Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Verliebt, verlobt, verschoben – Heiraten in Corona-Zeiten

Hochzeiten in Pandemiezeiten: Auch Fotografen haben wegen der Masken keinen leichten Job.
Hochzeiten in Pandemiezeiten: Auch Fotografen haben wegen der Masken keinen leichten Job.

Anstatt des Schleiers wird die Maske angehoben, statt Ringe an die Finger, das Teststäbchen in die Nase gesteckt: Heiraten in Pandemiezeiten stellt Paare vor Herausforderungen und sorgt für mehr Spontaneität. Die Dienstleister klagen über Einbußen durch abgesagte Feiern.

Zwei Mal musste Charlotte Piekenbrock ihre Hochzeitsfeier bereits verschieben. Seit März 2021 ist sie mit ihrem Mann standesamtlich verheiratet, die kirchliche Trauung sei für Juni geplant gewesen. Die Corona-Zahlen seien damals zwar niedrig gewesen, aber die Kontaktbeschränkungen immer noch streng. „Im April haben wir uns dann entschieden, die kirchliche Feier abzusagen“, sagt Piekenbrock. Kurz darauf seien die Corona-Maßnahmen dann soweit aufgehoben worden, sodass das Fest doch hätte stattfinden können. „Aber damit kann man nicht planen, dafür ist es dann doch ein zu wichtiger Tag“, erklärt die 23-Jährige.

Als Alternativtermin sei dann der September angedacht gewesen. „Man möchte ja die Kirche, das Catering und alle Dienstleister behalten, die man ausgewählt hat“, berichtet die Studentin. Da der Pfarrer am neuen Termin nicht konnte, sei auch dieses Datum wieder verworfen worden. „Wenn man dann schon so lange wartet, dann soll auch alles passen“, sagt die junge Braut.

Termine werden nachgeholt

Thomas Weber kennt das Problem. Seit sieben Jahren ist der Speyerer hauptberuflicher Hochzeitsfotograf. „Normalerweise werden Hochzeiten ein oder zwei Jahre im Voraus geplant. Ich habe jetzt schon Anfragen für 2023 und 2024“, sagt der 35-Jährige. Die Hochzeiten, seien aber bereits 2018 oder sogar 2017 geplant worden – und dann wegen Corona mehrfach verschoben worden.

Mittlerweile beobachte er bei vielen Paaren die Einstellung: jetzt oder nie. Viele Dienstleister, die die Paare bereits gebucht haben, hätten an dem neuen Termin oft keine Zeit mehr. „Oder sie haben Corona wirtschaftlich nicht überlebt“, sagt der Fotograf. Er selbst sei auch während der Pandemie relativ gut gebucht worden. Dennoch sei es auch für ihn eine unsichere Zeit gewesen. „Geschäftlich ist es sehr schwer zu planen“, sagt Weber. Er gibt zu bedenken, dass Hochzeitsdienstleister in der Regel nur die Wochenenden bleiben, um Geld zu verdienen. „Wenn von den 30 bis 40 Hochzeiten, für die ich gebucht bin, auch nur ein paar ausfallen, fehlt ein großer Teil des Jahresgehalts.“

Rückgang bei Trauungen

Bei der Anzahl der Trauungen in den Standesämtern in Ludwigshafen, Speyer und Frankenthal ist für 2020/21 in allen drei Städten ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Trotz Corona wurden von den drei Standesämtern in den vergangenen beiden Jahren 1840 Paare getraut.

Die Hochzeiten, die Weber als Fotograf begleitete, seien auch für ihn ein „bisschen verrückt“ gewesen. Einbahnstraßen am Buffet, Plexiglasscheiben in der Kirche und rot-weißes Absperrband, das ihm im Standesamt seinen Bewegungsradius vorgab, seien an der Tagesordnung gewesen. „Wissen Sie, wie das auf den Bildern aussieht?“, sagt Weber. Er versuche, die verunsicherten Paare zu unterstützen. Immerhin habe er die Erfahrung gemacht, dass Hochzeiten, die coronakonform stattfinden konnten, dann mit vollem Programm und von morgens bis abends gefeiert worden wären. „Da hat man bis auf den Abstand auch gar nicht mehr so viel von Corona bemerkt“, sagt Weber. Besonders schade sei für ihn die Maskenpflicht gewesen, denn bei den Bildern vom Einzug der Braut oder von den Glückwünschen an das Brautpaar, könne er die Emotionen auf den Gesichtern nicht einfangen. „Ein so besonderer Tag und dann mit Maske, das ist teilweise schon surreal“, meint Weber.

