Ludwigshafen „Trend ist, was gefällt“
So mancher Kleiderschrank wird dieser Tage umgeräumt. T-Shirts nach hinten, Pullis nach vorne, und die Flip Flops kommen ganz weg. So ähnlich ist das auch bei Frisuren. Für Sommerschnitte interessiert sich keiner mehr, Herbst- und Wintermode ist auch auf dem Kopf gefragt, wie am Montagabend die Modeproklamation der Friseur-Innung Vorderpfalz in Oggersheim gezeigt hat.
Der Saal ist gut gefüllt, auf den ersten Blick ganz klar: Das Friseurhandwerk liegt fest in weiblicher Hand. Viele Berufsschullehrerinnen mitsamt ihren Klassen sind ins Restaurant Melm (Am Brückelgraben) gekommen, aber auch viele erfahrene Friseurinnen sitzen im Publikum. Es wird fleißig mit den Handys gefilmt und viel mit den Sitznachbarinnen kommentiert. Nicht alles scheint neu zu sein. Viele haben sich in Lehrgängen und Fachmagazinen schon informiert. Zugeschaut wird trotzdem interessiert. Fetzige Musik und Illumination stimmen ein. Motto: „Tausend und dein Look“. Beim Lesen der Einladung ist gleich klar: Ohne Anglizismus geht es auch hier nicht mehr. Die Rede ist von cleveren Cuts, Hollywood-Waves, Undercut-Varianten und cleanen Fächer-Looks. Mit den Herren geht es los. Obermeister Gerhard Leipold und sein Kollege Enrique Sanchez schneiden zwei Herren auf der Bühne die Haare. Sofort ist klar: Herr trägt in diesem Winter langes Deckhaar. Sanchez spricht vom Einteilen in vier Sektoren, dem Schneiden vom Wirbel her und vom Raisor, also dem Rasiermesser. Das scheint der Schere den Rang abgelaufen zu haben. Moderatorin Corinna Bengel, selbst einmal Obermeisterin, beschreibt den Trend: „Nicht mehr ganz kurz, nicht mehr ganz lang, Trend ist, was gefällt, was einem steht, es gibt kein Modediktat.“ Im Salon sollten die Herren auf jeden Fall auf Farbreflexe angesprochen werden. „Bei den Herren sind Matttöne und kühlere Farben angesagt. Bengel ist begeistert: „So vielfältig war es schon lange nicht mehr in der Herrenmode. Es ist für jeden etwas dabei.“ Zwischendrin ist Carmen König mit der Kosmetik dran. Ein Make up gehöre einfach in den Salon. Die 70er-Jahre seien wieder in, aber etwas runder, das Rouge ja nicht wie damals schminken. Sie warnt: „Keine runden Bäckelchen.“ Die Augenbrauen sollten individuell betont werden, beim Thema Konturenstifte für die Lippen ist sie nicht ganz so glücklich: „Lippen sprechen für sich, also Konturenstifte nur bei sehr schmalen Lippen verwenden.“ Während ihre Kollegen mit Schere, Kamm und Rasiermesser jongliert haben, hat Carmen König stets gleich mehrere Pinsel in der Hand. Dann sind die Damen dran. Elisabeth Schneider und wieder Enrique Sanchez zeigen, was auf dem weiblichen Kopf in ist. Hier wird gesliced, also ausgedünnt, von fedrigen Konturen ist die Rede und davon, dass harte Linien zu vermeiden sind. In den knapp 120 Friseurläden der Stadt dürfte das angekommen sein.