Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Vom DJ der Eulen Ludwigshafen zum Fußballwart

Hatte zwei schwere Monate durchzustehen: Jerome Müller (links, einst Eule und nun TVB Stuttgart) sowie Ludwigshafens Ben Matschk
Hatte zwei schwere Monate durchzustehen: Jerome Müller (links, einst Eule und nun TVB Stuttgart) sowie Ludwigshafens Ben Matschke.

Handball: Jerome Müller spielt seit dieser Saison für den TVB Stuttgart. Die Schwaben waren lange das Überraschungsteam, schlitterten aber in eine Krise. Die gibt nicht nur der Ex-Eule Müller Rätsel auf. Warum es für ihn nicht gut läuft, hat mehrere Gründe.

Auch mit einer Nacht drüber schlafen wurde es nicht besser. „Absolut nicht“, meint der rechte Rückraumspieler der Stuttgarter nachdrücklich zur 26:29 (8:13)-Heimniederlage seiner Mannschaft am Donnerstag in der Handball-Bundesliga gegen die Eulen Ludwigshafen. „Die letzten zwei Spiele sind ganz und gar nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten“, sagt der 24-Jährige und meint damit auch die Niederlage davor gegen Schlusslicht HSC 2000 Coburg. Das Wiedersehen mit seiner alten Ludwigshafener Playstation-Gang um Dominik Mappes, Pascal Bührer und Alexander Falk fiel deshalb aber nicht weniger herzlich aus. Mit ihnen zockte Müller häufiger an der Konsole. Nicht selten schimpfte Müller bei den Spielen.

In den vergangenen Wochen hatte Müller einige Gründe, über die Leistung des TVB Stuttgart zu schimpfen. Denn die Schwaben sind seit sechs Spielen ohne Sieg. Vorbei sind die Zeiten, als Stuttgart zu Saisonbeginn von Überraschung zu Überraschung eilte. Gegen die Eulen sollte die Trendwende eingeläutet werden. „Wir haben eigentlich keinen Druck verspürt, weder vom Trainer noch von der Vereinsseite, und auch nicht von außen“, betont Müller. Aber die Stuttgarter schafften es in der Porsche-Arena einfach nicht, den Eulen-Express aufzuhalten. „Dazu war unsere Fehlerquote zu hoch“, sagt Müller. Es wurde zeitweise ganz übel. Zehn Tore lag Stuttgart zwischenzeitlich zurück. „Da haben wir uns enorm hängen lassen und sind erst gegen Ende wiedergekommen.“ Jerome Müller steuerte zwei Tore und eine schöne Kempa-Vorlage auf Max Häfner bei.

An Corona erkrankt

Die aktuelle Lage beim TVB Stuttgart passt irgendwie zum Saisonverlauf von Müller. „Sportlich hätte es besser laufen können“, sagt er zu seiner eigenen bisherigen Runde. „Mit meinen Leistungen bin ich streckenweise nicht zufrieden“, stellt er offen fest. Müller wollte eine neue Herausforderung. „Hinter Viggo Kristjansson der zweite Mann auf meiner Position zu sein, war auch neu für mich“, räumt er ein. Er müsse sich eben im Training noch mehr reinhängen.

Dass er sich aber aus einem Tal rauskämpfen musste und die Tendenz jetzt wieder nach oben geht, hängt noch mit was anderem zusammen: Im Oktober erkrankte der gebürtige Saarländer an Corona. Damit hatte er im November und Dezember lange körperlich zu kämpfen. Und der Geruchssinn sei immer noch nicht wieder vollständig zurück. „Körperlich bin ich wieder bei einhundert Prozent“, sagt er. Mit den Eltern telefoniert Müller immer noch regelmäßig, mit dem Papa nach fast jedem Spiel. „Klar, die wären sicher gerne öfter hier, aber die Umstände geben es derzeit nicht her.“

Ansonsten fühlt er sich in Stuttgart sehr wohl. Auch kulinarisch ist er in Schwaben angekommen. Maultaschen und Spätzle mit Linsen und Seitenwurst (Müller: „So heißt die hier“) liegen bei ihm hoch im Kurs. Mannschafts-DJ wie bei den Eulen ist er in Stuttgart indes nicht – dafür Fußballwart. „Der muss schauen, dass der Fußball immer da ist und die Statistiken beim Fußball führen. Alt gegen Jung und sowas“, erzählt Müller lachend. Von seinem Teamkollegen, Nationalmannschaftstorwart Johannes Bitter, schwärmt Müller regelrecht. „Ein Vorzeige-Profi und Kapitän. Mega-bodenständig und ein Vorbild im Training und bei der Einstellung. Über den könnte ich eine halbe Stunde Lobeshymnen singen“, verdeutlicht er. Doch bald werden sich die Wege trennen. Bitter verlässt nach der Saison den TVB Stuttgart.

Immer noch Kontakt zur Eulen-Playstation-Gang

So wie Müller 2020 die Eulen. Mit Jannik Hofmann und Pascal Bührer hat er aber immer noch Kontakt. Gezockt auf der Playstation wird inzwischen zwar nicht mehr oft, „das macht online einfach nicht so viel Spaß, wie wenn man zusammensitzt.“ Aber da sich auch die Freundinnen untereinander gut verstünden, unternehme man an freien Tagen schon mal was gemeinsam. Wenn es die Zeit und Corona eben zulassen.

Im vergangenen Sommer hat Müller den Studiengang gewechselt: von Sport und Erziehungswissenschaften hin zu Finanzmanagement. Das sei so eine Art spezialisierter BWL-Studiengang an der Fernuni IUBH, erklärt Müller. „Das erste habe ich als Präsenzstudium drei Jahre lang gemacht. Das ist aber schwierig mit dem Leistungssport zu vereinen.“ Jetzt laufe alles online und sei sehr flexibel. „Der Modus gefällt mir gut“, sagt Müller, der sich vorstellen kann, später mal im Controlling einer Firma zu arbeiten. Seine Freundin Margarita (26) ist da schon weiter. Sie hat im Dezember ihre Bachelorarbeit in Medien- und Kommunikationswissenschaften abgegeben und muss jetzt noch ein abschließendes Praktikum absolvieren.

x