Ludwigshafen
Trister Hauptbahnhof mausert sich zur knallbunten Graffiti-Galerie
Die Farbtöne der Wandgemälde sind kräftig, intensiv, stark gesättigt. Orange scheint in der Streetartszene derzeit beliebt zu sein und ist auch die dominierende Farbe im Wandgemälde des Frankfurter Künstlers Jan-Malte Strijek alias Honsar, in dem auch Äpfel in verschiedenen Farben zu sehen sind. Nur das Hauptmotiv, ein Kind, das in einen regenbogenfarbenen Apfel beißt, ist in Schwarzweiß gehalten. „Get a taste of Vielfalt“ ist der Titel des Bildes, von Honsars Heimatstadt Frankfurt inspiriert ist. „Auch Frankfurt zeichnet sich durch seine Vielfalt aus“, betont der 44-Jährige, der 1991 den Weg in die Graffitiszene fand. Honsar hat es genossen, in der Unterführung am Hauptbahnhof zu arbeiten. „Es ist toll, so große Flächen zur Verfügung zu haben, das hat man nicht immer.“
Honsar ist Mitglied von Buntic-Media, einem 1997 entstandenen Kollektiv freischaffender Graffiti-Künstler, deren Wurzeln im urbanen Raum liegen und die sich dem Gestalten von Flächen, Räumen und Objekten jeglicher Art und Funktion widmen. Das Künstler-Kollektiv mit Sitz in Wiesbaden hat im Auftrag des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz-Süd (ZSPNV) und des Bahnhofsmanagements Kaiserslautern der DB Station&Service AG die Gestaltung der Flächen am Hauptbahnhof übernommen. Auch wenn die außergewöhnliche Galerie gestern eingeweiht wurde, ist die Arbeit der Künstler noch nicht abgeschlossen.
Auch Mannheimer Motive integriert
Auch Manuel Gerullis, künstlerischer Leiter bei Buntic-Media, ist mit seinem Wandgemälde noch nicht fertig. Städte sind eines der Hauptthemen der Aktion im Hauptbahnhof, und Gerullis hat sich Ludwigshafen als Thema ausgewählt. Zentrales Motiv ist die Pylonbrücke über dem Hauptbahnhof. Gerullis gibt an, auch einige Mannheimer Motive integriert zu haben. „Ich hoffe, dass das Verhältnis zwischen Ludwigshafen und Mannheim besser ist als das zwischen Mainz und Wiesbaden“, sagt er mit einem Augenzwinkern. In der Tat ist auf der rechten Seite ein Gebäude zu sehen, das von der Ansicht des Mannheimer Schlosses inspiriert sein könnte und rechts davon drei Hochhäuser, die denen auf der Neckaruferbebauung Nord ähneln.
Lob von Passanten aus Russland
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit eines Streetart-Künstlers ist die Kommunikation mit neugierigen Passanten, mit denen sie bei der Arbeit im öffentlichen Raum zwangsläufig konfrontiert werden. So erging es auch dem aus St. Petersburg stammenden und jetzt in Deutschland lebenden Künstler Alexander Lebedev alias Elevenade, der seine Heimatstadt als Motiv ausgewählt hat und dafür positive Resonanz erntete. „Mehrfach sind Leute stehengeblieben und sagten ihm, es sei wunderschön und dass sie aus St. Petersburg kommen“, berichtete Manuel Gerullis, der mit seinem Team schon mehrfach für die Bahn arbeitete.
Nach Angaben von Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter für die Länder Rheinland-Pfalz und Saarland der DB AG, sind in der Unterführung noch 100 Quadratmeter Fläche für die künstlerische Gestaltung frei. Teil der Graffiti-Galerie sollen auch die Stützpfeiler auf den Bahnsteigen werden, informierte Verbandsdirektor Michael Heilmann.