Ludwigshafen Unwiderstehlich blütenzarte Töne
Der Bandname ist so ungewöhnlich wie die Besetzung. Schmid’s Huhn, das sind zwei Saxophonisten, nämlich Stefan Karl Schmid auf dem Tenorsaxophon und Leonhard Huhn auf dem Altsaxophon. Die beiden geben den erlesenen Ton an in dem Quartett aus Köln. Schon zum zweiten Mal hat es nun bei der IG Jazz in der Mannheimer Klapsmühl’ am Rathaus aufgespielt.
Vor vier Jahren veröffentlichte Schmid’s Huhn die erste Aufnahme, jetzt folgte mit dem Album „Golden Spheres“ die zweite. Alle vier haben in Köln Jazz studiert, allesamt sind sie gefragt in der Szene. Für Cool Jazz und die Musik von Lennie Tristano schlägt Huhns Herz so stark wie das von Stefan Karl Schmid. Die Liebe zu Tristanos barocker Kontrapunktik, zu dessen abgeklärter Spielweise haben die beiden tief verinnerlicht und überführen sie in die Gegenwart. Was im Spiel des Quartetts zunächst bestach, war der blütenzarte Ton der beiden Saxophone. Wachsweich flossen deren Linien durch labyrinthische Harmonien, über swingender Begleitung des Kontrabassisten Stefan Schönegg und des Schlagzeugers Fabian Arends. Sanft glühende Geflechte gingen die beiden Saxophonisten ein. Man hörte farbig blühende Töne in expressiver Kontrapunktik. Wie sich dabei ihre ausdrucksvollen Melodien einander umschmeichelten, umgarnten in inspirierter Gesanglichkeit, das war immer vom Feinsten. Schmid und Huhn komponieren alle Stücke des Repertoires. Weitverzweigt schwingen die Themen aus, so in dem Stück „Weiß auf Schwarz“, einer lakonisch swingenden, lebhaften Nummer mit schön durchglühten Harmonien der Saxophone. Fein ist die Begleitung von Kontrabass und Drums, frei pulsierend, ideenreich strukturiert. Sie brachten stets einen starken Groove und tänzerischen Elan mit asymmetrischen Rhythmen und verschobenen Akzenten. Darüber ließen die Saxophonisten feine Girlanden fliegen oder einten sich in abgezirkelten Duoläufen, die in freien Gefilden dann gerne aufgelöst wurden. „Wedding Song“ ist von einer Komposition Béla Bartóks inspiriert. Der dunkle Klang von Klarinette und Bassklarinette passte schon mal ausgezeichnet und stimmte bestens auf ungarische Folklore ein. Dennoch lud hier zunächst nicht ländliche Hochzeitsfreude zum Tanz, vielmehr ertönte eine elegische mollgestimmte Melodie, die innige Gefühle zum Ausdruck brachte. Schöne zweistimmige Melodien, gefühlvoll zelebriert, gaben oft den delikaten Ton an. So in „Falling“ mit seinen blühenden singenden Melodien in samtig gedämpften Registern. Auch durch den Schweizer Maler und „Alien“-Erfinder HR Giger wurde Schmid’s Huhn zu einer Komposition inspiriert: quirlig und kauzig. Stefan Karl Schmid und Leonhard Huhn sind Meister des sublimen Spiels. Sie entdecken gerade im leisen Spiel eine ungeahnte Schönheit des Tons. Eine gewisse Ähnlichkeit mit Altmeister Lee Konitz ist dabei auszumachen. Aber freilich haben die beiden ein avancierteres Vokabular, das sie immer wieder an die Ränder des Tonalen und darüber hinaus führen. Und dann ging es wieder in diese sanft sich reibenden, einander umschwebenden und umtanzenden Duogeflechte, echohaften Umschlingungen. Das ließ diese Musik nicht selten unwiderstehlich klingen.