Mannheim
Trio Coriolis spielt Avantgarde-Kompositionen im dritten Konzert der Gesellschaft für Neue Musik
Der Name des Trios Coriolis wurde der Naturwissenschaft entlehnt: Die Corioliskraft ist eine der drei Trägheitskräfte der klassischen Mechanik, die in einem rotierenden Bezugssystem auftreten. Mit seiner Namensgebung spielt das Ensemble auf die Summe der Energien an, die durch die unterschiedlichen Perspektiven der drei beteiligten Spieler entsteht. Auf dem Programm in Mannheim stand am Freitag Wolfgang von Schweinitz' Plainsound String Trio (Streichtrio) „Afshari“, „Schicht um Schicht“ von Werani, dem Bratschisten des Ensembles, und Iris ter Schiphorsts „Transformationen“ für Zuspiel und Streichtrio.
Zu vernehmen gab es im Florian-Waldeck-Saal auch diesmal kompromisslose Avantgarde-Töne – unter Verwendung einer weit gefächerten Skala von Verfremdungen des traditionellen klassischen Streicherklangs. So hatte Wolfgang von Schweinitz in seiner für das Trio Coriolis geschriebenen Studie traditionellen melodischen und harmonischen Modellen der persischen Musik gehuldigt und entwarf eine Komposition, die auf ihre Art idyllisch, durch ihren ausgeprägten Hang zur Repetition auch einlullend wirken und eventuell den Eindruck einer Art Ewigkeitsklänge vermitteln mochte.
Weranis Stück als Kontrastmoment
Einen Kontrastmoment zu Schweinitz' Stück bildete Klaus-Peter Weranis wesentlich dynamischere Komposition mit ihren in schwindelerregenden Spitzen-Tonregionen zwitschernden Geigenpassagen, schmerzend schrillen Pfeiftönen, Flageoletttönen (Obertönen) und vor allem Glissandi (kontinuierlich gleitende Veränderung der Tonhöhe), zu denen der Komponist und Bratschist offenbar starke Vorliebe entwickelt hatte.
Schließlich Iris ter Schiphorsts „Transformationen“, entstanden im Auftrag des Trio Coriolis: ein Entwurf, in dem die in Hamburg geborene deutsch-niederländische Komponistin unterschiedliche Zeit-, Musik- Gattungs- und Medienschichten zur Synthese geführt hatte. Zu hören waren dabei Ausschnitte aus der Aufnahme eines Stücks für Violine und Synthesizer/Sampler, kombiniert mit dem Zuspiel der Rezitation eines Gedichts: „Tiefenzeit“ („Diepe tijd“) der flämischen Dichterin Dominique de Groen. Bei der gesamten Werkfolge des Abends erwiesen sich die drei Musiker des Trio Coriolis als überaus souveräne, in Sachen zeitgenössische Komposition sehr kompetente Spieler, als authentische Virtuosen der Avantgarde-Komposition.