Firmenporträt
Vom Flüchtling zum Firmenchef
Der Parkplatz zum Laden des E-Autos vor dem Haus in der Gartenstadt ist schon fertig gepflastert. Valdet Gashi und seine Männer bauen jetzt eine Treppe, die in den Garten führt. Mitten zwischen seinen Arbeitern kniet der Chef und packt mit an. „Garten- und Landschaftsbau Gashi“ steht in roter Schrift auf dem weißen Lastwagen, mit dem Gashi und die Angestellten Steine, Pflanzen und Werkzeug am Morgen zur Baustelle gebracht haben. Die Firma mit Sitz in der Wörthstraße plant für ihre Kunden die Um- oder Neugestaltung von Gärten und führt sie auch aus. Zwölf Mitarbeiter und noch dazu zwei Auszubildende beschäftigt der 48-Jährige.
Zwei große Olivenbäume gedeihen mitten in Ludwigshafen vor Gashis Geschäft. „Hundert Kilo Oliven ernten wir jedes Jahr“, berichtet Gashi. Der Nachbar, ein Italiener, legt sie ein. Für Gashis Familie gibt es zehn Kilo der Spezialität. Gashi hat den grünen Daumen. „Das habe ich von klein auf im Blut“, meint er. Seiner Mutter Mona – sie ist heute 71 Jahre alt und lebt in Ludwigshafen – half er schon als kleiner Junge bei der Gestaltung von Blumenbeeten und Rasen auf dem Grundstück der Familie in der Nähe der kosovarischen Stadt Peja, wo Gashi geboren ist.
„Pflanze gern Olivenbäume“
„Das prägt mich auch. Ich pflanze gern Palmen und Olivenbäume“, erzählt der Gärtnermeister. „Der Krieg in der Ukraine lässt die Bilder vom Jugoslawienkrieg wieder in mir hochkommen“, sagt er. Damit die Serben ihn und seinen Bruder damals nicht als Kanonenfutter in den Krieg gegen Kroatien schicken, setzte sich die Familie – Gashi hat noch zwei Schwestern – in den Fernbus und floh über Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich nach Deutschland.
18 Jahre war er damals alt und besuchte das Gymnasium in Peja. In Greifswald machte er zunächst das Abitur. Dann lernte er den Beruf des Gärtners bei der Firma Frey in Pforzheim. Nach dem Abschluss der Ausbildung war er dort noch einige Jahre Vorarbeiter. „Ich wollte meinem Chef keine Konkurrenz machen. Er hat mir sehr geholfen“, begründet Gashi, warum er zur Firmengründung die badische Stadt verließ. „In Ludwigshafen lebten bereits viele Freunde und Verwandte“, erklärt er seine Wahl.
Firma will weiter wachsen
„In Ludwigshafen fühle ich mich wie in meiner Heimat. Hier kenne ich jede Straße, jede Ecke. Ich lebe ja auch schon länger hier als im Kosovo“, meint Gashi, dessen Muttersprache Albanisch ist. In rund 30 Kilometern Umkreis ist er mit seiner Firma tätig. „In Ausnahmefällen nehme ich auch Aufträge von alten Kunden in Bad Homburg, Kaiserslautern oder Heilbronn an“, erklärt der Ludwigshafener. Zu den Leistungen, die die Firma anbietet, gehören beispielsweise der Bau von Teichen, Gartenmauern und Bewässerungsanlagen, die Gartenpflege, Baumfällungen und Erdarbeiten.
„Angefangen habe ich 2001 alleine“, erinnert sich Gashi an die Firmengründung. „Ungefähr jedes Jahr oder jedes zweite kam ein neuer Mitarbeiter dazu“, erklärt er. „Ich könnte noch 20 Leute mehr beschäftigen, aber ich finde es wichtig, langsam und gesund zu wachsen“, meint Gashi. Mit seinem Bruder Gjevat, der bei ihm angestellt ist, teilt er die Angestellten in zwei Kolonnen für zwei Baustellen ein. Dann leiten die Brüder die Arbeiten. „Die Ausnahmen sind große Baustellen“, sagt Gashi. Dann tritt die ganze Firma geschlossen an. Doch rund 95 Prozent der Aufträge kommen von Privatkunden, so der Geschäftsmann.
Auf der Baustelle in der Gartenstadt arbeiten seine Leute während des Interviews mit der RHEINPFALZ selbstständig weiter. Das Gespräch kommt auf geeignete Gewächse für eine Hecke. Portugiesische Kirschlorbeere oder Glanzmispel empfiehlt Gashi. Immer wenn es um das Thema Pflanzen geht, leuchten seine Augen und er erklärt begeistert: „Rund 120 Pflanzen lernt man während der Lehre kennen. Ich lerne immer noch jeden Tag etwas Neues.“