein Zeichen der Erneuerung der Kirche. Ich bin dankbar, dass ich so viele Menschen mit dieser Idee ansprechen konnte. Und dass mich so viele dabei unterstützen, die Gruppe mit mir zu tragen.

Wie ist die Stunde aufgebaut?
Es sind drei Elemente. Anfangs führen wir Gespräche über Glaubensinhalte oder „Gott und die Welt“, wie man so schön sagt, dann gibt es Bastelstationen. Ich stelle oft die Frage: Wie können wir umsetzen, uns für andere einzusetzen, beispielsweise wenn jemand gemobbt wird? Das dritte Element sind gemeinsame Spiele.

Wie haben Sie die Kinder kennengelernt?
Ich bin zwei Jahre in der Schillergrundschule als Religionslehrer gewesen. Habe ein Theaterstück geschrieben und die Kinder angesprochen, ob sie darin mitspielen möchten. Nach der Aufführung wollten alle wieder kommen, so entstand die Gruppe „Miriam“. Inzwischen unterrichte ich in der Karl-Kreuter- und der Langgewann-Grundschule und die Kinder bringen immer neue Freunde mit. Ich bin auf die Eltern zugegangen. Kennen sie den Menschen, der dahinter steht, haben sie Vertrauen.

Welchen Wunsch haben Sie in Bezug auf Miriam?
Es ist meine Herzensangelegenheit. Ich hoffe sehr, dass die Kinder aus den Jugendgruppen in der Kirche bleiben. Sie haben gesehen, wie Kirche ist, und ich hoffe, sie erinnern sich auch als Erwachsene daran.

Was ist das Wichtigste für Sie?
Es gab viele Taufen, auch von Grundschulkindern oder Jugendlichen, Hochzeiten, Beerdigungen, das gehört zur Struktur der Kirche. Auch Hierarchie ist notwendig. Mir ist Gemeinschaft am wichtigsten, das Zusammengehören.

Eine letzte Frage, die sich wohl viele stellen? Kommen Padres manchmal an ihre alte Wirkungsstätte zurück?
Ja das passiert. Das entscheidet der Provinzialminister des Ordens. Er ist in unserem Fall in Krakau. cam

Termin

Pater Kamil Czupski (35) wird am Sonntag, 7. Juli, 11 Uhr, bei einem Gottesdienst in der Oggersheimer Wallfahrtskirche (Kappelengasse 4) verabschiedet.

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