Limburgerhof
Tradition wird fortgeführt: Bäckerei Biewer hat einen Nachfolger
Bei all den Negativmeldungen über schließende Traditionsbetriebe sind Franz und Heike Biewer froh, dass es bei ihnen anders läuft. Sie haben einen Nachfolger gefunden: Marc Schlosser. Inzwischen führt er die Bäckerei Biewer in Limburgerhof schon seit Januar. Der Kontakt entstand zufällig, erzählt Franz Biewer: „Ein gemeinsamer Bekannter wusste, dass ich einen Nachfolger suche und Marc sich selbstständig machen möchte.“ So sei eins zum anderen gekommen.
Seit September hatte Schlosser bereits im Betrieb gearbeitet. „Wir haben uns direkt gut verstanden“, sagt Biewer: „Und er versteht auch was von seinem Handwerk.“ Der 34-jährige Schlosser blickt schon auf fast 20 Jahre Erfahrung zurück. Mit 14 habe er seine Ausbildung begonnen, sagt der gelernte Bäckermeister, Konditor und Betriebswirt des Handwerks. Er habe sich zunächst bei verschiedenen Bäckern umgesehen – bei großen und kleinen Betrieben, gelernt hat er bei einem Biobäcker. Jetzt sei er dort angekommen, wo er hinwollte: in einem Traditionsgeschäft, in dem Backwaren noch echtes Handwerk sind.
65-jährige Tradition
Die Bäckerei Biewer besteht seit über 65 Jahren. Gegründet wurde sie 1960 von den Eltern von Franz Biewer. 1976 stieg er selbst ein – und feiert damit in diesem Jahr sein eigenes 50-jähriges Betriebsjubiläum. In den Neunzigerjahren kamen zwei Filialen in Mutterstadt hinzu, außerdem gibt es einen Verkaufswagen.
Anfang der 2000er Jahre habe es in Limburgerhof noch vier bis fünf produzierende Bäckereien gegeben, sagt Heike Biewer. Heute gibt es nur noch diese eine, die anderen gaben aus Altersgründen auf. Daneben haben die beiden größeren Bäckereiketten Görtz und Wilhelmi heute Filialen im Ort. „Für uns war das nie ein Problem“, sagt Franz Biewer. Die Stammkundschaft sei über Jahrzehnte treu geblieben – und sogar gewachsen.
Volles Haus – auch dank eigenem Sauerteig
Das zeigt sich auch an diesem Morgen: Die kleine Verkaufsstube in der Speyerer Straße ist gut gefüllt. „Die Kunden schmecken, dass wir selbst backen“, sagt Franz Biewer. Das werde ihnen immer wieder zurückgemeldet. Besonders der hauseigene Sauerteig mache den Unterschied: „Da hat jeder Bäcker seine eigene Philosophie.“
Schon 2019 meldete Biewer der Handwerkskammer, dass er den Betrieb gerne übergeben würde. „Das letzte Jahr war sehr anstrengend“, gibt er zu. Es habe viele Krankheitsausfälle gegeben, ein Mitarbeiter fehlte viel, weil er Schulungen zur Weiterbildung besuchte. „Wenn man jeden Tag 150 Prozent arbeitet, zeigt sich das Alter“, ergänzt Heike Biewer. Jetzt fühle sich der Alltag fast wie Urlaub an, sagt ihr Mann. „Nur die innere Uhr muss sich noch an die neuen Zeiten gewöhnen.“
Aus Schwaben in die Pfalz
Schlosser freut sich über die Chance, in der Pfalz selbstständig zu werden. Der gebürtige Schwabe lebt derzeit noch in Pforzheim und ist Backstubenleiter in Knittlingen. Aber er möchte nach Limburgerhof ziehen. „Es ist eine schöne Gegend. Limburgerhof fühlt sich trotz der Größe noch dörflich an. Man hat alles in der Nähe.“
Die Reaktionen auf die Übergabe seien sehr positiv gewesen, erzählt Heike Biewer. Viele hätten ihnen zum Ruhestand gratuliert – vor allem seien die Kunden aber froh, dass es weitergeht. Das gilt auch für die Mitarbeiter: Schlosser übernimmt den kompletten Betrieb, inklusive der Filialen. Die Biewers wollen die Übergabe auch nutzen, um sich bei ihren Kunden und Mitarbeitern zu bedanken. „Ohne sie wären die vergangenen Jahrzehnte nicht möglich gewesen“, sagt Heike Biewer.
Kurze Wege, frisches Brot
Was die Bäckerei ausmacht, will Schlosser beibehalten: das tägliche Backen vor Ort. „Wenn du in Limburgerhof ein Brot kaufst, weißt du, dass es 20 Meter weiter gebacken wurde.“ Auch die Filialen in Mutterstadt seien schnell zu erreichen. Diese kurzen Wege seien ihnen immer wichtig gewesen, sagt Franz Biewer.
Dennoch möchte Schlosser eigene Akzente setzen – schwäbische. „Ich möchte schwäbische Spezialitäten anbieten“, sagt er. Dazu gehören Brezeln, aber auch schwäbische Seelen – längliche Hefestangen mit knuspriger Kruste, Salz und etwas Kümmel. Eine Umstellung sei das Backen in der Pfalz schon: „In Schwaben wird viel mehr mit Weizen gebacken als hier“, sagt Schlosser. Der Rhein sei fast wie eine Grenze, sagt er. Hier nutze man deutlich mehr Roggen, was ein kräftigeres Aroma ergebe. Weizen sei in der Verarbeitung etwas dankbarer, aber: „Wenn man sein Handwerk beherrscht, ist das kein Problem.“
Ausbildung soll wieder eine größere Rolle spielen
Auch die Ausbildung möchte er wieder stärker in den Fokus rücken. In den vergangenen Jahren sei das wegen der unklaren Zukunft des Betriebs etwas zu kurz gekommen, sagt Franz Biewer. „Man bildet ungern aus, wenn man nicht weiß, wie lange es weitergeht.“ Schlosser will nun künftig wieder Lehrlinge annehmen.
Der Name soll bleiben – wenn auch ein wenig anders. „Biewers Goldleible“ soll die Bäckerei künftig heißen – mit schwäbischem Einschlag. Den Namen Biewer ganz aufzugeben, sei aber nie infrage gekommen. „Bei Schlosser denkt man ja nicht an eine Bäckerei“, sagt der neue Geschäftsführer. Und der Name sei etabliert, ergänzt Heike Biewer: „Die Leute sagen nicht: Ich gehe zur Bäckerei – sie sagen: Ich gehe zu Biewer.“ Und das können sie auch weiterhin. Dank einer gelungenen Übergabe.