Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Traumberuf Polizistin: Anschauungsunterricht in der Oppauer Inspektion

Kommissarin Nicole Bardong hilft beim Anlegen der schweren Ausrüstung.
Kommissarin Nicole Bardong hilft beim Anlegen der schweren Ausrüstung.

Den Alltag einer Polizistin erleben, hinter die Kulissen einer Polizeiinspektion blicken – 15 Schülerinnen ließen sich das am Donnerstag beim bundesweiten Girls’ Day nicht entgehen. In Ludwigshafen öffnete die Polizeiinspektion II in Oppau ihre Pforten.

Polizistin, nein, das ist für Nicole Bardong nicht irgendein Beruf. „Das ist eine Berufung, nicht einfach nur ein Job“, schwärmte die 27-jährige Polizeikommissarin. Federführend organisierte sie den Girls’ Day in der Oppauer Inspektion. Es sei ein klassischer Kindheitstraum gewesen. Was anderes als Polizistin, das konnte sie sich eigentlich nie vorstellen, erzählt sie lachend. Auch wenn sie sich den Eltern zuliebe pro forma nach dem Abitur noch für andere Ausbildungen beworben hatte, wie sie augenzwinkernd hinterherschickt.

Bardong wusste genau, was sie wollte: zur Polizei. Sie bewarb sich in Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Drei Jahre lang studierte sie auf dem Polizeicampus Hahn. Seit mittlerweile sechs Jahren, am 2. Mai, auf den Tag genau, ist sie in der Inspektion Oppau. „Es gibt keinen Tag, an dem ich bereue, dass ich hier arbeite“, sagte die Edigheimerin. „Die Schicht ist meine Familie, mein Streifenpartner ist wie mein bester Freund“, unterstrich sie. Sich aufeinander verlassen, sich blindlings vertrauen können, sei in ihrem Job das A und O.

Die Mädchen schauen zu, wie es richtig geht.
Die Mädchen schauen zu, wie es richtig geht.

Nicht zu wissen, was auf einen tagtäglich zukommt, das reize sie an ihrem Beruf, mache ihn so vielfältig. Natürlich gebe es auch schwierige Momente, daraus machte sie keinen Hehl, nannte den zweifachen Mord und versuchten Mord am 18. Oktober in Oggersheim als Beispiel. „Das hat uns hier in der Dienststelle noch mehr zusammengeschweißt“, erklärte sie.

Was in Oggersheim passierte, nennt sich in der Fachsprache „Lebensbedrohliche Einsatzlage“ (LebEL). Wenn die Abkürzung „LebEL“ über den Funk kommt, wissen die Polizisten genau, was zu tun ist. Wie so etwas abläuft und wie die entsprechende Schutzausrüstung aussieht, das erfuhren die 15 jungen Frauen am Donnerstag. Wird eine „LebEL“ ausgerufen, dann bedeutet dies, dass ohne Umschweife die Schutzausrüstung – bestehend aus Helm, einem Oberkörperpanzer und einer Art Erste-Hilfe-Kit, das am Bein befestigt wird – übergezogen werden muss. Und die hat es durchaus in sich, wiegt summa summarum mit Gürtel und zusätzlicher Schutzweste darunter rund 30 Kilogramm.

In jedem Streifenwagen befindet sich die Ausrüstung samt Maschinenpistole zweimal. „Das ist ja richtig schwer“, stöhnte die 14-jährige Emma Bär, die das Gymnasium in Mannheim-Feudenheim besucht, nachdem sie mithilfe von Bardong eingekleidet worden war. In kompletter Schutzmontur versucht Emma, ihre Schnürsenkel zu binden. Keine Chance. „Wir müssen damit noch Auto fahren und uns bewegen“, meinte Bardong schmunzelnd.

Schon immer der Traumberuf

Polizistin, sagte Emma, sei schon immer ihr Traumberuf gewesen, der Girls’ Day in Oppau sei da gerade richtig gekommen. „Mein Onkel ist bei der Polizei, ich durfte schon im Streifenwagen sitzen“, berichtete die Mannheimerin.

Was ist wichtig, worauf muss man achten: Die Mädchen hören aufmerksam zu.
Was ist wichtig, worauf muss man achten: Die Mädchen hören aufmerksam zu.

Deutlich leichter ist die Schutzausrüstung der mobilen Eingreiftruppe, die beispielsweise bei Demos, Fußballspielen, Faschingsumzügen zum Einsatz kommt. Auch diese durften die Mädchen ausprobieren. Der Girls’ Day hatte es in sich: So konnten die Mädchen gemeinsam mit der K17 (Kriminaltechnik) Spuren sichern, die am Morgen bereits von Polizisten der Inspektion gelegt worden waren. Auch Drohne und Spürhund zur Kriminalitätsbekämpfung lernten die Teilnehmerinnen kennen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dies wurde ebenfalls von zwei weiblichen Führungskräften der Polizei thematisiert.

Blitzschnell ausgebucht

Die 15 Plätze beim Girls’ Day in der Polizeiinspektion II waren blitzschnell ausgebucht. Sehr zur Freude von Dienststellenleiter Johannes Freundorfer (40). Eine frühzeitige und positive Kontaktaufnahme fördere das Verständnis und das Vertrauen zueinander, erklärte er. Natürlich diente der Girls’ Day auch als Werbung für den Beruf des Polizisten. Jungen Leuten, egal ob männlich oder weiblich, diesen schmackhaft zu machen, dafür tue die Inspektion in Oppau einiges. Sie lade regelmäßig zu Infoabenden ein oder biete Schulpraktika an.

Seit Anfang April Polizeipräsidentin: Anja Rakowski.
Seit Anfang April Polizeipräsidentin: Anja Rakowski.

Polizistinnen gibt es in Rheinland-Pfalz noch gar nicht so lange. 1987 stellte das Bundesland die erste ein. „Doch der Beruf ist längst keine Männerdomäne mehr“, sagte Freundorfer, der im Mai 20. Dienstjubiläum feiert. Rund 40 Prozent der 120 Polizisten in seiner Dienststelle sind weiblich. Die Zusammenarbeit mit Frauen empfindet Freundorfer als angenehm und gewinnbringend. „Männer und Frauen blicken auf Sachverhalte ganz unterschiedlich, lösen Probleme verschieden“, weiß er aus seiner Erfahrung zu berichten. Dies aber sei absolut bereichernd. In der Regel sind die Polizisten in gemischten Teams unterwegs. Mit Leidenschaft und Hingabe sind sie alle dabei – Frauen und Männer.

Für Frauen ein Vorbild: Anja Rakowski. Die 53-Jährige ist seit Anfang April im Präsidium Trier die erste Polizeipräsidentin des Landes. Zuvor war sie Vizepräsidentin im Präsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen.

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