Ludwigshafen Versteck im Gänsestall

1843 wurde die Kirche in Waldsee fertiggestellt.
1843 wurde die Kirche in Waldsee fertiggestellt.

«Waldsee.» Pfarreien, die dem heiligen Martin geweiht sind, sind meist sehr alt, denn der Heilige Martin von Tours war der Patron des Königshauses der Franken, und die Pfalz liegt mitten im Gebiet des damaligen Frankenreichs. Tatsächlich ist die Pfarrei St. Martin in Waldsee sehr alt, sie wurde 1226 erstmals urkundlich erwähnt. Ihren Heiligen Martin kennen heute viele als Soldat, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Er soll auch ein beliebter und bescheidener Bischof gewesen sein.

Wahrscheinlich wurde die Pfarrei St. Martin schon vor 1226 gegründet. Die heutige Kirche aber wurde 1843 fertiggestellt. Sie ersetzte die ältere Kirche aus dem Jahr 1501. Heute ist die Gemeinde St. Martin Waldsee Teil der Pfarrei Heiliger Christophorus, zu der fünf Gemeinden gehören. Früher wurde in Waldsee Kirchweih um den Martinstag gefeiert. Heute findet das Fest Mitte Oktober statt. Rund um den Gedenktag des Heiligen Martins, der am 11. November gefeiert wird, findet die Ehrung der Kommunion-Jubilare statt. Zeitweise fand auch ein Martinsgans-Essen statt. In und vor der Kirche finden sich einige Hinweise auf den Kirchenpatron. So steht auf dem Platz vor der Kirche eine Martinsstatue. Das auswechselbare Altarbild zeigt ein Bildnis des Heiligen beim Teilen des Mantels. Nur an Ostern und Pfingsten weicht es anderen Motiven. Im Hochaltar selbst befindet sich eine große Martinsfigur mit einer Gans zu ihren Füßen. Der Heilige Martin von Tours ist wohl einer der bekanntesten Heiligen, den schon die Kinder wegen des Martinsumzugs kennen. Er wurde um 316 in Sabaria, dem heutigen Steinamanger in Ungarn als Sohn eines römischen Offiziers geboren. Christlich erzogen wurde er in der italienischen Heimat seines Vaters, in Pavia, wo er sich auf seine Taufe vorbereitete. Mit 15 Jahren wurde er auf Wunsch seines Vaters Soldat der römischen Armee in Gallien, auch wenn er selber lieber Einsiedler geworden wäre. Trotzdem war er pflichtbewusst und wurde schnell selbst Offizier. In dieser Zeit spielte die erste Legende um den Heiligen. An einem kalten Winterabend ritt er zum Truppenlager nach Amiens nördlich von Paris. Am Stadttor sprach ihn ein frierender Bettler an. Da Martin aber weder Geld noch Essen bei sich hatte, teilte er mit dem Schwert seinen Offiziers-Mantel, ein weiter Umhang, in zwei Teile. Einen davon gab er dem armen Mann, damit dieser sich wenigstens ein bisschen wärmen konnte. In der darauf folgenden Nacht ist Jesus, bekleidet mit dem Mantelteil, Martin erschienen. Daher kommt der bekannte Spruch Jesu: „Was du dem geringsten meiner Brüder tust, tust du mir“. Nach diesem Erlebnis ließ sich Martin taufen und trat im Jahr 356 in der Nähe von Worms aus der Armee aus. Martin ging nach Poitiers zum damals sehr bekannten Hilarius, der später Bischof wurde, um mehr über den christlichen Glauben zu erfahren. Er reiste zurück in seine ungarische Heimat, taufte seine Mutter, wollte die Menschen dort bekehren, wurde aber von den dortigen Bischöfen vertrieben und verbrachte einige Zeit als Einsiedler auf einer kleinen Insel an der Riviera. 360 rief Hilarius Martin zurück nach Poitiers. Einige Kilometer südlich der Stadt, in Ligugé gründete Martin eine Einsiedelei, aus der sich später das erste Kloster Galliens entwickelte. Sein Leben beeindruckte die Leute so sehr, dass er 371 oder 372 auf Drängen des Volkes hin zum Bischof von Tours ernannt wurde. Die Legende besagt, dass Martin das Amt nicht annehmen wollte und sich in einem Gänsestall versteckte. Aber die Gänse schnatterten, als man ihn suchte und verrieten ihn. Und wir verdanken ihnen daher unsere Martinsgans heute. Als Bischof war Martin sehr beliebt, weil er weiterhin bescheiden und demütig lebte, was ihm jedoch auch Feinde im Klerus verschaffte. Er gründete weiterhin Klöster und reiste durch sein Bistum, um zu missionieren. Auf einer seiner Reisen starb Martin am 8. November 397 im heutigen Candes-Saint-Martin. Drei Tage später wurde er in Tours beigesetzt, weshalb sein Gedenktag der 11. November ist. Oft wird er in seiner Rolle als römischer Soldat oder als Bischof und mit Gänsen dargestellt. Noch heute wird in fast allen Orten die Geschichte der Mantelteilung nacherzählt, wenn am 11. November Kinder mit ihren Laternen beim Martinsumzug mitgehen. Die Serie Mit der Zusammenlegung der katholischen Gemeinden im Bistum Speyer entstanden neue, übergeordnete Pfarreien. Sie wurden, wie in der katholischen Kirche üblich, unter den Schutz eines Heiligen gestellt. Auch die Gemeinden selbst haben solche Namenspatrone. In der Serie „Unsere Schutzheiligen“ stellen wir diese vor.

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