Turnen Turner Reinhard Ritter wird 75 und kehrt Oppau den Rücken

Reinhard Ritter 1975 an den Ringen.
Reinhard Ritter 1975 an den Ringen.

Kaum zu glauben: Nach rund sechs Jahrzehnten wird der ehemalige Meisterturner Reinhard Ritter seine einstige Wahlheimat Oppau verlassen und als rüstiger Senior wieder in seine Heimatgemeinde Haßloch zurückkehren.

Der dreifache deutsche Einzel- und dreifache Mannschaftsmeister mit dem TB 1889 Oppau feiert am 24. September in Oppau seinen 75. Geburtstag. Seine Gedanken wandern schon einige Kilometer weiter westwärts: „Voraussichtlich im Jahr 2025 werden meine Frau Jutta und ich wieder nach Haßloch zurückkehren, wo wir unsere Jugend verbracht haben. Ich habe mich in den vergangenen sechs Jahrzehnten schon irgendwie auch als Oppauer gefühlt. Aber meine Frau ist in dieser ganzen Zeit trotz ihres Engagements für mein Kunstturnen in Oppau nie ganz heimisch geworden und im Herzen Haßlocherin geblieben.“ Jetzt plant das Paar nach 45 Ehejahren mit Sack und Pack die Rückkehr ins dann modernisierte Haßlocher Elternhaus.

Reinhard Ritter hat jedoch nicht nur seine sportlichen, sondern auch seine beruflichen Wurzeln in Ludwigshafen. Bis zu seiner Pensionierung war er als Mitarbeiter im Bauordnungsamt der Stadtverwaltung beschäftigt. Seine turnerischen Erfahrungen brachte er nach seinen aktiven Kunstturn-Jahren als Landes- und Vereinstrainer, Stützpunktleiter (sieben Jahre bis 1989) und Kunstturnwart beim Pfälzer Turnerbund und beim TB 1889 Oppau ein. Dabei war Ritter im Kunstturnen gewissermaßen ein „Spätstarter“. Erst mit 14 Jahren kam er 1962 bei der TSG Haßloch zu dieser anspruchsvollen Sportart. Vier Jahre später wechselte er als 18-Jähriger zum TB 1889 Oppau, weil dort mit dem zweifachen Olympiateilnehmer, Bronzemedaillengewinner von 1964 in Tokio und späteren Bundestrainer Philipp „Ibbes“ Fürst (1936-2014) am Leistungszentrum ein Mann als Stützpunkttrainer am Werk war, der seine weitere Karriere nachhaltig fördern sollte.

Große Erfolge

Die Erfolge blieben nicht aus. Schon 1969 holte Ritter im Pferdsprung seinen ersten deutsche Meistertitel, da war er 21 Jahre alt. Von nun an gehörte Ritter bis 1978 zur Spitze des deutschen Kunstturnens, zumal er am Seitpferd und im Pferdsprung mit zwei weiteren Titeln 1969 und 1975 Maßstäbe setzte. Ritter hielt auch an den anderen Geräten und am Boden jederzeit mit, wie sein dritter Platz bei den deutschen Meisterschaften 1975 im Olympischen Zwölfkampf (Meister wurde der legendäre Eberhard Gienger) bewies. Internationale Einsätze für den Deutschen Turnerbund (DTB) blieben nicht aus: An 14 Länderkämpfen nahm der Oppauer teil. 1974 wurde er für die Weltmeisterschaften in Varna nominiert. Doch die Höhepunkte seiner großen sportlichen Laufbahn waren die beiden Olympia-Einsätze 1972 in München und 1976 in Montreal. Dort gab es für ihn zwar keine Medaillen, aber immer jeweils einen beachtlichen fünften Platz in der Nationenwertung. Dass er 1974, 1977 und 1978 auch deutscher Mannschaftsmeister mit dem TB 1899 Oppau mit den Assen Volker Rohrwick, Ferdinand Greulich oder Ulrich Eiden wurde, rundet das Erfolgsbild nur ab.

Von den Olympischen Spiele 1972 in München schwärmt Reinhard Ritter noch heute. „Das war der absolute Höhepunkt für mich“, erinnert sich Ritter noch über ein halbes Jahrhundert später an die „einmalige dort herrschende Atmosphäre“. Die deutschen Kunstturner verfolgten damals viele andere Olympia-Wettkämpfe hautnah, weil ihre Termine bereits für den Beginn der Spiele festgelegt und damit bereits beendet waren. Ritter: „Auch das ganze Drumherum war in München einfach riesig.“ Wenn sich heute einstige Olympia-Größen treffen und Reinhard Ritter ist mit vor Ort, hat er meist sein hochmodernes Akkordeon dabei und unterhält seine Sportkollegen musikalisch. Dafür gibt es viel Applaus, denn Ritter ist mit der „Ziehharmonika“ ein Meister seines Fachs. Aber es geht auch einfacher, wenn sich Ritter mit den Kollegen der „Pälzer Ausles“ (meist in Oppau) trifft. Dann schwelgen die ehemaligen Olympia-, WM-, EM- und DM-Teilnehmer meist in Erinnerungen.

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