Ludwigshafen
Tierheim verhängt Aufnahmestopp
„Viele Menschen wissen nicht, dass wir keine abgegebenen Tiere annehmen müssen“, sagt Panja Bergmann. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des in der Wollstraße angesiedelten Tierheims. Das Hauptgeschäft bestehe in der Aufnahme von Fundtieren, also von frei laufenden Tieren und jenen, die von Behörden eingewiesen werden. Um dieser Aufgabe weiter gerecht werden zu können, könnten auf unabsehbare Zeit keine Haustiere mehr angenommen werden, da die Kapazitäten für streunende und beschlagnahmte Tiere freigehalten werden müssten, erläutert Bergmann. Mit 31 Hunden, 44 Katzen und weiteren 37 Kleintieren seien diese aktuell am Limit.
Halter, die ihr Tier abgeben wollen, bliebe zurzeit nur die Option, mehrere Tierheime abzuklappern oder privat eine Lösung zu finden. „Zumindest wenn man das Problem im Sinne des Tiers lösen will, kostet das natürlich Zeit und Geld“, weiß Bergmann.
Kaum neue Besitzer zu finden
Das Problem sei aktuell weniger die steigende Anzahl abgegebener Tiere, sondern deren schwierige Vermittlung. Die vorhandenen Tiere würden kaum neue Besitzer finden, und während bei Fundtieren zumindest für das erste halbe Jahr die Stadt die anfallenden Tierarztkosten übernehme, müssten diese bei abgegebenen Haustieren vom Verein bezahlt werden. Hinzu kämen die steigenden Energiepreise und der neue Mindestlohn, der zu höheren Personalkosten für die aktuell neun Mitarbeiter führe. Eine Herausforderung für den Verein, der sich und die Versorgung der Tiere in erster Linie durch Spenden finanziert.
Der jetzt verhängte Aufnahmestopp sei notwendig, um die Versorgung der betreuten Tiere zu gewährleisten. „Es war ein schleichender Prozess. Zuerst haben wir es bei den Hunden gemerkt, dass einer raus musste, bevor wieder einer nachrücken kann. Jetzt sind wir auch bei den Katzen so weit“, berichtet Bergmann. Welchen Anteil die Corona-Pandemie an der stockenden Vermittlung ausmacht, darüber kann sie nur mutmaßen: „Ich kann es nicht belegen. Ich kann nur feststellen, dass es aktuell so ist“, sagt sie.
Weniger Besuche, Kontakt per E-Mail
An anderer Stelle seien die Einflüsse der Pandemie deutlicher zu spüren. Speziell der Vermittlungsprozess habe sich gewandelt. Die Besuche im Tierheim selbst seien zurückgegangen, die Kontaktaufnahme erfolge zunächst per E-Mail. Dass man sich die Tiere einfach alle anschaut und eins aussucht, habe es im Tierheim Ludwigshafen noch nie gegeben. „Das wäre auch unrealistisch. Wenn Sie an den Zwingern vorbeilaufen, haben Sie zunächst viele bellende Hunde. Auch ein freundliches Tier bekommt dann nicht die Chance, sich so über Sie zu freuen, wie es das in Ruhe auf dem Hof könnte“, erklärt Bergmann.
Stattdessen könnten Interessenten in einer E-Mail erste Angaben zum Wunschtier, aber auch zur Wohnsituation machen. „Das ist wirklich ideal. Wir wollen das so auch beibehalten“, betont sie. Die ausführliche Beratung verhindere, dass sich die Tierfreunde nur in die Optik verliebten und den Charakter des Tiers nicht berücksichtigten.
Hohe Rücklaufquote verhindern
Auch die sogenannte Platzkontrolle findet aktuell nur virtuell statt. Anstatt das neue Zuhause vermittelter Tiere selbst zu besichtigen, würden Videos und Bilder der Käfige und Gehege begutachtet. „Das Wort Kontrolle würde ich heute nicht mehr benutzen. Wir wollen die Vermittlung ja möglich machen. Es ist eher eine zusätzliche Beratung. Wir geben dann noch mal Tipps, wie man die Unterbringung verbessern könnte“, erläutert Bergmann. Die Akzeptanz für diesen zusätzlichen Schritt sei hoch. Um die Rücklaufquote vermittelter Tiere gering zu halten, würden Tierpfleger im Zweifelsfall der Vermittlung trotzdem nicht zustimmen, stellt Bergmann klar.
Wunsch nach strengeren Regeln
Sie wünscht sich, dass der Zugang zu Tieren über Plattformen wie Ebay strenger geregelt wird. Und sie hofft, dass Maßnahmen der Stadt wie die Kastrationspflicht für Katzen oder der bereits auf den Weg gebrachte Hundeführerschein die Überfüllung der Tierheime bremsen. Ansonsten bleibt Bergmann nur der Appell an alle, sich nicht unbedacht Tiere anzuschaffen und sich vorab ausführlich zu informieren. Auch hierzu berate das Tierheim.
Kontakt
Telefon 0621/553000, im Netz: tierheim-ludwigshafen.com.