Ludwigshafen / Frankenthal / Speyer
Vom Feuerwehrkind zum Rettungsdienstleiter
Ein Reisebus ist mit einem Laster zusammengestoßen. Viele der 30 Reisenden sind verletzt, einige schwer. Schnell sind bei diesem fiktiven Einsatz erste Rettungskräfte vor Ort. Wie sollen sie jetzt vorgehen? Der Organisatorische Leiter Rettungsdienst ist in einem solchen Fall für die Koordinierung zuständig, nachdem der Notarzt die Lage gesichtet hat. Ende Dezember ist Nils Vogelsang auf diese Position und zum Ehrenbeamten berufen worden.
Der stellvertretende Stadtfeuerwehrinspekteur der Stadt Ludwigshafen, Jochen Hummel, überreichte ihm die Ernennungsurkunde. Als einer der Ersten gratulierte der Sprecher der Organisatorischen Leiter, Stephan Theis. Die Berufung gilt für die Gebietskörperschaften der Städte Ludwigshafen, Frankenthal und Speyer sowie den Rhein-Pfalz-Kreis. Der 32-jährige Notfallsanitäter aus Dannstadt-Schauernheim hat viele Jahre hauptamtlich in der Rettungswache Ludwigshafen gearbeitet.
Mit zehn Jahren zur Jugendfeuerwehr
„Wenn viele Menschen bei einem Unfall oder einem anderen Unglück verletzt sind, kümmere ich mich darum, dass alle ins Krankenhaus kommen“, erklärt Vogelsang seine Aufgabe. Muss die Feuerwehr kommen, braucht es Bergungsgeräte? Wie viele Sanitäter und Ärzte, wie viele Krankenwagen sind für die Erstversorgung nötig? Muss der Rettungshubschrauber kommen? Wo und wie sind die benötigten Menschen und Maschinen zu erreichen? Brauchen die Einsatzkräfte Verpflegung und seelische Betreuung? Diese Fragen und viele mehr muss Vogelsang entscheiden. Doch er ist nicht der einzige Organisatorische Leiter Rettungsdienst. Neben Nils Vogelsang sind auch weitere Vertreter der Malteser, des Arbeiter Samariter Bundes, des Deutschen Roten Kreuzes und der Johanniter berufen.
Schon früh hat sich Vogelsang ehrenamtlich eingesetzt. Mit zehn Jahren trat er der Jugendfeuerwehr Schifferstadt bei. Auch während seiner Lehre als Koch im Speyerer Domhof blieb er aktiv. Als er nach dem Abschluss der Ausbildung das Freiwillige Soziale Jahr absolvierte, engagierte er sich auch im Rettungsdienst. Auf die Ausbildung zum Rettungssanitäter, die etwa drei Monate dauerte, setzte er die mehrjährige zum Notfallsanitäter. Von 2012 bis 2016 arbeitete er für das Deutsche Rote Kreuz, seit 2016 für die Malteser. Er liebt seine Arbeit, doch mehr und mehr leidet er auch unter den Schattenseiten des Jobs.
Verantwortungsloses Verhalten
„Für Herzinfarkte oder Verkehrsunfälle sind wir eigentlich zuständig“, berichtet Vogelsang. Aber immer mehr Leute rufen den Krankenwagen, wenn eigentlich eher der Hausarzt zuständig ist, ärgert er sich. „Eine Woche lang Rückenschmerzen gehabt, nicht zum Arzt gegangen. Nachts um drei wird es dann scheinbar so schlimm, dass man den Krankenwagen holen muss“, beschreibt er das verantwortungslose Verhalten einiger Menschen. Das bindet dann Kräfte, die eventuell bei richtigen Notfällen fehlen. Auch andere Begegnungen zeugen von Missständen in der Gesellschaft. „Schlimme Einsätze sind die bei älteren Menschen, die Angehörige haben, die sich jedoch nicht kümmern. Das belastet mich“, berichtet der erfahrene Notfallsanitäter.
Es ist Zeit für weitere neue Projekte. Mit seinem Freund Sascha Schott (33) hat Vogelsang vor gut einem Jahr eine Firma für Arbeitsschutz und Brandschutz gegründet. Seit Februar 2022 hat „Vision Safety“ mit Sitz in Haßloch in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen viel zu tun. In der Ausbildungsanlage in der Fritz-Karl-Henkel-Straße können Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit großem Praxisanteil unter anderem Höhen- und Tiefenrettung, Brandschutz, Atemschutztechnik und medizinische Erste Hilfe lernen. In der kurzen Zeit seit der Gründung ist die BASF ein wichtiger Kunde geworden.
Starke Schultern nötig
Andere Arbeitgeber haben erkannt, dass sie im Bereich Arbeitssicherheit Nachholbedarf haben. „Vielen Firmen ist durch Corona bewusst geworden, dass fehlende Konzepte Nachteile mit sich bringen können“, erklärt Sicherheitsingenieur Schott. Notfallsanitäter Vogelsang bringt es auf den Punkt: „Wir wollen dafür sorgen, dass so wenig Unfälle wie möglich passieren!“ Zwei Berufsfelder, die starke Schultern brauchen.
Bei seiner Berufung zum Organisatorischen Leiter Rettungsdienst sagte Vogelsang: „Mir sind die Verantwortung und das Vertrauen, das in mich gesetzt wird, bewusst. Ich freue mich auf die Aufgabe und vor allem auch auf die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.“