Ludwigshafen Traumjob auf den zweiten Blick
Brigitte Edwards feiert in diesem Jahr ihr 40. Dienstjubiläum bei der Ludwigshafener Stadtverwaltung. Vor vier Jahrzehnten hat sie im Rathaus eine Ausbildung als Verwaltungsassistentin begonnen. Mittlerweile leitet die 56-Jährige das Oggersheimer Kinderzentrum.
Brigitte Edwards lächelt, als sie ihre Bürotür öffnet, die Tür zum Mittelpunkt des Kinderzentrums Ludwigshafen. Umringt vom Förderkindergarten, Sozialpädiatrischen Zentrum und der Mosaikschule, eine Förderschule mit Schwerpunkt für motorische Entwicklung, laufen im Verwaltungsgebäude in Oggersheim alle Fäden an Edwards’ Schreibtisch zusammen. Seit 1991 arbeitet sie für das Kinderzentrum, seit 2013 als Leiterin. Eine lange Zeit. Doch der Grund, warum Edwards nun selbst im Mittelpunkt steht, liegt noch weiter zurück. Vor 40 Jahren hat Edwards ihre Ausbildung als Verwaltungsassistentin bei der Stadt Ludwigshafen begonnen. Das Dienstjubiläum sorgt derzeit für Trubel im Arbeitsalltag der freundlichen, resoluten Blondine, die es gewohnt ist, immer selbst die Richtung vorzugeben. „Seit Wochen planen die Kollegen eine Überraschung. Toll zu sehen, mit wie viel Begeisterung alle dabei sind. Aber auch ungewohnt, weil ich einfach nicht weiß, was auf mich zukommt“, erzählt die Jubilarin amüsiert. Auch beim Ausbildungsstart wusste Edwards nicht, was sie erwartet. Denn ihr Traumjob, das gibt sie offen zu, war es damals nicht. Mit ihrer Bewerbung als Chemielaborantin verpasste sie die Einsendefrist, für die Ausbildung zur Verwaltungsassistentin war zuvor an ihrer Schule Werbung gemacht worden, und die Ausbildungsstelle lag nicht weit von ihrem Elternhaus entfernt. Das waren die eher sachlichen Entscheidungsfaktoren vor vier Jahrzehnten. „Das hat sich in der Ausbildung aber schnell geändert. Die Themen waren extrem interessant, und ich habe gemerkt, wie gerne ich mit Menschen zusammenarbeite“, so die 56-Jährige. Was klingt wie eine Plattitüde, ist bei Edwards tatsächlich stark verwoben mit ihrer Persönlichkeit. Egal über welche Station ihres Arbeitslebens sie spricht, es sind immer Kollegen, Klienten und Freunde, über die sie achtsam, wertschätzend, fast liebevoll erzählt. Mal sind es die 800 Männer im städtischen Fuhrpark, die in ihrer ersten Station nach der Ausbildung acht Frauen gegenüberstanden und deren loyaler, herzlicher Gemeinschaftssinn sie mehr beeindruckt hat als der raue Ton. Sie spricht respektvoll von den Antragstellern aus ihrer Zeit beim Sozialamt. „95 Prozent aller Menschen hatten wirklich einen berechtigten Grund, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mir ist dabei klar geworden, dass jeder jederzeit in solch eine Lage kommen kann“, so die 56-Jährige. Nach neun Jahren Sozialamt merkt aber auch die verständnisvolle Edwards, dass es Zeit für einen Wechsel wird. 1991 bewirbt sie sich auf eine Stelle in der Personalabteilung des Kinderzentrums. Sie bekommt den Job, ohne zu wissen, dass damit auch gleichzeitig die Position der stellvertretenden Geschäftsführung einhergeht. „Ansonsten hätte ich mich vielleicht gar nicht beworben“, erklärt die Ludwigshafenerin. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Aus damals 80 Mitarbeitern sind inzwischen über 300 geworden. Es wurde ein Förderverein gegründet, Gebäudesanierungen standen und stehen an, und der Bereich Ambulanter Dienst ist massiv gewachsen, auch um Kinder mit Behinderungen in die Schulen integrieren zu können. Wie viele Jahre Edwards’ Eintritt zurückliegt, zeigen auch die Kinderfotos, die in mehreren Reihen über ihrem Schreibtisch hängen. Dutzende Kinder, die Mitarbeiter und Kollegen in ihrer Zeit beim Zentrum zur Welt gebracht haben. Die 56-Jährige hat alle Geburtskarten aufgehoben. Sie steht den Mitarbeitern nahe. „Wir haben hier ganz tolle Leute, die super Arbeit machen. Bei der Arbeit an Menschen mit Behinderung bekommt man ganz viel raus. Sie ist aber auch sehr anstrengend. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das jeden Tag könnte“, gesteht Edwards.