Serie: Vorhang auf, Vorhang zu RHEINPFALZ Plus Artikel Versehentlich im Sex-Kino gelandet

Cool war es im Corso: Heute erinnert in der Wredestraße nur noch ein Schriftzug an das Kino.
Cool war es im Corso: Heute erinnert in der Wredestraße nur noch ein Schriftzug an das Kino.

Bequeme Sessel, gute Filme und vor allem ein volles Haus. Daran erinnern sich RHEINPFALZ-Leser, wenn es um die ehemaligen Ludwigshafener Kinos geht. Sie erzählen Geschichten von ausgelassener Stimmung, herzerwärmenden Märchen und unbeabsichtigten Abstechern.

Die Sneak-Preview-Vorstellungen liefen in den 1990er-Jahren jeden zweiten Mittwoch im Corso-Kino. Mathias Jäger aus Böhl-Iggelheim versuchte sie damals regelmäßig zu besuchen. „An diesem Abend gab es immer einen Film vor Bundesstart zu sehen, keiner wusste aber zuvor, welcher Film es sein wird.“ Die Vorstellungen seien äußerst beliebt gewesen und das Corso-Kino an diesen Abenden regelmäßig mit geschätzten 300 Personen ausgebucht gewesen. Es sei also keine Selbstverständlichkeit gewesen, eine Karte für die Vorstellung zu bekommen. Wer zur Sneak Preview wollte, musste rechtzeitig eine Karte kaufen.

„Wenn ich so recht zurückdenke, dürften diese Kinobesuche zu meinen letzten gehören, die tatsächlich mit ausverkauften Rängen aufwarten konnten“, berichtet Jäger, der damals in Friesenheim wohnte. „Es herrschte eine ausgelassene Stimmung im Saal, was sich vor allem bei lustigen Filmen bemerkbar machte.“ Aber auch bei Horrorfilmen oder Thrillern sei die Spannung im Saal greifbar gewesen. Ein Erlebnis, das seiner Meinung nach heutzutage – bei nur wenigen Menschen im Kinosaal – nicht mehr wirklich spürbar ist.

„Leider merkte ich mit der Zeit, dass bei den Previews zumeist nicht die A-Filme gezeigt wurden, sondern eher die B-Filme.“ Zumindest war das sein Eindruck, schreibt Jäger. „Und so verabschiedete ich mich dann Mitte der 90er von diesen Vorstellungen.“ Aber die Stimmung in einem ausverkauften Kinosaal und was dies mit einem macht – „die vermisse ich ein bisschen bis heute. Und so etwas wird man beim Streaming nie erleben!“

Der erste Horrorfilm

An den Besuch einer Sneak Preview im Corso als Jugendliche erinnert sich auch Deniz Lenz-Güzelses aus Altrip. „Es war ein Skater-Film, ich weiß nicht mehr wie er hieß, aber den fand ich ganz cool“, erzählt sie. Am Ende ihrer Corso-Zeit sei die „Herr der Ringe“-Trilogie gezeigt worden. „Den ersten habe ich gepackt. Danach habe ich geschlafen.“ Das sei ihr letzter Besuch im Corso-Kino gewesen, bevor es 2008 geschlossen wurde. „Es war immer eine tolle Zeit im Corso.“

Aber besonders im Gedächtnis geblieben sind ihr Besuche im Kino in der Wredestraße in ihrer Kindheit. In den Sesseln habe man toll gesessen; die Bar mit den roten Schirmchen habe sie fasziniert. Damals, in den 1980er-Jahren, wurde jeden Sonntagvormittag ein Märchenfilm gezeigt und Deniz Lenz-Güzelses ist abwechselnd mit ihrer Mutter und ihrem Vater zu den Vorstellungen gegangen. „Ich habe Schneewittchen gesehen, Dornröschen und den Struwwelpeter“, erzählt die Altriperin, die in Ludwigshafen aufgewachsen ist. „Der Struwwelpeter war glaube ich mein erster Horrorfilm und seitdem kann ich auch keine Horrorfilme mehr sehen. Der war schon gruselig.“

Eis, Bär und Erotik

„Wenn man allein in die Stadt durfte und ins Kino gegangen ist, war man groß“, erinnert sich Caroline Mewoekpor aus der Gartenstadt an die Kinoerlebnisse Ende der 1980er-Jahre. Mit elf Jahren ist sie mit Freunden vor allem gerne ins Corso gegangen. Die großen Säle sahen „ein bisschen aus wie bei meiner Oma“ – im Stil der 1950er-Jahre gehalten. Sechs Mark habe der teuerste Eintritt damals gekostet. Und ein Höhepunkt war als Kind das Langnese-Eis, das es im Kino zu kaufen gab.

Wichtig sei natürlich auch gewesen, den richtigen Platz zu bekommen. „Es gab die unteren Plätze, auf denen man einen steifen Nacken bekommen hat. Und dann die mittlere Reihe – die besten Plätze – bei denen ein Geländer vorne dran war“, erzählt Mewoekpor. „Der schönste Film, den ich dort gesehen habe, war ,Der Bär‘. Das war ein Naturfilm ohne Ton. Das habe ich aber erst gemerkt, als ich im Film drin war“, sagt sie lachend. „Leider, leider ist das Corso irgendwann geschlossen worden. Dann gab es nur noch das Kino in der Walzmühle. Aber das kam bei Weitem nicht an das Feeling vom Corso heran.“

Der Eingang des Union, der mit Plakaten gesäumt war, sei recht dunkel gewesen.
Der Eingang des Union, der mit Plakaten gesäumt war, sei recht dunkel gewesen.

Die zweite Wahl nach dem Corso sei das Union in der Ludwigstraße gewesen. Der Eingang, der rechts und links mit Film-Plakaten gesäumt war, sei allerdings recht dunkel gewesen. „Direkt neben dem Union-Kino war das Sex-Kino“, erinnert sie sich. „Und ab und an, wenn wir als Kinder nicht aufgepasst haben, sind wir ins falsche Kino gegangen, um dann festzustellen, dass wir nicht in diesen Film wollten – also anhand der Plakate. Und dann sind wir wieder ins Union rüber und fanden es natürlich extrem witzig.“

Die Serie

Das letzte Ludwigshafener Kino schließt. Mit dieser Serie werfen wir dienstags einen Blick auf die frühere Kinolandschaft in LU und die aktuelle in der Region.

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