Ludwigshafen Tiger, Drachen und viel Gebläse
Die BASF nennt für ihr Kulturprogramm 2016/17 den Schwerpunkt „Tanz“. Eigentlich ist es aber vor allem eine Saison der Blasinstrumente – mit Künstlern wie den Trompetern Tine Thing Helseth und Till Brönner, dem Oboisten Albrecht Mayer und der Klarinettistin Sabine Meyer. Dazu gibt’s wieder Enjoy Jazz. Und als Künstlerporträt einen chinesischen Filmmusikkomponisten.
Der Name Tan Dun ist bei uns nicht sehr bekannt, die Musik zu dem Film „Tiger and Dragon“, die er geschrieben hat, dagegen schon. 2012 hat Tan Dun in Hamburg den Bach-Preis erhalten, was heißen soll: Dieser Künstler ist vielfältig begabt. Er komponiert, dirigiert, auch das klassische Repertoire. In seinen eigenen Werken beschäftigt er sich mit musikalischen Traditionen seines Heimatlands, weshalb er im BASF-Programm auch einen Abend zur Pekingoper gestaltet. Es ist eine spezielle Form des asiatischen Musiktheaters, mit dem Dun selbst eine Zeit lang als Arrangeur und Geiger sein Geld verdient hat. Im Oktober ist Tan Dun eine Woche lang in Ludwigshafen zu Gast: „Fast so etwas wie ein Mini-Festival“, sagt Karin Heyl, Leiterin Gesellschaftliches Engagement bei der BASF. Künstlerporträt bedeutet dann auch: Es gibt nicht nur Konzerte mit seinen Werken – darunter eine Uraufführung für Klaviertrio und Videoinstallation, die mit dem Titel „The Martial Arts Trilogy“ auf Duns intensive musikalische Beschäftigung mit Kampfsport hinweist –, sondern er dirigiert auch zwei Konzerte und kommt mit dem Publikum ins Gespräch. Unter den erneut hochkarätigen Klassik-Stars gastieren bei der BASF in der kommenden Saison vor allem Blech- und Holzbläser. In der Konzertreihe „The Big Four“ interpretiert die norwegische Trompeterin Tine Thing Helseth Barockwerke gemeinsam mit der Akademie für Alte Musik Berlin. Albrecht Mayer spielt neben Werken von Wolfgang Amadeus Mozart Stücke unbekannterer Zeitgenossen des österreichischen Genies. Klangkünstlerin auf einem oft unterschätzten Instrument, der Blockflöte, ist Dorothee Oberlinger, die ein Programm gemeinsam mit dem Ensemble 1700 und Countertenor Andreas Scholl gestaltet. Zu den Pianisten der neuen BASF-Saison gehört Grigory Sokolov. Wie bei ihm üblich, spielt er einen Klavierabend, also ganz ohne Orchester. Das genaue Programm steht noch nicht fest. Getanzt wird, trotz etwas konstruiert wirkendem Themenschwerpunkt „Tanz in der Musik“, genauso viel wie in der vergangenen Saison. Erneut kooperiert die BASF mit dem Pfalzbau für dessen Ballettring. Allerdings finden sich in einigen Konzertprogrammen tänzerische Rhythmen. So spielt Klarinettistin Sabine Meyer gemeinsam mit dem britischen A-cappella-Ensemble The King’s Singers ein Johann-Strauß-Programm; Walzer natürlich. Der 20-jährige Pianist Filippo Gorini spielt unter anderem Schuberts „Deutsche Tänze“. Und das Ensemble Franui aus Tirol beschäftigt sich mit Tanzmusik aus alpinen Tälern und dem Einfluss traditioneller Tanzklänge auf das klassische Repertoire. Die BASF ist auch weiterhin Sponsor und Partner des Festivals Enjoy Jazz, vier Konzerte werden diesmal in den Konzertsälen der BASF stattfinden. Das Duo des Pianisten Brad Mehldau und des Saxophonisten Joshua Redman wie auch das Quartett des Saxophonisten Charles Lloyd versprechen Höhepunkte im Festivalprogramm zu werden. Diese Konzerte finden im großen Feierabendhaus statt, im kleineren Gesellschaftshaus treten der Mannheimer Trompeter Thomas Siffling mit seinem neuen Projekt und das Trio des Schweizer Pianisten Colin Vallon auf. Prominente Jazzmusiker verstecken sich auch in anderen Konzertreihen, dazu gehören der vielgelobte Sänger Gregory Porter und der deutsche Trompetenstar Till Brönner. Der interpretiert Jazzstandards von Glenn Miller und Cole Porter und wird dabei von der Württembergischen Philharmonie Reutlingen begleitet. Reichlich Gebläse also auch hier, unbedingt zu nennen wäre auch das lustige Wiener Blechbläserensemble Mnozil Brass, das sich unbekümmert zwischen Klassik und allem anderen bewegt. Mit der US-amerikanischen Hip-Hop-Künstlerin Akua Naru und weiteren Rock- und Popkonzerten im Kulturzentrum das Haus möchte die BASF jüngere Besuchergruppen erreichen. Im Grundsatz bleibt die BASF ihrem Kulturkonzept treu. Es wird wieder eine Sinfoniekonzertreihe geben, maßgeblich bestritten von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz mit Werken vornehmlich des 19. und 20. Jahrhunderts. Außerdem erneut eine Kammermusikreihe, Junge Pianisten, eine Bunte Reihe, Querbeat und Chill-out-Konzerte. Bei letzteren werden im März auch Poetry-Slammer mitwirken und so Gedicht mit Musik auf moderne Weise verbinden. Für die vergangene Konzertsaison vermeldet die BASF eine Auslastung von 90 Prozent – leicht über der Zahl der Vorsaison – mit rund 47.000 Besuchern. Programm und Karten Komplettes Programm im Netz unter: www.basf.de/kultur. Der Kartenvorverkauf startet am 15. Juni.