Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Unfälle verhindern: BASF-Azubis gewinnen Förderpreis

Ganz schön tückisch: der Test-Parcours.
Ganz schön tückisch: der Test-Parcours.

„Vision Zero“ heißt der Förderpreis der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie. Unter den fünf mit jeweils 10.000 Euro bedachten Preisträgern sind in diesem Jahr auch die Auszubildenden der BASF Digital Solutions GmbH.

So genannte „Smombies“ hatten die Auszubildenden der BASF-Tochter ins Visier genommen. „Smombie“ ist ein zusammengesetztes Wort aus „Zombie“ und „Smartphone“ und bezeichnet die Menschen, die durch fortwährende Blicke auf ihr Mobiltelefongerät kaum noch etwas von ihrer Umwelt mitbekommen.

„Ich verfolge als Fachkraft für Arbeitssicherheit Unfallberichte, und wir verfolgen auch den Unfallhergang“, erklärte Frank Grünagel. Dabei habe er festgestellt, dass die Anzahl der Wegeunfälle angestiegen sei. „In Gesprächen mit den Betroffenen haben wir festgestellt, dass das oft eine Sache der Aufmerksamkeit ist.“ Etwa beim Unfallopfer, das vor dem Weg über die Straße schnell noch die anliegenden Termine auf dem Smartphone abcheckt, oder auch beim Verursacher, der meint, dass ein schneller Blick auf eingehende Nachrichten sicher nicht so schlimm sein kann.

Spannender Parcours

Die zwölf Auszubildenden der Digital Solutions GmbH hatten 2019 mit ihrem Projekt beide Gruppen im Blick und erstellten zunächst einmal einen Beitrag für die Globalen Sicherheitstage des Mutterkonzerns. Kreative Hinweisschilder auf Wegen, martialische Opferumrisse in den Parkhäusern und ein abwechslungsreicher „Aufmerksamkeits-Parcours“ – einmal mit und einmal ohne Ablenkung, in den Konferenzräumen in der Pfalzgrafenstraße sowie ein eigens gedrehter Film überzeugten die Jury der BG RCI ganz offensichtlich, die sich mit ihrer „Vision Zero“ das Ziel von null Arbeitsunfällen gesetzt hat.

Zu oft im Fokus: das Display

„Wir haben bewusst bei unseren jüngsten Kollegen angesetzt, die diese Idee ins Werk tragen sollen“, verriet Grünagel. Allerdings habe man auch auf Vorarbeit von Kollegen aus dem Stammwerk zurückgreifen können. Vieles habe man sich aber auch selbst ausgedacht, bekräftigte Simon Schneider für sich und seine insgesamt zwölf Kollegen. Selbsterkenntnisse inklusive: „Gerade in dem Parcours hat man gesehen, wie viel Aufmerksamkeit gleichzeitiges Texten und Gehen erfordert.“ Überhaupt sei allen bewusst geworden, wie viel Zeit sie mit gesenktem Kopf und Blick auf das Handydisplay verbringen. „Und man hat sehr gut die damit verbundenen Risiken gesehen.“

Vor allem der Parcours hat die Jury der BG RCI überzeugt. „Die Mitarbeitenden empfinden diese Art der ,Unterweisung’ als lebensnah, greifbar und positiv. So steigt die Sensibilität für das Thema und es bleibt im Gespräch“, heißt es in der Begründung.

Preisgeld fließt in neue Projekte

Erstmals seit 2014 findet sich damit der BASF-Konzern unter den Preisträgern des seit 1997 vergebenen Förderpreises. Recht wenig für ein Unternehmen, dem die Arbeitssicherheit so stark am Herzen liegt. BG-Sprecherin Ulrike Jansen relativiert: „Den Preis gibt es zwar schon seit 1997, aber ursprünglich war er den Unternehmen der Lederindustrie vorbehalten.“ Erst mit der Fusion der Berufsgenossenschaften zur BG RCI im Jahr 2010 sei die Teilnahme auch den Unternehmen der chemischen Industrie offen.

Auf die Verleihung der Urkunde müssen sich Teilnehmer der BASF Digital Solutions GmbH allerdings noch ein wenig gedulden. Die soll möglichst persönlich und damit eventuell im Frühjahr 2021 stattfinden. Immerhin ist der Geldpreis schon überwiesen. Und der wird ebenfalls in die Sicherheit investiert. Schneider: „Wir stellen das Geld zweckgebunden für künftige Projekte der globalen Sicherheitstage zur Verfügung.“

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