Ludwigshafen Technoclub statt Bunker?

Das Berliner Auktionshaus Karhausen AG macht seit Jahren mit außergewöhnlichen Immobilien auf sich aufmerksam. Unter den verkauften Objekten waren zirka 1000 Bahnhöfe, einige Schlösser, ein ganzes Dorf in Brandenburg oder etwa das Jagdhaus eines mächtigen DDR-Politikers. Nun ist ein Ludwigshafener Hochbunker in der Bismarckstraße im Angebot, der mitten in in der Innenstadt liegt. Der Berliner Auktionator Matthias Knake ist zuversichtlich, dass er einen Käufer findet. Der Hochbunker, der in den 1940er-Jahren gebaut wurde, gehörte lange Zeit der Deutschen Bahn. Die Nutzfläche von 1200 Quadratmetern erstreckt sich über acht Stockwerke. Die Lage ist zentral. Das Gebäude liegt mitten in einem Innenhof zwischen Ludwigsplatz und Bismarckstraße. Das Problem dabei: Betreten werden kann das Gebäude nur durch zwei Zugänge über die angrenzenden Nachbargrundstücke. Der Vorstand und leitende Auktionator des Auktionshauses, Matthias Knake, macht sich trotzdem keine Sorgen um den Verkauf: „Das Objekt ist wirklich sehr interessant und vielseitig nutzbar. Man muss sich eben mit den Nachbarn absprechen wegen der Zugänge.“ Knakes Unternehmen hat schon viele ähnliche Bunker in ganz Deutschland versteigert. Diese waren meist freistehend, dafür jedoch auch nicht so zentral gelegen. Was aus den Schutzräumen geworden ist, hat der vielbeschäftigte Auktionator stets verfolgt: Mal wurden Millionen investiert und ein Penthouse auf dem Bunker installiert. Andere Male wurde kaum etwas geändert und die Gebäude fanden als Proberaum oder Lager ihren Zweck. „Was aus den Gebäuden wird, interessiert mich immer brennend. Die Ergebnisse fallen wirklich immer völlig unterschiedlich aus. Es kommt darauf an, ob der Meistbietende etwa ein Privatkäufer ist oder ein Projektentwickler, der schon genau geplant hat, was mit dem Gebäude passieren soll. Viele sprechen sich auch bereits vorher ab und investieren gemeinsam“, sagt Knake. Kaum jemand gebe vor dem Kauf bekannt, was er mit dem Gebäude vorhat – aus Sorge, dass dadurch der Kaufpreis steigen könnte. „So ein Gebäude ist wirklich unkaputtbar“ Selbst die Einrichtung eines Technoclubs, eines Konzertraums oder einer Disko wäre laut Knake im Ludwigshafener Bunker möglich: „Die Wände sind bis zu zwei Meter dick: Da kommt kein Schall durch. Selbst die Häuser direkt nebenan hören keinen Ton mehr. Idealer könnte es für so ein geräuschintensives Projekt nicht sein.“ Bei der Planung eines Veranstaltungsraums könnten allerdings fehlende Fluchtwege zur Herausforderung werden. Noch ein Grund für die völlig offene Zukunft des Bunkers ist der extrem niedrig veranschlagte Preis: Dieser könnte viele Interessenten anlocken, die nicht sofort Millioneninvestitionen etwa in Luxuswohnungen planen: Das Mindestgebot von 29.000 Euro ist weit unter dem Marktwert. Knake weiß: „Je niedriger der Mindestpreis, desto mehr Interessenten gibt es. Dadurch kommt das Objekt ziemlich sicher weg und der Preis steigt oft noch mal enorm.“ Der Zustand der Immobilie könnte jedoch zum Hindernis für eine künftige Nutzung werden, falls das Gebäude nicht völlig kernsaniert werden soll: Es sind keine Sanitäranlagen mehr vorhanden. Im Innenraum ist es bereits zu Feuchtigkeitsschäden, Salpeterausblühungen, Vandalismus und tierischem Befall gekommen. Strom, Wasser und Abwasser sind ebenfalls nicht vorhanden. Trotzdem bleibt Knake optimistisch: „Das Sanieren geht auch ohne großen Umbau oft recht schnell, etwa um die weniger komplizierte Errichtung eines Lagers zu ermöglichen. So ein Gebäude ist wirklich unkaputtbar. Das steht auch sicher noch in 100 Jahren. Ein Abriss währe ohnehin nicht finanzierbar und aufgrund der Tatsache, dass das Gebäude kürzlich unter Denkmalschutz gestellt wurde, auch gar nicht erlaubt.“ Dass das Auktionshaus an die kuriosesten Objekte gelangt und diese erfolgreich verkaufen kann, zeigen einige Beispiele: 2006 wurde das ehemalige DDR-Rundfunkzentrum in Ost-Berlin verkauft. Ein Investor hatte laut Knake den Gebäudekomplex für rund 350.000 Euro vom Staat erworben und den Hauptteil bei einer späteren Auktion für zirka vier Millionen Euro weiterverkauft. Auf der Verkaufsliste des Auktionshauses Knake stand außerdem das Dorf Alwine in Brandenburg, das 140.000 Euro einbrachte. Ein großer Block der in den 1930er-Jahren gebauten KDF-Ferienanlage (Kraft durch Freude) auf der Ostseeinsel Rügen, ein Dienstwagen von Erich Honecker, die Jagdresidenz des DDR-Stasichefs Erich Mielke oder das Berliner Geburtshaus von Marlene Dietrich sind ebenfalls bei Karhausen unter den Hammer gekommen. Außerdem versteigerte das Auktionshaus auch das „Tivoli“: Eines der ersten Kinos in Berlin, das an der Stelle erbaut worden war, an dem die Pankower Brüder Skladanowski ihre ersten Filme vorführten. Die beiden hatten eine der ersten Filmkameras überhaupt entwickelt. Wenn der Ludwigshafener Bunker nun von der Karhausen AG versteigert wird, reiht er sich in eine Riege bedeutender Immobilien ein. Noch Fragen? Am 14. Juni findet die Auktion ab 11 Uhr im Auktionshaus in der Berliner Friedrichstraße 180 statt. Wer nicht vor Ort sein kann, darf als Telefonbieter teilnehmen oder einen schriftlichen Bieterauftrag erteilen. In beiden Fällen muss sich der Interessent bis 7. Juni unter Telefon 030/8904856 oder per E-Mail info@karhausen-ag.de registrieren lassen.