Ludwigshafen „Viele dachten, das ist eine Schnapsidee“

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Herr Hussmann, König Heinrich VII. soll einst das Shuffleboard-Spielen für die breite Masse verboten haben, weil es als Glücksspiel die Untertanen von der Arbeit abhielt, ist im historischen Abriss zum Shuffleboard-Spiel auf der Homepage ihres Verbands zu lesen. Macht Shuffleboard so süchtig?

Ja, es ist überliefert, dass Heinrich VII. selbst viel Shuffleboard spielte und offenbar schlecht, weil eine Notiz über eine Spielschuld des Königs überliefert ist. Damals wurde Shuffleboard noch am Tisch gespielt. Alles fing mit Münzen an, die die Adligen möglichst nah an die Tischkante gleiten ließen. Heute werden beim Shuffleboard-Spielen Scheiben mit Metallschiebern in Zahlenfelder auf einer Kunststofffläche befördert. Wie sind Sie auf diesen Sport gekommen? Durch Zufall. Ich war 2005 im Urlaub in der Türkei. Im Resort gab es ein Shuffleboard-Feld, das Spielen war ganz nett. Wieder zu Hause in Langenselbold dachte ich, das gibt`s hier auch, schließlich gibt es im Raum Frankfurt ja auch Eisstockschießen. Aber weder in Deutschland noch im übrigen Europa hab ich das gefunden. es war quasi nichtexistent. Die Frage war nun: Das Ganze sein lassen oder selber etwas Entsprechendes starten. Sie sind heute Vorsitzender der German Shuffleboard Association, offenbar haben sie sich fürs Weitermachen entschieden... Ich war immer jemand, der gern Sachen ausprobiert hat. Mit 16 Jahren hab ich zusammen mit Freunden in meiner Düsseldorfer Heimat einen Schützenverein gegründet. Der ist mittlerweile 40 Jahre alt. Ich komme aus dem Fußball, war Trainer, Spieler und Funktionär, kenne deshalb die Hürden, die es gibt, wenn man so was aufbaut. Als Gründungsmitglieder beim Shuffleboard habe ich Familie und Freunde akquiriert. Die wurden zwangsverpflichtet. Im Grunde ja. Für viele war das eine Schnapsidee am Anfang. Über die Arbeit habe ich weitere Leute gewonnen, nach einem Monat hatten wir schon 30 Mitglieder, in mehreren Bundesländern. Allerdings hatten wir zu diesem Zeitpunkt weder gespielt, noch den Durchblick bei den Regeln. Ihnen fehlte vor allem das Spielfeld. Ja, in den USA gab es in St. Petersburg in Florida einen Hersteller für Platten aus Kunststoff zum Zusammenbauen. Das war der einzige. Also habe ich zu meiner Frau gesagt, wir müssen da hin. Wie haben Sie sie überzeugt? „Du spielst und ich geh shoppen“, hat sie gemeint. Und zugestimmt. Zufälligerweise haben wir die Woche der nationalen Meisterschaften erwischt, wir wurden dort gut an die Hand genommen von den Spielern. Mittlerweile gibt es 150 Leute im deutschen Verband, ist der Durchbruch geschafft? Es gibt noch viel zu tun. Wir haben mit meinem Wohnort Langenselbold, meiner Heimat Meerbusch und Limburg nur drei Spielorte. Woran liegt das? Nachwuchsarbeit ist schwer, ich brauche das entsprechende Feld und jemand, der das Spiel erklärt. Deshalb versuchen wir ja über solche Workshop-Aktionen das Spiel bekannter zu machen. Sie waren bei „Schlag den Star“, wo Shuffleboard gespielt wurde, auf Kreuzfahrtschiffen sieht man auch mitunter die Spielfelder. Hilft das, um bekannter zu werden? Auftritte wie bei Stefan Raab helfen, um populärer zu werden. Was dagegen auf den Kreuzfahrtschiffen gespielt wird, hat mit Shuffleboard ungefähr so viel zu tun wie Federball mit Badminton. Oft ist das Problem, dass die Animateure zu wenig Ahnung haben vom Spiel. Und um dabeizubleiben, braucht es halt doch eine gewisse Regelmäßigkeit, man muss trainieren können. Wo trainieren Sie? Anfangs haben wir unseren heimischen Garten umgestaltet. Auf einen Gang hinter dem Haus haben wir Platten legen lassen, darauf kam der grüne Spielbelag. Irgendwann bin ich zum Bürgermeister. Auf dem Fußballplatz in Langenselbold konnten zwei Plätze geschaffen werden. Was macht denn überhaupt die Faszination aus? Das Spielprinzip erinnert ja ein bisschen an Boule, nur das man hier in Felder treffen muss. Wer es spielt, hat sehr schnell ein Erfolgserlebnis, schließlich sind die Wertungsfelder recht groß. Nach rund zwei Minuten hat man den Bogen raus. Da ist nicht so viel Frust wie etwa beim Minigolf mit den kleinen Löchern. Und dann kann ich ja auch die Scheiben des Gegner rausschießen. Schadenfreunde liegt in der Natur des Menschen. Da gehen die Mundwinkel nach oben. Außerdem habe ich noch kein anderes Spiel gefunden, dass so familientauglich ist. Mein Sohn hat mit elf angefangen, mein Vater ist mit 84 Jahren das älteste Mitglied. Es geht um Geschicklichkeit, nicht um Kraft. Bei einem Länderspiel in England hatten wir eine elfjährige Spielerin als Ersatzspielerin dabei. Sie hat drei von sechs Spielen gewonnen. Da packt dich das Spielvirus – ein Leben lang. Es gibt sogar Länderspiele? Und Weltmeisterschaften. USA, Australien, Kanada und Japan sind stark vertreten. Aber bezahlen müssen die Spieler die Reisen selbst? Ja, wir erheben als Verband ja auch nur 10 Euro Jahresbeitrag – und selbst den nur, weil wir ja dazu verpflichtet sind als Verein. Um auch andern Spielern die Teilnahme an Wettkämpfen zu ermöglichen, richten wir im nächsten Jahr Europameisterschaft in Deutschland aus. England und Norwegen sind neben Deutschland die Teilnehmer. Also ist noch viel Luft nach oben? Ja, wir hoffen, dass nach dem Workshop zumindest mal Rheinland-Pfalz bald kein weißer Fleck auf der Shuffleboard-Landkarte mehr ist.

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