Ludwigshafen Testreihe mit Blut vom Schwein
Junge Leute sind heutzutage oberflächlich, suchen Ablenkung und haben kaum Interesse am Engagement für die Gesellschaft, lautet ein verbreitetes Urteil. Auf den Ludwigshafener Jonathan Popp trifft dies so gar nicht zu. Der Abiturient hat beim Landeswettbewerb von „Jugend forscht“ den dritten Platz belegt und dafür auch einen Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission bekommen. Er möchte gerne Notarzt werden, um anderen Menschen das Leben zu retten.
Auf der Suche nach einem Thema für seine Facharbeit in Chemie am Friesenheimer Max-Planck-Gymnasium kam Jonathan auf die Idee, die Auswirkung von Vitamin C auf die Blutzuckermessung bei Diabetikern zu untersuchen. Es sei die Initiative seiner Lehrerin gewesen, die mit der Bestnote 15 Punkte bewertete Arbeit beim Wettbewerb „Jugend forscht“ einzureichen, erzählt der 19-Jährige. Nach dem Sieg im Bezirk Vorderpfalz gab es dafür beim Landeswettbewerb Rheinland-Pfalz den dritten Platz. Für seine Forschung erhielt der Schüler außerdem noch den Sonderpreis „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“ der Christoffel-Blindenmission. Die christlich geprägte Hilfsorganisation, die nach dem Gründer Pastor Ernst Jakob Christoffel benannt ist, hat sich seit über 100 Jahren der weltweiten Hilfe für behinderte Menschen verschrieben. „Eine Erkrankung an Diabetes Typ 1 gilt als Schwerbehinderung“, erklärt Jonathan den Zusammenhang. Das Thema der Forschung lag für ihn recht nahe. „Im Alter von 16 Jahren bin ich plötzlich an Diabetes Typ 1 erkrankt“, sagt Jonathan. Es sei nicht vererbt, sondern eine Autoimmunkrankheit, die Gründe seien unbekannt. Doch auch sein Bruder erkrankte daran bereits mit fünf Jahren. „Die Krankheit hat mein Leben verändert“, gibt er zu. Inzwischen habe er jedoch gelernt, damit zu leben. „Auf das Essen bekommt man einen anderen Blick. Ich rechne schon automatisch die Kohlenhydrate in jeder Mahlzeit mit“, verrät der 19-Jährige. Eine Hilfe bietet ihm die moderne Medizin. Statt sich mehrmals am Tag Insulin spritzen zu müssen, trägt der junge Mann am Oberarm einen kleinen Behälter. Über eine Kanüle in der Haut befördert eine winzige Pumpe darin alle Viertelstunde eine Dosis Insulin in seinen Körper. „Trotzdem muss ich mir zur Kontrolle fünf- bis zehnmal am Tag den Blutzuckerspiegel messen“, sagt Jonathan. Das Messgerät benötigt dazu jedes Mal ganz konventionell einen Tropfen Blut. Ein Hinweis beim Messgerät über eine mögliche Rolle von Vitamin C habe ihn zu seinen Forschungen gebracht. Inwieweit seine Blutzuckermessung im Alltag hier beeinflusst wird, das habe er schon genauer wissen wollen, beschreibt der begabte Schüler sein Vorgehen. Eine Versuchsreihe mit der Zugabe von Zucker und Vitamin C habe er mit biologisch nahverwandtem Schweineblut durchgeführt, das er sich beim Metzger besorgte. „Ich habe dann in Absprache mit meiner Ärztin auch einen Selbstversuch gemacht. Im Prinzip hat sich das Ergebnis bestätigt“, nennt der junge Forscher die gewonnene Erkenntnis: Nach der Einnahme einer hohen Dosis Vitamin C, etwa durch Tabletten, zeigt das Messgerät fälschlicherweise zu hohe Blutzuckerwerte an. Eine Gegenreaktion mit einer entsprechend hohen Dosis Insulin könnte zu gefährlicher Unterzuckerung führen. Für Diabetiker ist sowohl ein zu niedriger als auch ein zu hoher Blutzuckerspiegel gefährlich, erläutert Jonathan. In solchen Fällen droht kurzfristiger Kontrollverlust. „Deshalb darf man bestimmte Berufe wie Fahrer oder Polizist nicht machen. Ich wäre gern Pilot geworden, das geht leider nicht“, bedauert der 19-Jährige. Nun habe er sich für die medizinische Richtung entschieden. „Mein Berufswunsch ist Notarzt. Vielleicht in Kombination mit einer Ausbildung als Anästhesist“, sieht der Abiturient diese Wahl mit seinem Notenschnitt von 1,2 als realisierbar an. „Ich will etwas Wertvolles machen, Menschen das Leben retten“, hat er sich vorgenommen. Da der alljährliche „Mediziner-Test“ schon vorbei ist, möchte er zunächst ein Freiwilliges Jahr beim ASB machen, um den Rettungsdienst aus eigener Erfahrung zu erleben. Trotz des Einser-Abiturs sei er aber keineswegs ein „Nerd“, findet der Friesenheimer. Eine Leidenschaft sei für ihn das Theater. So hat er zum Schuljahresende Regie bei der Komödie „Eine Hochzeit und zwei Todesfälle“ der Theater-AG des Max-Planck-Gymnasiums geführt. Im Stück selbst spielte er den Bräutigam. Großen Spaß hat Jonathan beim Pen & Paper-Spiel, einer Art Improvisationstheater mit Rollenspiel, wo er auch seine Freundin kennengelernt hat. Er wohne noch bei den Eltern in Friesenheim, spiele gerne Volleyball oder jongliere, wie er verrät. Trotz seiner Erkrankung ist er ein vielleicht etwas ernster, aber ganz normaler und unbekümmerter Teenager geblieben.