Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Tiefgarage am Hauptbahnhof: Schranke öffnet sich wie von Geisterhand

Beim Bezahlen muss das Kennzeichen eingegeben werden. Bargeld wird nur noch an einem von drei Automaten angenommen.
Beim Bezahlen muss das Kennzeichen eingegeben werden. Bargeld wird nur noch an einem von drei Automaten angenommen.

Die Digitalisierung schreitet auch in den Mannheimer Parkhäusern voran. In der Tiefgarage am Hauptbahnhof öffnet sich die Schranke beim Einfahren nun automatisch, ohne dass ein Kärtchen gezogen werden muss. Dabei wird das Kennzeichen erfasst, das später am Kassenautomaten einzugeben ist. Für einige Nutzer ist das noch gewöhnungsbedürftig.

Das Parkhaus unterhalb des Hauptbahnhofes ist modern ausgestattet. Rote und grüne Lämpchen leuchten in jeder Parkbucht von der Decke, je nachdem ob die Stellplätze besetzt sind oder nicht. Für die neueste technische Errungenschaft der städtischen Parkhausbetriebe muss zur Erklärung aber noch ein einfaches Blatt Papier herhalten: „Bitte zahlen Sie vor dem Ausfahren am Kassenautomaten. Die Ausfahrten erkennen automatisch, ob Sie bezahlt haben und öffnen dann die Schranke“, ist darauf zu lesen.

Für eine ehemalige Lehrerin aus Heidelberg ist es zunächst verwirrend, als sich die Schranke wie von Geisterhand öffnet. Auch das dort kein Kärtchen mehr „ausgespuckt“ wird, irritiert sie. „Ich bin durchgefahren, aber ich dachte, ich brauche doch ein Ticket. Daher bin ich gleich noch einmal zurückgelaufen, um den Zettel zu lesen“, verrät sie der RHEINPFALZ, während sie mit einer Freundin am Schalter steht.

Das Kennzeichen eintippen

Das Einfahren hat also schon einmal problemlos funktioniert, doch später beim Bezahlen hätte die Frau fast einen fatalen Fehler gemacht. Vor dem Eintippen ihres Kennzeichens steckt sie aus alter Gewohnheit ihre Bankkarte in den Ticketschlitz, der immer noch vorhanden ist. „Es ist zum Glück nichts passiert“, sagt die Dame und lacht. „Die neue Technik ist praktisch, aber etwa gewöhnungsbedürftig“, lautet ihr Fazit.

Unproblematisch und schnell soll das Parken und Zahlen dank der digitalen Schranke sein. Eine kurze Stippvisite zeigt: Für manche nimmt die Umstellung doch etwas Zeit in Anspruch. Der Bezahlvorgang dauere noch etwas länger als einfach das Parkticket in den Automaten zu schieben und Kleingeld einzuwerfen, sagen viele der Tiefgaragennutzer zum Start des neuen Systems. Das Kennzeichen will erst einmal in das digitale Tastenfeld eingetragen werden. Und in der Zeit hätten viele bereits die passenden Groschen aus ihrem Geldbeutel geholt.

Dass das Bezahlen mit Bargeld zumindest an den beiden Automaten am Eingang zum Hauptbahnhof gar nicht mehr möglich ist, stellt ein anderer Kunde erstaunt fest. Nach mehreren Versuchen erhält er den Hinweis, dass es noch einen dritten Automaten nahe der Ausfahrten gibt. Zunächst aber muss er den Vorgang abbrechen, was ihn sichtlich ärgert. Ein Hinweisschild, an welcher Stelle noch mit Münzgeld gezahlt werden kann, wäre hier sicher hilfreich.

Markus Olschewski von den Mannheimer Parkhausbetrieben (MPB) weiß um die Probleme bei der Umstellung. Von rund 1500 Fahrzeugen werden die Parkhäuser P1 und P2 am Hauptbahnhof täglich genutzt. „Manche Kunden müssen sich mit dem neuen System noch zurechtfinden, aber es gibt auch Unterstützung durch unser Personal vor Ort“, sagt Olschewski. Darüber hinaus stünden bei der Ein- und Ausfahrt jetzt großformatige Bildschirme, die verständlich auf die Nutzung und Handhabung hinweisen sollen.

Weitere Parkhäuser folgen

Künftig solle es auch die Möglichkeit geben, digital – also per Smartphone – zu bezahlen. „Das spart neben dem notwendigen Kleingeld auch den Gang zum Kassenautomaten“, berichtet Olschewski. „Auch das Thema verlorener oder nicht lesbarer Parkschein fällt dadurch weg. Darüber hinaus spart der Verzicht auf Tickets nicht nur Geld, sondern auch Ressourcen.“ Die digitale Erfassung habe zudem Vorteile für das Parkleitsystem, um Autofahrer in der Stadt noch schneller auf freie oder belegte Parkplätze hinzuweisen, erläutert der MPB-Sprecher. „Hierfür sind permanente Echtzeitdaten zur Verkehrslenkung notwendig, die mit der neuen Technik wesentlich einfacher zu generieren sind.“

Die Umstellung ist Teil der „Digitalisierungsoffensive“ der Stadt, die dafür rund vier Millionen Euro investiert. Noch in diesem Jahr sollen die Parkhäuser in den Quadraten U2, G1 und C1 folgen. 2025 sind die Objekte am Klinikum, im Stadthaus (N1), im Quadrat C5/D5 sowie der Parkplatz am Marchivum dran. Auch am Hauptbahnhof geht es mit der neuen Technik weiter (P3 und P4). 2026/27 stehen dann die Parkanlagen an der SAP-Arena, am City Airport, im Musikpark, an Wasserturm und Kunsthalle, in den Quadraten H6, N6 und M4a sowie am Hauptbahnhof (P5) auf dem Ausbauplan der Stadt.

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