Ludwigshafen Tagesmütter entdecken den Wald als Spielplatz
«Mutterstadt/Ludwigshafen.» Dieses Mal war es anders: Die Waldpädagogin Barbara Vogel – sonst mit Kindern im Wald unterwegs – hat 19 Tagesmütter aus dem Rhein-Pfalz-Kreis mit auf Entdeckungsreise in den Mutterstadter Wald genommen. Ihnen soll bei dieser Fortbildung der VHS und des Jugendamts gezeigt werden, wie sie mit einfachen Methoden Kinder im Wald sinnvoll beschäftigen können.
„Der Wald ist eine pädagogische Schatzkammer, die man wunderbar nutzen kann“, sagt Barbara Vogel zu den Frauen. Und weil man sich Dinge, die man selbst ausprobiert hat, einfach besser merken kann, dürfen die Frauen gleich mitmachen. Kinder und Stöcke ziehen sich magisch an, das kennt wohl viele Eltern. Ist man mit Kindern im Wald unterwegs, dauert es nicht lang, bis der Nachwuchs Stöcke aufhebt. „Stöcke an sich sind nichts Schlechtes, man muss den Kindern nur zeigen, wie man damit umgeht“, erklärt Barbara Vogel und fordert die Frauen auch gleich auf, Stöcke zu sammeln. Zunächst legen sie damit eine Sonne mit Strahlen auf den Waldboden und füllen sie mit „gelben Würstelchen“, den Blüten der Buchen. „Super Idee und doch so einfach, das kann man schon mit den ganz Kleinen machen“, sagt eine Teilnehmerin aus Dudenhofen. Ebenso wie Diana Reiß aus Fußgönheim ist sie auch ganz begeistert von dem Vorschlag, mit Wachsmalstiften Stöcke anzumalen und sie so in Feen- oder Zauberstäbe zu verwandeln. Bald ist die anfängliche Zurückhaltung der Teilnehmerinnen verschwunden und sie sortieren Stöcke nach der Länge, bauen den Grundriss einer Dreizimmerwohnung aus Stöcken und richten sie mit Fundstücken aus dem Wald ein. Nach und nach entsteht eine Wohnzimmergarnitur aus einem alten Baumpilz, ein gemütliches Blätterbett inklusive Nachttisch und Leselampe, Türen und Schränke. Nicht nur Kinder können sich dabei verweilen, doch die Zeit vergeht viel zu schnell. Barbara Vogel versammelt die Frauen auf dem „Waldsofa“ und macht ein bisschen Theorie. „Kinder, brauchen Rituale , Lieder sind immer gut und Zaubersprüche kommen ganz besonders gut an“, erzählt sie. Viele der Spiele lassen sich variieren, so dass sie für jedes Alter geeignet sind. Ein Beispiel: Die ganz Kleinen sammeln Stöckchen, die größeren Kinder bekommen den Auftrag nur ganz bestimmt Stöcke zu suchen. Oder: Die Kleinen trommeln einfach mit Stöckchen drauf los, die Größeren üben einen Rhythmus. Barbara Vogel empfiehlt auch, einen zentralen Platz einzurichten, wie das aus dicken Ästen gelegte Waldsofa als Versammlungs- und Picknickplatz. „Nur da wird gegessen, und zwar gemeinsam. Vorher wünschen wir uns einen guten Appetit“, erklärt die Pädagogin. Dabei lernen die Kinder spielend Tischregeln und die Betreuer sehen, was die Kinder in den Mund stecken. Weiter geht es mit praktischen Übungen, etwa mit dem Bau von Wichtelhäusern. Die Waldpädagogin zeigt Hüllen von Bucheckern – die Kopfbedeckungen der „Buchlinge“ und Schalen von Eicheln – die Mützen der „Eichlinge“. Und diese Wichtel brauchen Häuschen. Mit viel Glück findet man sogar die Haustiere der Wichtel: Kellerasseln oder Käfer. Der Sinn der Übung ist klar, die Kinder lernen dabei spielerisch Interessantes über die Pflanzen und Tiere im Wald. „So können sich Kinder stundenlang allein mit dem Material aus der Natur beschäftigen“, sagt Barbara Vogel. Das Einzige, was sie mitgebracht hat, ist ein Säckchen Murmeln. Dafür bauen die Tagesmütter nun Murmelbahnen aus Rinde und Stöcken. Die dreieinhalb Stunden im Wald sind viel zu schnell vorbei. Diese Veranstaltung sollte regelmäßig angeboten werden, darin waren sich die Teilnehmerinnen einig. Das sieht Barbara Vogel ähnlich: „Frühe Naturerlebnisse hinterlassen tiefe Spuren fürs ganze Leben. Solche Veranstaltung für Tagesmütter sind als Multiplikatoren besonders wichtig.“