Ludwigshafen Viele Täter unter 14 Jahre alt

Die Behörden arbeiten zusammen, damit die Strafakten von Jugendlichen möglichst nicht besonders dick werden.
Die Behörden arbeiten zusammen, damit die Strafakten von Jugendlichen möglichst nicht besonders dick werden.

Seit 2005 gibt es in Ludwigshafen das „Haus des Jugendrechts“. Hier arbeiten Polizei, Jugendhilfe und Staatsanwaltschaft zusammen, um auf Straftaten von Jugendlicher angemessen und rasch reagieren zu können und ein weiteres „Abrutschen“ der Täter zu verhindern. Weil sich darunter auch unter 14-jährige befinden, wurde 2009 das Projekt „Frühe Beratung und Intervention Strafunmündige“ (FIBS) gestartet. Die Wirksamkeit des Projekts haben Experten wissenschaftlich untersucht. Nun wurden die Ergebnisse vorgestellt. Ausgangspunkt sei gewesen, dass laut den Daten 18 Prozent der jugendlichen Tatverdächtigen unter 14 Jahre alt waren. Einen geregelten Umgang der Behörden mit diesem Personenkreis habe es jedoch nicht gegeben, denn nach deutschem Recht gelten Kinder unter 14 Jahren als strafunmündig. Deshalb sei das Projekt FIBS eingerichtet worden, so Heinz Müller, Geschäftsführer des Instituts für Sozialpädagogische Forschung aus Mainz und Verfasser der Studie. „Ludwigshafen gehört zu den wenigen Kommunen in Deutschland, die sich in dieser Weise mit strafbarem Verhalten von Jugendlichen beschäftigen“, lobte Müller. Überaus positiv fällt auch das Fazit seiner Studie aus. FIBS biete einen Rahmen, um rasch mit betroffenen Kindern und ihren Eltern ins Gespräch zu kommen, ihnen Beratung und darüber hinaus weitere Hilfen anzubieten. Wie Müller berichtete, wurden im Betrachtungszeitraum zwischen Januar 2011 und März 2012 insgesamt 380 Strafunmündige mit 488 Taten über FIBS gemeldet. Mehr als zwei Drittel der Kinder waren nur einmal auffällig gewesen, 67 traten jedoch mehrfach in Erscheinung. In der Regel habe es sich um Bagatelldelikte gehandelt. Aber auch Raufereien und Raub seien vorgekommen. Die Polizei kündigt bei der Übergabe der Kinder an die betroffenen Eltern die Kontaktaufnahme des Jugendamts an. Um für die Studie herauszufinden, was die Eltern von dieser Ansprache durch das Jugendamt halten, habe er diese danach gefragt, berichtete Müller. „Die Eltern fanden es zu 98 Prozent richtig, dass sie zu einem Gespräch eingeladen wurden. 80 Prozent haben das Gesprächsangebot im Amt wahrgenommen. Von diesen fanden 88 Prozent die Gespräche hilfreich“, nennt Müller eine überaus positive Bilanz. Sogar die betroffenen Kinder gaben zum überwiegenden Teil an, die Gespräche als sehr gut oder gut empfunden zu haben. Nur 3,4 Prozent der Strafunmündigen konnten den Gesprächen mit den Mitarbeitern des Jugendamts nichts Positives abgewinnen, so die Studie. „Der Umgang mit dem Thema in Ludwigshafen ist toll“, so Bernd Holthusen vom Deutschen Jugendinstitut in München. „Ich bedanke mich für die Expertenmeinung, dass wir auf gutem Weg sind“, meinte Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg (CDU) und gab das Lob an den scheidenden Jugendamtsleiter Jürgen May weiter. Der wiederum lobte seine Mitarbeiter, denn diese machten FIBS zusätzlich zur normalen Arbeit.

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