Ludwigshafen Unter 100 Kilometer geht nichts

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Mutterstadt. Lang, länger, Matthias Vettermann: Für den 58-Jährigen aus Frankenthal, der für die LG Mutterstadt-Limburgerhof (MuLi) startet, sind zehn Kilometer oder ein Marathonlauf zu kurz. Er bevorzugt Streckenlängen, wie etwa die 100 Kilometer von Biel, bei denen er mehrere Altersklasse-Siege erreicht hat.

Nachdem Matthias Vettermann im Jahr 2002 seine ersten richtigen langen Lauf bei einem Wettkampf, die 100 Kilometer von Biel, absolviert hatte, sagte er sich: nie wieder. Er sagte sich das einen Tag, zwei Tage, drei Tage, sieben Tage, zehn Tage. Dann, als er wieder „schmerzfrei vom Stuhl aufstehen konnte“, dachte er sich, so schlecht war das doch alles gar nicht. Und aus diesem leicht positiven Gefühl entwickelte sich von Tag zu Tag ein noch positiveres Gefühl – bis klar war: Vettermann und die Ultra-Distanzen, das passt zusammen. „Irgendwie habe ich damals gleich an den langen Läufen Geschmack gefunden“, sagt der heute 58-Jährige. Vettermann sucht im Sport Herausforderungen, die, zumindest für den Normalbürger, jenseits des Normalen, vielleicht auch jenseits des Vorstellbaren liegen. Für die ihn andere schon mal für verrückt erklären. Über 10-Kilometer-Läufe sagt er: „Das war mir irgendwann aus zeitlicher Sicht zu aufwendig, eine Stunde zu einem Wettkampf zu fahren, um 45 Minuten zu laufen.“ Über Ultraläufe sagt er: „So etwas ist reizvoll.“ Vermutlich muss man, im positiven Sinne, ein Verrückter sein, um solche Distanzen auf sich zu nehmen. „Natürlich sind so lange Läufe anstrengend“, sagt Vettermann: „Aber es ist eben auch ein irres Gefühl, wenn man es geschafft hat und vorher nicht wusste, ob man es schafft.“ Er sagt, er mag, ja er sucht dieses Gefühl der Euphorie, dieses Erlebnis, wenn es einfach nur darum geht, etwas zu schaffen. Wenn nicht eine bestimmte Zeit das Ziel ist, sondern nur das Erreichen des Ziels das Ziel ist. Das funktioniert, wenn man eine Strecke erstmals – oder erneut nach einer längeren Verletzungspause – läuft, natürlich wunderbar. Das funktioniert, wenn die Streckenlänge Alltag geworden ist und man sich an den Zeiten aus den Vorjahren orientiert, um diese zu unterbieten, nur bedingt – oder gar nicht. „Sobald man sich an Zeiten orientiert, kann es Enttäuschungen geben“, sagt Vettermann. Auch er hat schon welche erlebt. Weniger gute Läufe, den Versuch, erfolgreich an Bergläufen teilzunehmen, wobei er plötzlich nicht weit vorne, sondern im hinteren Drittel des Feldes das Ziel erreichte. Und eine von Verletzungen geprägte Phase von 2006 bis 2008. Es begann mit Achillessehnenproblemen, es folgten Hüft- und dann Knieprobleme. Er nahm sich schließlich eine längere Auszeit vom Laufen (Er sagt, dies sei ihm leicht gefallen, seine Frau behauptet das Gegenteil) – und wagte 2009 einen Neuanfang. Es war quasi ein Neustart. Ohne Schmerzen. Und ohne zeitliche Ziele. Es zählte plötzlich wieder nur das Ankommen. „Am Anfang habe ich das Laufen sehr genossen“, sagt der Ingenieur: „Aber nach eins, zwei Jahren kamen dann natürlich die zeitlichen Ziele wieder.“ 2014 lief er in Biel die 100 Kilometer erstmals unter neun Stunden, gewann das Rennen in seiner Altersklasse ebenso wie 2015 und 2016. Hinzu kamen Altersklassensiege beim St. Wendel Marathon 2015, beim Mannheim Marathon 2015 und 2016 sowie zuletzt bei den 100 Meilen von Berlin. Wie für die meisten Sportler strahlen Siege einen besonderen Reiz aus, lassen den Athleten nach weiteren lechzen. Ein vielleicht noch größerer Reiz geht für Vettermann aber von noch längeren Distanzen aus. Grenzen, was die Streckenlänge, aber auch das Alter, bis in das er laufen will betrifft, hat er sich jedenfalls keine gesetzt. Wenn man so will, hat Matthias Vettermann mit dem Laufen ja auch erst spät begonnen. Er hatte nach dem Arbeiten abends oft das Gefühl „vom Kopf her müde, aber körperlich nicht müde zu sein“, schlief daher schlecht. Er fing an Rad zu fahren. Erst kurze Strecken, wie beispielsweise zur Arbeit nach Ludwigshafen. Aber auch immer längere Strecken. Vettermann nahm an Radtouristikfahrten über 200, 300 Kilometer teil. Weil ihm das irgendwann zeitlich zu aufwendig wurde, suchte er andere Herausforderungen – und landetet beim Laufen. Es folgte bald der erste Ultralauf (im Jahr 1999), dann der zweite, der dritte. „Das ist wie eine Sucht, die verleitet, es immer wieder zu tun“, sagt Vettermann.

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