Buga Mannheim
Viel Arbeit in den Beeten: Was die Bundesgartenschau-Besucher nicht mitbekommen
In den vergangenen Wochen haben die Gärtner im Spinelli- und Luisenpark von Frühjahrs- auf Sommerflor umgestellt. Wo vorher vor allem die Tulpen ein wahres Farbfeuerwerk entfacht haben, gehören die Beete jetzt Dahlien, Rosen, Rittersporn, Verbenen, der stattlichen Prärienachtkerze, duftigen Ziergräsern, Salbei und Co. Auch das Auge musste sich erst einmal an den Saisonwechsel gewöhnen. Denn plötzlich erschienen die Beete der Buga Mannheim ungewöhnlich leer.
„Die Pflanzen waren noch klein, dadurch galt es in den Zwischenräumen viel Unkraut zu jäten“, erklärt Spinelli-Chefgärtnerin Lydia Frotscher, warum die Natur einfach ihre Zeit braucht, bis sich wieder ein üppiges und farbenfrohes Bild ergibt. „Aber das wird jetzt von Tag zu Tag schöner“, sagt sie. 120.000 Pflanzen wurden allein auf Spinelli für den Sommerflor verwendet. „Wir haben uns jede Woche einen Bereich vorgenommen. Montags wurden die Flächen vorbereitet, am Dienstag die Pflanzen geliefert. Jeweils zwischen 6000 und 13.000 kamen in kleinen Töpfchen, die schnell trocken wurden, und daher zügig von den Wagen abzuladen und ins Erdreich einzubringen waren“, beschreibt sie die Vorgehensweise.
Auch per Hand wird gegossen
Insgesamt sechs Firmen aus dem Garten- und Landschaftsbau mit insgesamt 50 Mitarbeitern hatten und haben dafür alle Hände voll zu tun. Denn nach dem Pflanzen kommt jetzt das Pflegen und Erhalten der Stauden-, Blumen- und Blütenpracht. Angesichts der Trockenheit und hohen Temperaturen eine Herausforderung für alle. Bäume und Rosen werden zwar automatisch bewässert. Doch laut Frotscher wird auch vieles mit Hand gegossen. Damit jeweils genug Druck auf der Leitung ist, wurde ein Stundenplan erstellt, wann wer ans Wasser darf. Wenn die ersten Besucher auf Spinelli ankommen, haben die Gärtner schon allerhand erledigt. „Zwischen 6 und 9 Uhr machen wir die großen, lauten und nassen Arbeiten“, sagt Frotscher.
Im Luisenpark ist das ähnlich. „Wichtig ist bei diesem Wetter, dass sinnvoll gewässert wird“, sagt die dortige gärtnerische Leiterin Ellen Oswald. Auch im Luisenpark gibt es daher einen entsprechenden Plan einschließlich Wochenendschichten. „Denn wir wollen unseren Besuchern braune Rasenflächen möglichst ersparen“, sagt Oswald. Auf die Neue Parkmitte mit ihren Neupflanzungen habe man ebenfalls ein besonderes Augenmerk. Auf Spinelli hat es Lydia Frotscher im Grunde nur mit Neupflanzungen zu tun, da die ehemalige Militärfläche vorher nahezu komplett versiegelt war.
Mehr als 4000 Rosen auf der Bundesgartenschau
Jetzt blühen nördlich der U-Halle in einem eigens angelegten 1500 Quadratmeter großen Feld 4440 Rosen in 201 Sorten. Wild- und Beet-Rosen, Zier- und Kleinstrauchrosen harmonieren mit Gräsern und Stauden. Für die Pflege dieses Beetes ist eine eigene Firma zuständig, damit die Rosen bis zum Ende der Buga im Oktober blühen. „Im Moment erleben wir jedoch gerade den Höhepunkt“, sagt Frotscher, die sich daher diese Woche am längsten Tag des Jahres mit Ellen Oswald abends dort verabredet hatte, um den Rosengarten mit seiner besonderen Atmosphäre zu genießen.
„Die Rosenfläche in Mannheim ist besser als die in Heilbronn“, sagt sie, und darf sich dieses Urteil erlauben. Denn auch bei der Buga 2019 war Frotscher verantwortlich und konnte Erfahrungswerte mitnehmen. „Anders als in Heilbronn haben wir die Rosenfläche nicht erhöht und ohne Splitabdeckung angelegt, das tut ihnen gut“, so die Fachfrau. Sie ist stolz darauf, bisher ganz ohne Pflanzenschutzmittel ausgekommen zu sein.
Kampf gegen Unkraut
Es gibt allerdings auch Rosen, denen das Wetter gerade nichts ausmacht. Zu finden sind diese im Luisenpark am Pflanzenschauhaus im Seerosenbecken. „Ihre Blütenpracht ist tageslichtabhängig, und die Temperaturen spielen ihnen gerade gut in die Karten“, spricht Ellen Oswald von einem weiteren augenblicklichen Höhepunkt. Die Fuchsien hätten die Rhododendren abgelöst. Im Garten der Partnerstädte seien ebenfalls Dahlien eingezogen, die Staudenbeete in der Neuen Parkmitte würden sich gut entwickeln.
„Das Umpflanzen von Frühjahrs- auf Sommerflor ab Mai ist für die Gärtner immer die härteste Zeit“, lautet das Fazit der beiden Expertinnen. Mit dem Ergebnis sind sie zufrieden, wenngleich kein Tag vergeht, an dem sie nicht schauen, ob alles so ist, wie sie es sich vorstellen. Frotscher eilt dabei offensichtlich ein besonderer Ruf voraus: „Ich glaub’, die Lydia hört das Unkraut wachsen“, habe neulich ein Mitarbeiter gesagt. Für Frotscher ein Kompliment. Denn nur wenn Braunes, Verblühtes und das, was sich eben nicht im Beet verbreiten soll, raus ist, kommt das Schöne zur Geltung.
