Ludwigshafen
Verständnis statt Formeln: Projekt soll Mathe-Fähigkeiten von Schülern verbessern
Von Seiten der Wirtschaft werden bei vielen Berufsanfängern mit Abitur fehlende Mathematikkenntnisse bemängelt. Mit dem Projekt Mategnu will das Land Rheinland-Pfalz die mathematischen Fähigkeiten deutlich verbessern. Um sich ein Bild von dem Programm zu machen, hat Bildungsminister Sven Teuber (SPD) nun die IGS Edigheim in Ludwigshafen besucht, die als eine von 40 Pilotschulen am Projekt teilnimmt.
Zum Besuch des Ministers haben sich rund 40 Schüler der Oberstufe in der Aula der IGS versammelt. Nach der Begrüßung durch Schulleiter Michael Hört, der als Gäste auch die „Macher“ des Projekts von der rheinland-pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) und den Ludwigshafener Schuldezernenten Lars Pletscher (CDU) willkommen heißt, erklärt: „Mathematik wird immer wichtiger, aber nicht einfacher. Im Alltag und Beruf sind mathematische Kenntnisse unabdingbar. Zugleich zeigen Studien, dass sich viele Schülerinnen und Schüler mit Mathematik schwertun. Dieser Aufgabe stellen wir uns. Mit Mategnu haben wir ein wichtiges Instrument dafür entwickelt.“
Kooperatives Lernen in kleinen Gruppen
Susanne Digel, die das Projekt mit Jürgen Roth an der RPTU Landau entwickelt hat, räumte ein, dass der Titel „Mathematik mit Technologie an Grundvorstellungen orientiert nachhaltig unterrichten“ (Mategnu) etwas sperrig klingt. Er gestalte aber eine Entwicklung digitaler Werkzeuge im Mathematikunterricht. In dem Programm gehe es nicht um Formeln, sondern um das Verständnis des Unterrichtsstoffes, erklärt IGS-Mathematiklehrerin Anna Noll. Es werde gefördert durch das kooperative Lernen in kleinen Gruppen, in denen sich die Schüler bei mathematischen Problemen helfen.
Was damit gemeint ist, wird im praktischen Teil des Besuchsprogramms deutlich: Jeweils drei oder vier Schüler von Mathegrund- oder -leistungskursen setzen sich an einem der Tische zusammen. Ein Schildchen nennt das Thema, zum Beispiel Differentialrechnung, Integralrechnung, Analytische Geometrie oder Stochastik. Teuber und die Projektverantwortlichen der RPTU wandern von Tisch zu Tisch und lassen sich von den Schülern die mathematischen Aufgaben mit einem Tablet erklären. Dadurch haben sie Programme zu den Themen von der Internetseite der Schule heruntergeladen. Zur Integralrechnung demonstriert eine sich verändernde Grafik eine Funktion zur Bestimmung der Wassermenge. Mit dem Tablet erhalten die Schüler Darstellungen und sollen Fragen beantworten. Erst danach kommt der Kontakt mit dem Lehrer.
Abschließende Bewertung 2028
„Ich verstehe das im Bild viel besser als im Text“, sagt Zwölftklässlerin Nisa-Nor Akasamoglu. „Man versteht es einfach besser, das ist gut, weil man Formeln ohnehin bald wieder vergessen hat“, fügt Mitschülerin Linda Schlichenmaier hinzu. Am Tisch von Sinan Harr und Hannah Vester vom Mathe-Leistungskurs Stufe 13 geht es um Analytische Geometrie. Zur Vektorverschiebung im Raum bietet das Programm eine dynamische 3D-Darstellung an. „Das ergibt eine bessere Vorstellung und Verständnis“, erklärt Sinan. An ihrer ehemaligen Schule sei das aus dem Schulbuch gelernt worden, manche seien nicht mitgekommen. Die Visualisierung bringe einen echten Vorteil, sagt die 19-jährige Hannah.
Der Minister sagt nach seinem Rundgang, er sei „total beeindruckt, wie Schüler hier komplexe mathematische Aufgaben einfach erklären können“. Das Pilotprojekt solle bis 2028 laufen, erst dann sei eine abschließende Bewertung der 40 teilnehmenden Schulen geplant. Doch angesichts der bisherigen Ergebnisse solle es bereits in diesem Sommer ein Treffen mit den Projektverantwortlichen der RPTU geben. Um das Projekt im ganzen Land auszurollen, sei ein Vorlauf nötig, etwa für die Fortbildung der Lehrer und die Änderung der Lehrpläne, erklärt Teuber. „Das Programm Mategnu in Rheinland-Pfalz ist didaktisch state of the art. So etwas gibt es in der Form in anderen Bundesländern noch nicht“, sagt Christian Fahse, der an der RPTU Mathematik-Didaktik lehrt.