Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Videokunstfestival am Müllheizkraftwerk

„Nuthouse Blues“ heißt der Beitrag der Studentin Laura Bäcker aus Waldsee.
»Nuthouse Blues« heißt der Beitrag der Studentin Laura Bäcker aus Waldsee.

Am Wochenende veranstaltet der Mannheimer Verein Industrietempel zum ersten Mal ein internationales Videokunstfestival am Müllheizkraftwerk in Ludwigshafen.

Wir sehen eine Frau in ihrem Alltag, in ganz gewöhnlichen Situationen. Beim Rauchen einer Zigarette, beim Essen eines Apfels. Aber immer ist zwischen ihr und den Gegenstanden, überhaupt zwischen ihr und der Welt, eine Barriere in Form von Plastikfolie. Alles ist mit Folie ausgekleidet, die Welt wird künstlich frisch gehalten. Zwischen sich und die Natur, davon erzählt das Video „Nuthouse Blues“, hat der Mensch eine undurchlässige Membran gesetzt.

Das Groteske poetisch

Die Autorin dieses Films heißt Laura Bäcker, ist 29 Jahre alt, kommt aus Waldsee und studiert an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden Media Conception and Production. „Nuthouse Blues“ war ihr erstes Semesterprojekt – ein kleines Kunstwerk, das poetisch von Groteskem erzählt. Am Wochenende ist „Nuthouse Blues“ nun eines der Videos, die beim Festival der Mannheimer Initiative Industrietempel zu sehen sind. Der seit 1989 bestehende Verein, der unzählige aufsehenerregende Kunstprojekte in der Rhein-Neckar-Region realisiert hat, ist zum zweiten Mal zu Gast im Ludwigshafener Müllheizkraftwerk. Den ersten Kontakt zum Betreiber, der GML GmbH, hatten die Industrietempel-Leute um den Fernsehjournalisten Thomas Reutter vor rund fünf Jahren. Damals zeigten sie hier ihr Projekt „Die Apologeten des Wachstums“, eine Video-Installation, die sich mit Konsum, Abfall und Abfallvermeidung auseinandersetzte.

„Konsum“ ist auch diesmal das Thema. „Das ist offen, aber auch konkret genug“, sagt Reutter. „Schließlich findet das Ende allen Konsums im Müllheizkraftwerk statt.“ Dessen riesige Außenfassade soll zur Leinwand werden. Videobeamer sollen eine Auswahl der über 60 eingereichten Kunstvideos an die Nordwand projizieren und auch in die Nischen und Winkel des Kraftwerks. „Das Festival ist eine Mischung aus Kino und Ausstellung“, sagt Reutter. „Das Publikum kann zuerst an den Projektionen vorbeischlendern und sich dann für die Vorführung an der großen Nordwand setzen.“ Videos, die sich mit dem Thema Konsum auseinandersetzen, nehmen an einem Wettbewerb teil. Sechs Preise werden vergeben, von denen drei dotiert sind. Die Auswahl trifft das Publikum. Das komplette Festival wird komprimiert an einem Abend stattfinden – allerdings schließt Reutter nicht aus, dass es bei einer gelungenen Premiere eine zweite Auflage geben könnte. Die GML als Gastgeber und Sponsor der Preise stehe den Kunstprojekten des Industrietempels aufgeschlossen gegenüber.

Lücke geschlossen

Reutter ist sicher, dass der Verein mit dem Festival eine Lücke schließt. „Es gibt eine große Tradition von Filmfestivals in der Region“, sagt der 55-Jährige. „Aber ein Videokunstfestival gibt es bisher nicht.“ Er sei selbst schon völlig begeistert von den vielen eingereichten Beiträgen aus Deutschland und Österreich, der Schweiz, aus Australien und den USA. Konsum – das ist ein Riesenthema, auf der ganzen Welt und für die komplette Menschheit.

Termin

Das Videokunstfestival findet am Sonntag, 25. September, 20 Uhr, im Gemeinschafts-Müllheizkraftwerk Ludwigshafen, Bürgermeister-Grünzweig-Straße 87, statt. Der Eintritt ist frei. Im Netz: www.industrietempel.de

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