Gäste-Limit ein Problem

Das Masketragen könnte Charlotte Piekenbrock auf ihrer Hochzeit noch in Kauf nehmen. „Daran hat man sich ja mittlerweile gewöhnt“, sagt sie und lacht. Keine Abstriche wollten sie aber bei den Gästen machen. „Das Standesamt war ja schon die kleine Feier im engeren Kreis, bei der kirchlichen Hochzeit wollen wir dann alle dabeihaben, es soll ja auch ein Fest sein und das geht schlecht mit nur zehn Leuten.“

Das hat auch Anatol Elert oft zu hören bekommen. „Den Hochzeitstag hat man im besten Fall nur einmal im Leben und natürlich will man dann auch die Lieblingsoma mit dabei haben“, sagt der Pächter des Turmrestaurants im Ludwigshafener Ebertpark. Das Gebäude ist als Außenstelle des Ludwigshafener Standesamtes ein beliebter Ort für Hochzeitsfeiern – eigentlich. Aktuell seien zehn Personen bei den Trauungen zugelassen, sagt Elert. „Für viele ist das keine Option“, sagt der 47-Jährige. Für 2020 seien 63 Hochzeiten gebucht worden, stattgefunden haben nur zehn. Gerade im kulturell gemischten Raum Mannheim-Ludwigshafen hätten viele Paare Verwandte im Ausland, die aufgrund der Pandemie nicht einreisen konnten. Für März habe er jetzt einige Anfragen und hofft, dass bis dahin die Corona-Maßnahmen wieder gelockert werden können.

Trend zum schlichten Brautkleid

Auf Erfolg im dritten Anlauf hofft jetzt auch Charlotte Piekenbrock. Für das richtige Kleid zur kirchlichen Trauung im Mai ist sie extra von Landau nach Frankenthal gefahren. Julia Hinkel, Inhaberin des dortigen Brautmodegeschäfts „Brautstück“, ist mittlerweile Überraschungen gewohnt. Nach dem Lockdown habe sie im März 2021 den umsatzstärksten Monat seit fünf Jahren erlebt. Die Auswirkungen der Pandemie merke die 33-Jährige deutlich: „Manche bringen jetzt ein größeres Budget für das Kleid mit, weil die Feier kleiner ausfällt. Andere können weniger für ein Kleid ausgeben, weil sie selbst finanzielle Einbußen erlitten haben.“ Weil viele Paare nur standesamtlich geheiratet haben, hätte sich auch die Nachfrage hin zu schlichteren Modellen verändert. „Es gibt jetzt viele spontane Bräute“, berichtet Hinkel. Ein Vorteil für ihr Geschäft, dessen Sortiment viele Secondhand-Kleider beinhaltet, die sofort nach der Anprobe mitgenommen werden können und nicht erst bei den Herstellern bestellt werden müssen. Für dieses Jahr hat Hinkel wieder mehr Anfragen. Diskussionen gebe es immer wieder mit verständnislosen Kundinnen wegen der 2G-Regel. „Aber das geht halt einfach nicht. Basta!“, sagt sie.

Charlotte Piekenbrock habe auch schon eine „Flaute“ bei der Hochzeitsplanung erlebt: „Man fragt sich, ob man es überhaupt noch machen soll, wir sind jetzt ja schon eine Weile verheiratet.“ Aufgeben wolle sie aber noch nicht.

Zur Sache: Trauungen 2022

Die Schnapszahlen am 2.2.22 und am 22.2.22 machen den ansonsten wenig angesagten Februar bei den Standesämtern zu einem begehrten Hochzeitsmonat. Lisa-Marie Eschenbach, Sprecherin der Stadt Speyer, nennt den Februar einen „statistischen Ausreißer“, denn statt der üblichen zehn bis 15 Trauungen seien dieses Jahr doppelt so viele Termine gebucht worden. Das Standesamt Speyer reagiert auf die hohe Nachfrage mit Sonderterminen – und das nicht nur im Februar. Auch in den übrigen Monaten dieses Jahres würde der 22. besonders oft angefragt werden. Das Standesamt Frankenthal habe ebenfalls zusätzliche Trautermine für die begehrten Februartage angedacht, allerdings habe die Nachfrage auch mit dem regulären Angebot gedeckt werden können, berichtet Lisa Randisi von der Stadt. Voll ausgelastet sei das Standesamt an beiden Tagen mit zwei beziehungsweise drei Trauungen dennoch. Auch der 14. Februar, also Valentinstag, sei bei beiden Standesämtern begehrt. Das Standesamt Ludwigshafen bietet aus internen Gründen am 2. Februar keine Trautermine an, sei mit fünf Trauungen am 22. Februar aber ebenfalls ausgebucht, berichtet Florian Bittler von der Verwaltung.

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