Ludwigshafen Vom Baumstamm bis zum Werkstück
«Fussgönheim.» In der Fußgönheimer Museumsscheune tut sich etwas – mal wieder. In einem angrenzenden Gebäudeteil soll auf einer Fläche von zirka 60 Quadratmetern eine historische Holz-Werkstatt entstehen. Jedoch nicht nur eine Werkstatt zum Betrachten, sondern zum Anfassen und Mitmachen. Ideengeber und Spender der alten Schreiner-Werkzeuge ist Erwin Diehl vom Heimat- und Kulturkreis (HKK).
Der HKK ist seit Mitte der 80er Jahre Nutzer des Anwesen (siehe „Zur Sache“), das im Besitz der Gemeinde Fußgönheim ist. In den vergangenen Jahrzehnten wurden Stück für Stück Ausstellungen mit antiken und historischen Exponaten zusammengetragen, die das Leben der Landbevölkerung sicht- und greifbar machen sollen. Ein ähnliches, aber doch entscheidend anderes Ansinnen hat nun der Bau einer „Werkstatt für Holzverarbeitung“. Anders, weil es sowohl Museumscharakter haben und gleichzeitig auch eine Mitmach-Werkstatt für Familien mit Kindern sowie Interessierten entstehen soll. Geistiger Vater der Idee ist der ehemalige Schreinermeister Erwin Diehl, der schon berufsbedingt viele alte Schreiner-Utensilien hat, seit 50 Jahren solche sammelt und immer wieder auch geschenkt bekam. Derzeit lagert alles, sorgfältig verpackt, im Keller seines Wohnhauses - rund zwei Kubikmeter schätzt er die Ausmaße seiner Sammlung. „Mit der Werkstatt wollen wir einen Gegenpol zu der Computerwelt schaffen“, sagt Diehl. Zwar gebe es viele kreative Angebote für Kinder, „aber dabei vermisse ich kernigere Sachen“, meint er. Der HKK hat vor rund zwei Jahren den Gebäudeteil zwischen dem ehemaligen Gebäude der RV-Bank Mutterstadt und der Scheune erworben. Nun soll im Obergeschoss, das über die Museumsscheune zugänglich ist, auf 60 Quadratmetern eine Holz verarbeitende Werkstatt entstehen und zeigen, wie das Handwerk noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts betrieben wurde: „Also vom Baumstamm bis bis zum fertigen Werkstück – und das alles ohne Maschinen“, erläutert Diehl. Diverse Hobel, Hammer, Feilen, Zangen, Werk- und Drehbänke, Stemmeisen, Bohrer, Winden, Klüpfel und Sägen werden in dem großen Raum mit Dachschräge zu sehen sein. Abgegrenzt werde der neue Museumsbereich innerhalb des Obergeschosses mit drei großflächigen Schaufenstern auf einer Länge von zehn Metern, erklärt der 79-Jährige. Über eine Flügeltür soll diese Museumswerkstatt zugänglich sein. Angrenzend, im hinteren Teil des Obergeschosses, ist geplant, sechs bis acht alte Werkbänke aufzustellen, an denen dann zu den Öffnungszeiten Familien mit Kindern schreinern und tischlern können. „Das Angebot soll kostenlos sein, nur die Materialkosten müssen gezahlt werden“, erklärt Diehl. Die Museumsscheune hat immer am ersten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Ganz so streng müsse das aber für die Werkstatt nicht gehandhabt werden, meint er. „Möchten Interessierte öfter kommen, kann das vereinbart werden.“ Auch könne er sich vorstellen, dass Kindergarten-, Schul- und Vereinsgruppen sowie beeinträchtigte Menschen die Werkstatt besuchen und nutzen. „Wir würden unser Programm auf die Gruppen abstimmen.“ Derzeit ist noch nicht viel zu sehen, aber die Ehrenamtlichen des HKK sind voll motiviert. „Alles wird in Eigenleistung gestemmt“, sagt Diehl stolz. Dennoch, ohne Spenden wird es nicht gehen. Er schätzt, dass der Ausbau bis zu 7000 Euro für das Material kosten werde. Erste zweckgebundene Zuwendungen seien schon geflossen. Läuft alles nach Plan, könnte die neue Werkstatt wahrscheinlich Mitte 2019 öffnen, meint der ehemalige Schreiner.